387 Millionen Euro: An wen das Land seine Aufträge vergibt
Das Vorarlberger Transparenzportal veröffentlicht seit Juli 2023 alle Landesaufträge ab 25.000 Euro Auftragswert. Die erfassten Beträge sind Angebotssummen zum Zeitpunkt der Vergabe, nicht die am Ende tatsächlich bezahlten Rechnungsbeträge. Beides kann voneinander abweichen, etwa wenn Projekte teurer oder günstiger werden als geplant. Eine Auswertung der Daten zeigt, welche Unternehmen in den vergangenen drei Jahren vom Land beauftragt wurden und wie stark ein einziges Projekt die Rangliste prägt.
Ein Projekt stellt alle anderen in den Schatten
Der größte Empfänger von Landesaufträgen ist keine einzelne Firma: Die ARGE (Arbeitsgemeinschaft als Zusammenschluss mehrerer rechtlich und wirtschaftlich selbstständiger Unternehmen zur gemeinsamen Ausführung eines Projekts) aus Jäger Bau GmbH, Strabag AG und Hilti & Jehle GmbH erhielt für den Stadttunnel Feldkirch den Zuschlag für rund 178,2 Millionen Euro netto und lässt damit alle anderen Empfänger weit hinter sich. Wie viel Geld am Ende tatsächlich fließt, kann vom veröffentlichten Auftragswert abweichen. Gerade bei Großprojekten dieser Größenordnung sind Nachträge, Anpassungen und spätere Abrechnungen möglich.
Auf Platz zwei im Ranking der größten Auftragnehmer folgt die Nägele Hoch- und Tiefbau GmbH mit rund 11,4 Millionen Euro für verschiedene Straßen- und Bauprojekte. Dahinter liegt die ARGE 3G/IGT, die unter anderem bei geotechnischer Baubegleitung und Bauaufsicht im Umfeld des Stadttunnels aufscheint. Die 3G ZT Gmbh hat ihren Firmensitz in der Steiermark (mit Büro in Dornbirn), die IGT Geotechnik und Tunnelbau Ziviltechniker GmbH sitzt in Salzburg (mit Büro in Schruns).
Großaufträge rund um die Berufsschule Bregenz
Gleich vier Unternehmen verdanken ihren Platz in den Top 10 zu einem wesentlichen Teil demselben Großprojekt: der Landesberufsschule in Bregenz. Manahl Metallbau ist dort mit Fassadenarbeiten vertreten, Stolz Markus GesmbH & Co KG mit Heizungs-, Sanitär-, Kälte- und Lüftungstechnik. i+R Bau erhielt Aufträge für Baumeisterarbeiten, Fiegl + Spielberger für Elektroinstallationen.
Zusammen kommen diese vier Unternehmen in der Gesamtwertung auf rund 35 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil davon entfällt auf Rahmenvereinbarungen für das Berufsschulprojekt: Bei den vier Firmen wurden Rahmenvereinbarungen im Umfang von insgesamt rund 31 Millionen Euro veröffentlicht. Daraus wurden laut Transparenzdatenbank bislang allerdings erst Abrufe von rund 10,6 Millionen Euro getätigt.
Straßen, Brücken, Tunnel
Abseits der Berufsschule prägen vor allem Straßen-, Brücken- und Tunnelaufträge die Liste. Oberhauser & Schedler, HTB, Tomaselli, Hilti & Jehle, Wilhelm+Mayer und Strabag scheinen mit Arbeiten an Landesstraßen, Brücken, Hangsicherungen oder Tunnelprojekten auf.
Das ist wenig überraschend: Große Infrastrukturprojekte gehören zu den teuersten Aufgaben des Landes. Sie benötigen Spezialmaschinen, Planung, Bauaufsicht und oft mehrere Gewerke gleichzeitig.
Auch Elektro Steiner aus Nüziders schafft es über Infrastrukturaufträge in die Top 20. Das Unternehmen ist unter anderem mit elektromechanischer Ausrüstung im Tunnel- und Straßenbereich vertreten.
Ausreißer jenseits des Betons
Die Liste wird zwar klar von Bau- und Infrastrukturunternehmen dominiert, sie besteht aber nicht ausschließlich daraus.
Die REVITAL Integrative Naturraumplanung GmbH aus Tirol liegt mit Leistungen rund um das Moor-Renaturierungsprojekt LIFE AMooRe auf Rang 13.
Der Maschinenring kommt über Personal- und Betriebsdienstleistungen für den Landesflussbauhof auf Rang 17.
Die Südwestdeutschen Salzwerke scheinen mit Lieferungen von Auftausalz auf. KPMG Advisory erreicht die Top 20 mit der Einführung einer neuen HR-Softwarelösung – als einziges Beratungs- und Digitalisierungsunternehmen in der Spitzengruppe.
Auftragswert ist nicht Gewinn
Die veröffentlichten Zahlen zeigen, welche Unternehmen und Arbeitsgemeinschaften Zuschläge des Landes erhalten haben. Die Auswertung beantwortet daher vor allem eine Frage: Wer erhält die größten veröffentlichten Landesaufträge? Sie zeigt nicht, wer daran am meisten verdient.
Schau selbst nach
In unserer Datenbank kannst du alle Landesaufträge selbst durchsuchen – nach deiner Gemeinde, nach einer Firma oder nach einem bestimmten Projekt. Schau nach, wer zwischen Juli 2023 und Mai 2026 Aufträge vom Land bekommen hat.
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(VOL.AT/lum)