10 Jahre nach dem Amoklauf in Nenzing: Eine Nacht, die Vorarlberg nie vergessen wird
Streit eskalierte in den frühen Morgenstunden
Das Open-Air-Fest auf dem Gelände außerhalb von Nenzing war die 30. Ausgabe der Veranstaltung des Motorradclubs. Rund 150 Gäste feierten laut damaligen Ermittlungen friedlich, ehe die Situation gegen 3 Uhr morgens eskalierte.
Der spätere Täter geriet auf dem Parkplatz zunächst in einen heftigen Streit mit seiner Lebensgefährtin. Danach verließ er das Gelände und kehrte einige Stunden später mit einem Firmenwagen zurück. Nach einer weiteren Auseinandersetzung holte der Mann aus dem Fahrzeug eine illegal beschaffte Zastava M92 – einen Nachbau der Kalaschnikow – und eröffnete aus einiger Entfernung das Feuer auf die Festbesucher.
Ein 48-jähriger Mann aus Nenzing sowie ein 33-Jähriger aus Lustenau wurden tödlich getroffen. Elf weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen durch Streif-, Steck- und Durchschüsse.
Mehrere Mitglieder des Motorradclubs näherten sich dem bewaffneten Mann während der Schüsse und versuchten, auf ihn einzureden. Nach den damaligen Ermittlungen könnte dieses Einschreiten verhindert haben, dass noch mehr Menschen verletzt oder getötet wurden.
Der Täter lud seine Waffe nach und nahm sich anschließend selbst das Leben. Seine Lebensgefährtin blieb unverletzt und alarmierte die Einsatzkräfte.
Großaufgebot an Einsatzkräften
Nach der Tat waren zahlreiche Einsatzkräfte stundenlang im Großeinsatz. Fünf Kriseninterventionsteams betreuten die traumatisierten Festbesucher.
Vor Ort standen acht Rettungswagen und drei Notarztfahrzeuge im Einsatz. 25 Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren direkt am Gelände, weitere 50 Kräfte wurden auf Abruf bereitgehalten. Aus dem ganzen Land wurden Polizisten nach Nenzing angefordert, um die unter Schock stehenden Besucher zu beruhigen und zu betreuen.
Täter war amtsbekannt
Die Ermittlungen ergaben später, dass der 27-Jährige der Polizei und dem Verfassungsschutz bekannt gewesen war. Er hatte Verbindungen zur rechtsextremen Szene und war mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Körperverletzung, gefährlicher Drohung und Verstößen gegen das Waffengesetz.
Bereits seit 2004 bestand gegen ihn ein Waffenverbot. Die bei der Tat verwendeten Waffen befanden sich dennoch illegal in seinem Besitz. Die Herkunft der Schusswaffen konnte laut Ermittlern nie vollständig geklärt werden.
Die Behörden stuften die Tat als Amoklauf infolge eines eskalierten Beziehungsstreits ein. Hinweise auf einen politisch motivierten oder terroristischen Hintergrund der Tat selbst fanden sich nicht.
Betroffenheit in ganz Österreich
Die Bluttat löste damals große Betroffenheit in ganz Österreich aus. Wenige Tage später nahmen rund 1.500 Motorradfahrer an einer "Fahrt gegen die Gewalt" teil. Am Tatort wurden Kerzen entzündet, Kränze niedergelegt und der Opfer gedacht.
Für die Opfer und ihre Familien begann ein langer Weg. Manche Verletzten tragen bis heute körperliche und seelische Narben. Entschädigungen aus dem Nachlass des Täters blieben aus. Das Fest des Clubs "The Lords" wurde nie wieder veranstaltet.
"Sind an einer noch viel größeren Katastrophe vorbeigeschrammt"
Der damalige Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler sprach bereits ein Jahr nach der Tat von tiefen Spuren, die das Ereignis in der Gemeinde hinterlassen habe. "Wir sind an einer noch viel größeren Katastrophe vorbeigeschrammt", sagte er damals mit Blick auf die zahlreichen abgegebenen Schüsse.
(VOL.AT)