11-Jährige in Dornbirn von Unbekanntem verfolgt: Sie war allein – und hat genau richtig reagiert
"Ein Mann ist ihr gefolgt"
Es war kurz nach 12.30 Uhr, als die Elfjährige an der Bushaltestelle "Kirche Schoren" ausstieg. Ihr Schulweg war Routine – doch an diesem Tag folgte ihr ein Mann. Er sprach sie an, bot an, sie mitzunehmen. Doch die Schülerin ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.
"Sie ist ausgestiegen – und ein Mann ist ihr gefolgt. Bis zur Unterführung. Er hat sie angesprochen und gefragt, ob sie mitfahren will", schildert ihr Vater im Gespräch mit VOL.AT.
Der Mann sei laut Beschreibung der Tochter zwischen 40 und 50 Jahre alt gewesen. Was dem Vater besonders nahegeht – und worauf er stolz ist: wie ruhig und klug seine Tochter gehandelt hat.
"Sie hat nicht geantwortet. Sie hat einfach ihr Handy gezückt und die Nummer der Polizei eingetippt. Das hat er gesehen – und ist daraufhin weggegangen", sagt er. Für ihn steht fest: "Ich habe ihr gesagt, wie sie sich in solchen Situationen verhalten soll – und sie hat es genau so gemacht."
Nach Hause, dann in die Schule
Das Mädchen ging nach dem Vorfall nach Hause, erzählte ihrer Mutter, was geschehen war. Am Nachmittag sei sie wie gewohnt wieder zur Schule gegangen. "Sie hat dann später mit mir noch mal ganz ruhig geredet und alles erzählt", so der Vater.
Für ihn war sofort klar, dass der Vorfall gemeldet werden muss: "So etwas muss man natürlich melden. Wenn so jemand unterwegs ist, dann sind alle Kinder in Gefahr."
"Wenn er ihr näher kommt, dann soll sie schreien"
Der Vater betont, wie wichtig die Vorbereitung auf solche Situationen ist. "Ich habe ihr gesagt: Wenn er näher kommt, dann soll sie schreien und weglaufen", sagt er. "Aber sie hat es schon vorher gut gelöst."
Er hofft, dass der Fall andere Eltern dazu bringt, mit ihren Kindern offen zu sprechen und sie für solche Situationen zu sensibilisieren: "Es geht nicht darum, Angst zu machen. Aber man kann Kinder stark machen – das hat meine Tochter bewiesen."
Polizei lobt das Verhalten
Die Polizei habe die Beschreibung des Mannes aufgenommen, erklärt der Dornbirner. "Sie haben gesagt, es war richtig, dass wir das gemeldet haben und wie meine Tochter reagiert hat." Es sei angekündigt worden, dass in dem Bereich künftig verstärkt kontrolliert werde.
Ähnliche Fälle zuletzt im Dezember
Bereits Mitte Dezember 2025 wurden in Vorarlberg mehrere verdächtige Vorfälle gemeldet, bei denen Kinder von unbekannten Erwachsenen angesprochen worden sein sollen.
- Bartholomäberg: Ein sechsjähriger Bub berichtete, auf dem Heimweg von einem Mann und einer Frau angesprochen worden zu sein. Sie hätten ihn mit Süßigkeiten in ein rotes Auto locken wollen. Das Kind lief davon und informierte seine Mutter. Die Polizei zeigte daraufhin verstärkte Präsenz im Ort, konnte bislang jedoch keine konkreten Hinweise auf eine versuchte Entführung feststellen.
- Klostertal und Wolfurt: In sozialen Netzwerken kursierten nach dem Vorfall in Bartholomäberg ähnliche Meldungen. Auch dort wurden Kinder aus einem Auto von einem Mann und einer Frau mit Süßigkeiten angelockt. Laut Polizei gingen dazu jedoch keine offiziellen Anzeigen ein.
Empfehlung der Polizei
Polizeisprecher Fabian Marchetti betonte im Dezember, dass jede Meldung ernst genommen werde. Dort, wo Meldungen einlangen, wird die Polizeipräsenz verstärkt. Man stehe auch im Austausch mit betroffenen Schulen. Beiträge in sozialen Medien sind aus Sicht der Polizei mit Vorsicht zu behandeln: So stellten sie sich im Dezember teils als Missverständnisse oder Fehlinterpretationen heraus. Im Zweifelsfall solle man bei der Polizei nachfragen.
Seit dem Fall Kampusch 1998 sei in Österreich keine Kindesentführung dieser Art mehr bekannt geworden, so Marchetti.
Was die Polizei rät – ein Überblick
- Kinder sollten geschult werden, selbstbewusst Nein zu sagen und in bedrohlichen Situationen laut um Hilfe zu rufen oder sich an "Rettungsinseln" wie Geschäfte zu wenden. Wenn möglich, sollen sie bestimmte Wege gemeinsam mit anderen zurücklegen.
- Eltern sollen mit ihren Kindern offen und ruhig sprechen, ohne Panik zu verbreiten.
- Meldungen in sozialen Netzwerken sollten stets kritisch hinterfragt werden. Im Zweifelsfall sollte man sich direkt an die Polizei wenden, statt Gerüchte weiterzugeben.
- Es gibt auch bewusste Falschmeldungen, die zur Verunsicherung beitragen oder betrügerische Absichten verfolgen.