Gegründet wurde das Theater Kosmos im Herbst 1996 – mit einem düsteren Erstlingsstück, "Der Disney-Killer", inszeniert auf der Hinterbühne des Festspielhauses. Die Produktion war ein voller Erfolg. Schon bald fanden sich Unterstützer aus Politik und Wirtschaft, die dem jungen Theater halfen, sich als zweite professionelle Bühne in Bregenz zu etablieren.
Die Ursprünge lagen im Umfeld der Bregenzer Festspiele: Fast das gesamte Gründungsteam hatte dort gearbeitet. Man kannte sich, war eingespielt, teilte die Leidenschaft für zeitgenössisches Theater – eine Nische, die im damaligen Vorarlberger Kulturleben kaum besetzt war.
Zwischen Selbstbau und Premierenfieber
Mit einem Telefon, einem Computer und viel Eigeninitiative begannen Jagg und Dragaschnig den Theaterbetrieb im alten Benger-Areal. An einem Abend sei ein Klavier in einen Raum geschleppt worden, um ein Konzert durchzuführen. Für die beiden ein Moment, der zeigte: "Jetzt sind wir angekommen."
Doch nicht alle Produktionen waren Erfolgsgeschichten. Die erste Premiere im neuen Haus – "Vorher/Nachher" von Roland Schimmelpfennig – sei künstlerisch gescheitert, heißt es rückblickend. Auch mit niedrigen Zuschauerzahlen habe man umgehen müssen. Trotzdem blieb das Theater seiner Linie treu: mutige Inhalte, ambitionierte Ästhetik, ein Rahmenprogramm mit Diskurs, Ausstellungen und Konzerten.
Übergabe 2027: Ein bewusster Schritt
Mit Josef Maria Krasanowski steht nun der künftige künstlerische Leiter fest. Er wird 2027 übernehmen. Bereits jetzt sei klar gewesen, dass sich Theaterästhetik und Publikum weiterentwickelt hätten. Man wolle nicht in die Rolle der Denkmalpfleger geraten, sondern bewusst Raum für neue Impulse schaffen.
Die Entscheidung sei früh gefallen, um eine saubere Übergabe zu ermöglichen. Krasanowski soll das Haus, das Team und das Umfeld in Ruhe kennenlernen können. Inhaltlich ist laut Jagg und Dragaschnig klar: Das Theater wird bleiben, aber es darf neue Formen und Perspektiven entwickeln.
Ein Appell an die Politik
Am Ende des Gesprächs formulierten beide Gründer einen Wunsch für die Zukunft: eine bessere finanzielle Ausstattung der freien Szene. Das Theater Kosmos sieht sich als Teil einer kulturellen Infrastruktur, die für die Demokratie wesentlich ist. Die Forderung: eine Verdoppelung des Landesbudgets für die freie Szene auf 0,1 Prozent.
"Es geht um eine kulturelle Atmosphäre, in der das Theater Kosmos auch weiterhin mitgestalten kann", betonte Dragaschnig. Nicht der Erfolg allein sei entscheidend, sondern der Beitrag zur Gesellschaft.
(VOL.AT)