23-jährige Mama aus Fußach begeistert im Netz: "Man wird auf das Muttersein nicht vorbereitet"
Wer Alia auf TikTok folgt, sieht Chaos, Kinderlachen und ehrliche Einblicke ins Familienleben. Was viele nicht wissen: Hinter ihren Videos steckt eine Lebensgeschichte, die ganz anders begann.
Mit zwei kleinen Kindern, mehr als 7000 Followern auf TikTok und einem Alltag zwischen Windeln, Spielplatz und mentaler Gesundheit zeigt Alia aus Fußach ungeschönt, wie das Leben als junge Mutter wirklich aussieht.
Video: "Ich habe mich einsam gefühlt"
Wenn Alia vor der Kamera spricht, sind ihre beiden Söhne meist nicht weit entfernt. Während des Interviews wird gelacht, getröstet und Bananenbrot verteilt – genau so, wie es auch in ihren TikTok-Videos zu sehen ist. Die 23-Jährige aus Fußach zeigt ihren Alltag bewusst so, wie er ist: laut, chaotisch und ehrlich.
"Mama-Sein wird viel zu schöngeredet"
In den sozialen Medien spricht sie über das Muttersein, mentale Gesundheit und Themen, über die aus ihrer Sicht viel zu selten offen angesprochen werden.
"Ich bin der Meinung, dass das Mama-Sein viel zu schön geredet wird", sagt sie. Viele Frauen würden nicht darauf vorbereitet, was sie nach der Geburt tatsächlich erwartet. Genau deshalb wolle sie auch die schwierigen Momente zeigen.
Schwieriger Start ins Leben
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. Rückblickend beschreibt Alia ihre Jugend als "turbulent" und "schwierig". Besonders das Verhältnis zu ihren Eltern sei belastend gewesen. Schließlich zog sie in eine ambulant betreute Wohnform.
"Dort hat es angefangen, dass ich mich langsam in den Griff bekomme", erzählt sie. Sie habe nötige Stabilität gefunden, um ihr Leben in die Richtung zu bekommen, die sie sich immer gewünscht hat: jung Mama werden.
Muttersein brachte Struktur
Mit 21 Jahren bekam Alia ihr erstes Kind, nur 13 Monate später folgte der zweite Sohn. Die beiden hätten ihr Leben komplett verändert.
"Meine Kinder haben viel Struktur in mein Leben gebracht, die mir gefehlt hat", sagt sie. Das Familienleben sei zwar "anstrengend", gleichzeitig bekomme sie aber unglaublich viel zurück.
Ihr Alltag beginnt meist bereits gegen sechs Uhr morgens. Spaziergänge, Ausflüge auf Bauernhöfe, Spielen, Kochen und die Betreuung der beiden Kleinkinder bestimmen den Tag. Unterstützung erhält sie von ihrem Partner und ihren Schwiegereltern.
Trotzdem fehle ihr manchmal etwas ganz Alltägliches: "Ich wünsche mir manchmal einfach Freundinnen, die vorbeikommen, kurz da sind oder einen Kaffee trinken. Oft reicht es schon, wenn einfach jemand da ist."
Gerade jungen Müttern fehle heute häufig das soziale Umfeld. "Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen", sagt Alia. Mehr Verständnis und gegenseitige Unterstützung würden den Alltag vieler Familien erleichtern.
Offen über psychische Gesundheit
Auf TikTok spricht Alia nicht nur über das Muttersein, sondern auch über ihre psychische Gesundheit. Unter anderem lebt sie mit ADHS und macht regelmäßig Videos darüber.
Bei der Fußacherin kam die Diagnose erst nach der Schwangerschaft. "Wichtig ist, dass man darüber redet." Mit ihren Videos möchte sie Vorurteile abbauen und anderen Betroffenen Mut machen.
Zuspruch aus der Community
Während ihre Offenheit im Internet im persönlichen Umfeld nicht immer gut ankomme, erlebt sie online viel Unterstützung. Immer wieder werde sie auf der Straße angesprochen: "Wenn Leute zu mir kommen und sagen: ‚Ich bin froh, dass du das Thema ansprichst‘, dann freut mich das einfach."
Auch ihre Familienplanung ist für Alia noch nicht abgeschlossen. Nach zwei Söhnen wünscht sie sich in naher Zukunft noch ein drittes Kind – "im besten Fall ein Mädchen", sagt sie schmunzelnd.
Trotz ihrer schwierigen Vergangenheit bereut sie ihren Weg keine Sekunde. Wenn sie heute auf ihr jüngeres Ich blickt, ist sie sich sicher: "Sie wäre voll stolz. Ich habe oft gedacht, das wird nichts mehr. Dass ich die Kurve gekratzt habe, fände sie richtig cool."
(VOL.AT)