Ein Leben für den Football
Es ist ein Abschied, der weit über einen normalen Abschied hinausgeht. Als Christoph Piringer am Sonntag im Hohenemser Herrenriedstadion ein letztes Mal offiziell in seiner Funktion als Präsident der Cineplexx Blue Devils stand, endete eine Ära, die den American Football in Vorarlberg erst möglich gemacht hat.
Begonnen hat alles mit einer Idee und erstaunlich viel Mut. "Ich glaube, ich war mit 16 der jüngste Vereinsgründer ever", sagt Piringer im Gespräch mit VOL.AT. 1993, inspiriert vom Meistertitel der Feldkirch Dinos, gründete der damals 16-Jährige die Dornbirn Broncos. Viel Zeit zum Zögern blieb nicht: "Ich spielte damals im Nachwuchs der Dinos und war beim Finale dabei. Auf der Heimfahrt habe ich mich entschieden, dass ich einen eigenen Verein gründe."
Was folgte, war Aufbauarbeit im besten Sinne. 1998 übersiedelte Piringer nach Hohenems und hob die Blue Devils aus der Taufe. Aus einem Projekt wurde ein Verein, aus einem Verein eine feste Größe – sportlich wie organisatorisch.
Europacup, Emotionen – und ein Finale für die Ewigkeit
Unter Piringers Führung erlebten die Blue Devils ihre erfolgreichsten Jahre. Siege im Europacup gegen renommierte deutsche Teams wie Stuttgart oder Berlin sorgten international für Aufmerksamkeit. "Die Heimspiele gegen Berlin und Hamburg waren sensationell. Live im Fernsehen – das war schon besonders", erinnert sich Piringer.
Unvergessen bleibt das EFAF-Cup-Finale 2007 in Graz. Die Devils führten zur Pause mit 20:0, ehe die Giants das Spiel im Schlussviertel noch drehten. "Das war ein Drama – im Nachhinein aber auch wieder im positiven Sinn", sagt Piringer. Am Ende stand ein 28:26 für die Giants – und ein Spiel, das bis heute nachhallt.
Mehr als ein Verein
Vielleicht noch wichtiger als Titel und Ergebnisse ist das, was abseits des Spielfelds entstanden ist. Piringer baute nicht nur ein Team auf, sondern ein Netzwerk, eine Football-Familie.
Mit 17 flog er selbst in die USA, um Spieler zu rekrutieren. Einer von ihnen, Jason Snyder, war 1999 der erste Importspieler der Blue Devils – der Kontakt besteht bis heute. "Ich bin teilweise noch mit den Spielern in Kontakt", erzählt Piringer. "Da sind viele Verbindungen entstanden – auch Familien. Das ist unersetzbar."
Auch im Nachwuchs setzte der Verein früh Maßstäbe, etwa mit Schulprogrammen und Flag Football. Dass die Blue Devils seit Jahrzehnten konstant spielfähig sind, wertet Piringer als besondere Leistung: "Wir haben nie ein Spiel absagen müssen. Das zeigt, wie groß die Akzeptanz ist."
Es ist nicht alles Gold was glänzt
Aber nicht alles lief in den vergangenen 33 Jahren reibungslos. "Der Tiefpunkt war immer der Kampf mit dem Verband, speziell mit dem aktuellen Präsidenten Michael Eschlböck. Man hat einfach genau gemerkt, sobald ein Verein aus dem Westen oder Süden den großen Vereinen zu nah gekommen ist, haben sie die Regeln geändert. Speziell was ausländische Spieler betrifft. Es gab Zeiten, da durfte nicht einmal jemand bei uns spielen, der gleich über der Grenze gewohnt hat", spricht Piringer einen Kampf gegen Windmühlen an.
Der bewusste Schnitt
Der Abschied selbst fiel ihm leichter als gedacht. "Es war nicht schwierig", sagt Piringer. "Eher für meine Kinder – der Papa war immer der Footballchef." Für ihn sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Beruflich und privat fordern mehrere Unternehmen seine Aufmerksamkeit.
Wichtig war ihm vor allem eines: ein klarer Übergang. "Ich ziehe mich zu 100 Prozent zurück. Ich treffe keine Entscheidungen mehr", betont er. "Wenn man einen Einflüsterer im Hintergrund hat, das kannst du vergessen."
Mit Kimberly Loböck übernimmt nun eine neue Präsidentin. Piringer zeigt sich überzeugt: "Ich habe ein gutes Gefühl, dass sie das gut macht."
Stolz statt Wehmut
Wehmut? Kaum. Vielmehr überwiegt der Stolz. Wenn Piringer heute auf die Blue Devils blickt, sieht er mehr als nur ein Team – er sieht das Ergebnis von 33 Jahren Leidenschaft.
"Wenn ich sehe, was da entstanden ist, bin ich eher stolz", sagt er. Und vielleicht ist genau das das größte Vermächtnis: Ein Sport, der im Westen Österreichs lange als exotisch galt, hat dank ihm Wurzeln geschlagen. Oder, wie Piringer selbst sagt: "Ich habe dem Football wahnsinnig viel zu verdanken."
(VOL.AT)