7,20 statt 9,60 Euro: Warum du für dieselbe Zugfahrt mehr zahlst
Ein Social-Media-Posting sorgt derzeit für Diskussionen. Ein Nutzer behauptet, dass eine Zugfahrt um 2,40 Euro günstiger wird, wenn man statt eines Tickets zwei kauft. Was wie ein einfacher Spartrick wirkt, kann aber bei der Ticketkontrolle zu Problemen führen. VOL.AT macht den Selbsttest.
Video: VOL.AT macht den Selbsttest
VOL.AT hat die Preisangaben vor Ort überprüft. Das Ergebnis: Die Berechnung stimmt.
Mehr Aufwand, weniger Kosten
Besonders kurios: Für die günstigere Variante müssen sogar zwei Tickets gelöst werden. Der Fahrgast hat also mehr Aufwand, während gleichzeitig zusätzliche Buchungsvorgänge entstehen.
Tarifsystem sorgt immer wieder für Verwirrung
Dass Bahnfahrten durch Tarifgrenzen, Verbundregelungen oder unterschiedliche Preiszonen teilweise überraschende Ergebnisse liefern, ist kein neues Phänomen. Der aktuelle Fall wirkt jedoch wie ein klassischer Schildbürgerstreich: Wer dieselbe Strecke in zwei Teile zerlegt, fährt günstiger als jener Fahrgast, der einfach nur ein Ticket von A nach B kaufen möchte.
Das sagt der Vorarlberger Verkehrsverbund
Mit den Preisen selbst hat die ÖBB in diesem Fall nichts zu tun. Die Tarife im Vorarlberger Nahverkehr werden vom Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) festgelegt.
Dort sieht man den Preisunterschied nicht als Fehler, sondern als Folge des neuen Tarifsystems. Laut VVV-Sprecher Daniel Amann wurde die Tarifwelt bewusst vereinfacht. Früher mussten Fahrgäste wissen, welche der insgesamt 94 Tarifzonen – die sogenannten Dominos – sie für ihre Strecke benötigen. Heute gibt es nur noch die drei Tarifstufen "LOKAL", "REGIO" und "MAXIMO".
Entscheidend ist dabei immer die Station, an der die Fahrt beginnt. Wer in Dornbirn Schoren nach Rankweil fahren möchte, erhält automatisch das dafür vorgesehene Ticket. Wer erst in Altach einsteigt, bekommt ein anderes – und günstigeres – Ticket angezeigt.
Der vom verärgerten Fahrgast beschriebene Spartrick ist laut VVV deshalb eigentlich nicht vorgesehen. Wer in Dornbirn Schoren einsteigt, muss auch das Ticket für die dort beginnende Fahrt lösen. Die Tarifbestimmungen sehen nicht vor, dass Fahrgäste ihre Reise mit mehreren unterschiedlichen Zonentickets künstlich aufteilen. Laut Amann ist eine solche Kombination für einen Fahrschein nicht möglich, und bei Kontrollen wäre das Ticket nicht gültig.
Erlaubt sei hingegen, eine Fahrt tatsächlich zu unterbrechen und später eine neue Fahrt zu beginnen. Wer etwa in Altach aussteigt, dort etwas erledigt und anschließend mit einem späteren Zug weiterfährt, könne dafür ein neues Ticket lösen. "Dann sind das zwei Fahrten", erklärt Amann. Nicht zulässig sei hingegen, während einer durchgehenden Zugfahrt mehrere Tickets für einzelne Streckenabschnitte zu kombinieren, um den Preis zu senken.
Auf die Frage, wie ein solcher Verstoß überhaupt kontrolliert werden könne, räumt der VVV ein, dass eine lückenlose Überprüfung in der Praxis nicht immer möglich sei. Maßgeblich seien jedoch die Tarifbestimmungen. Zudem würden Fahrkarten sowohl von Mobilbegleitern in Bussen als auch von Zugbegleitern kontrolliert. Diese seien auf den Strecken unterwegs und könnten feststellen, ob ein Fahrgast eine durchgehende Fahrt lediglich künstlich aufgeteilt hat.
Eine Erklärung, die einleuchtet, aber in der Praxis wohl weiterhin für Kopfschütteln sorgen wird.
(VOL.AT)