Nach drei Jahren hat Chiara-Belinda Schuler die magische Marke geknackt und sich selbst erlöst.
Lange sitzt Chiara-Belinda Schuler nach ihrem abschließenden 800-Meter-Lauf auf der Tribüne im Lustenauer Parkstadion und aktualisiert immer wieder die Ergebnisliste. Erst wenige Minuten später steht endgültig fest, worauf die Hörbranzerin drei Jahre lang hingearbeitet hat: 6003 Punkte.
"Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert", erzählt die 25-Jährige im Gespräch mit VOL.AT. Die Erleichterung ist riesig. "Es fällt schon einiges ab, weil mich diese Zahl jetzt doch schon eine ganze Weile begleitet hat", sagt sie und schmunzelt.
Lockerheit bringt die Erlösung
Dabei verzichtete Schuler diesmal ganz bewusst auf das, was sie in den vergangenen Jahren oft begleitet hatte: das ständige Rechnen. Nach jeder Disziplin wollte sie weder ihren aktuellen Punktestand kennen noch ausrechnen, was noch möglich wäre. "Der Schlüssel war sicher, dass ich ohne Erwartungen in das Wochenende gegangen bin. Ich wollte einfach Spaß haben." Und genau dieser Plan ging auf.
Mit persönlicher Bestleistung über 100 Meter Hürden in 13,51 Sekunden (1049 Punkte) legte sie den Grundstein. Es folgten 1,65 Meter im Hochsprung (795), 13,48 Meter mit der Kugel (759) sowie 24,82 Sekunden über 200 Meter (903). Am zweiten Tag bestätigte sie ihre starke Form mit 5,90 Metern im Weitsprung (819) und 49,06 Metern im Speerwurf (842).
Erst vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf wurde ihr langsam bewusst, dass die magische Marke tatsächlich in Reichweite lag. Trotzdem wollte sie bis zum Zielstrich nicht wissen, welche Zeit notwendig sein würde. "Erst danach hat man mir gesagt, dass ich ungefähr 2:19,30 Minuten brauche." Schuler lief 2:19,10 Minuten (836 Punkte) und machte damit den lang ersehnten Traum perfekt. "Als endlich feststand, dass es gereicht hat, habe ich mich wahnsinnig gefreut."
Dass die Verbesserung der persönlichen Bestleistung von 5916 Punkten, aufgestellt 2023 in Götzis, auf 6003 Punkte überhaupt möglich wurde, war nach den vergangenen Monaten alles andere als selbstverständlich. Mit ihrer Leistung ist Schuler zudem erst die fünfte Österreicherin, die jemals die 6000-Punkte-Marke im Siebenkampf übertreffen konnte. Immer wieder machten der Hörbranzerin Rückenprobleme zu schaffen, teilweise so stark, dass an Training kaum zu denken war.
"Es gab Phasen, in denen ich mir gedacht habe: Das kann doch nicht sein." Erst eine Woche vor den Mehrkampf-Landesmeisterschaften konnte sie nach dem Hypomeeting in Götzis Ende Mai erstmals wieder normal trainieren. Umso größer war die Unsicherheit, wie der Körper auf zwei Wettkampftage reagieren würde.
Noch längst nicht am Limit
Überrascht hat Schuler, dass sie die 6003 Punkte mit nur einer einzigen persönlichen Bestleistung erreicht hat. "Das zeigt, dass noch einige Reserven vorhanden sind." Neue Zielzahlen möchte sich die fünffache Hypomeeting-Teilnehmerin aber noch nicht setzen. "Jetzt möchte ich den Moment einfach genießen."
Bereits Ende Juli stehen in Innsbruck die Einzel-Staatsmeisterschaften auf dem Programm. Dort möchte Schuler den VLV-Rekord über 100 Meter Hürden angreifen, den sie um lediglich eine Hundertstelsekunde verpasst hatte. Danach soll vor allem eines helfen: die neue Gelassenheit. "Das große Ziel ist endlich abgehakt, das macht vieles leichter."
(VOL.AT)