95 Prozent bleiben nur Minuten – was die Sperre für Copain wirklich bedeutet
Copain sieht ein Problem – die Stadt offenbar nicht
Die Parkplätze gegenüber der Copain Bakery in Hohenems sind gesperrt. Für viele Kunden gehörte der kurze Halt seit der Eröffnung 2024 zum Alltag.
Genau diese Stopps fallen jetzt weg – und bringen den Betrieb in eine ungewohnte Lage.
Die Betreiber machen ihrem Ärger öffentlich Luft und sprechen von „endgültig gesperrten Parkplätzen“ – verbunden mit einem sarkastischen Dank „für die Unterstützung des lokalen Handels“.
Ein VOL.AT-Lokalaugenschein zeigt: Die Fläche neben den Parkplätzen wurde bereits bearbeitet. Die bisherigen Parkplätze sind aktuell mit Betonelementen abgesperrt. Zwei Fahrzeuge ohne Kennzeichen, die sich vorher auf dem Grundstück befanden, stehen auf der abgesperrten Fläche.
"Wir wissen erst seit Februar von der Schließung"
Die Betreiber, Gilian Bittoun und Thomas Pedron, erklären: "Wir wissen erst seit Februar von der Schließung dieser Parkplätze."
Die Stadtverwaltung von Hohenems möchte laut ihnen den Platz begrünen, "der mindestens zwei bis drei Jahre lang leer bleiben dürfte". "Sie möchte diesen Platz nachts nicht zur Verfügung stellen oder als kostenlosen Parkplatz nutzen", so Bittoun auf VOL.AT-Anfrage. "Wir haben jedoch als Alternative vorgeschlagen, Parkuhren aufzustellen."
Der Wegfall der Parkplätze dürfte aus ihrer Sicht auch die beiden Nachbarbetriebe – die "Dia Bar" und den "Rosapunkt – Concept Store" – "stark beeinträchtigen". "Wir hatten bereits stark unter den sechsmonatigen Bauarbeiten im Jahr 2025 gelitten", geben Pedron und Bittoun zu verstehen. "Es scheint, als sei dies keine Priorität der Stadt."
Gemeint ist damit der Umbau des Kreuzungsbereichs über mehrere Monate – mit neuer Verkehrsführung, Pflasterungen und Begrünung.
95 Prozent kommen nur wenige Minuten
Für kurze Besuche in der Bäckerei seien öffentliche Parkplätze keine wirkliche Alternative: "Die Tiefgarage unter dem Rathaus ist für unsere Kunden nicht relevant. 95 Prozent der Copain-Kunden kommen in weniger als fünf Minuten in die Bäckerei und verlassen sie wieder."
"Wir finden es schade, dass so viel Geld für Werbekampagnen ausgegeben wird, um die Stadt Hohenems attraktiv zu machen, aber nicht auf die lokalen Geschäfte gehört wird, die der Stadt im Alltag einen echten Mehrwert bieten."
Bereits in sozialen Medien wiesen Bittoun und Pedron ihre Kunden auf alternative Parkmöglichkeiten hin: Am Anfang der Marktstraße können Kunden für zehn bis 15 Minuten parken, um die Bäckerei zu besuchen. "Allen, die vor Ort konsumieren möchten, empfehle ich den Parkplatz am Rathaus", so Gilian Bittoun.
"Man hat der Bäckerei ihre Parkplätze genommen"
"Man hat der Bäckerei ihre Parkplätze genommen", meint Sabine Rosenhammer von Rosapunkt beim VOL.AT-Lokalaugenschein. Die Copain Bakery ist aus ihrer Sicht am meisten betroffen, da Kunden dort gerne kurz stehen blieben, um französisches Brot und Croissants zu holen. Sie selbst sei jedoch nicht direkt betroffen.
Laut der Händlerin wurden die Betriebe von der Stadt auf öffentliche Parkmöglichkeiten verwiesen. Viele ihrer Kunden würden ohnehin in der Innenstadt parken und mehrere Geschäfte kombiniert besuchen.
In Einzelfällen komme es vor, dass Kunden zuerst kurz bei der Bäckerei halten und danach noch bei ihr im Concept Store vorbeikommen. Für diese sei der Wegfall der Parkplätze eine Umstellung. Wie er sich tatsächlich auswirken werde, werde man sehen.
Stadt: "Fläche war ursprünglich kein Parkplatz"
Die gesperrten Stellplätze waren laut Stadt Hohenems nur eine Übergangslösung für den Umbau der Kreuzung Diepoldsauer Straße/Radetzkystraße. "Diese Fläche war ursprünglich kein Parkplatz. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten entfällt diese temporäre Nutzung", informiert Kommunikationsleiter Simon Egle.
Als Alternative verweist die Stadt auf die Tiefgarage beim Rathaus. Es gelte ein Grundsatzbeschluss: "Zudem verfolgt die Stadt Hohenems entsprechend eines Beschlusses der Stadtvertretung das Ziel, keine zusätzlichen oberirdischen Parkflächen im Stadtgebiet zu schaffen."
Die Stadt weist die Kritik zurück. Laut Kommunikationsleiter Simon Egle habe es ein konkretes Angebot gegeben: Vier Kundenparkplätze für die Bäckerei hätten zu günstigen Konditionen angemietet werden können. Mehrfach sei zur Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrags eingeladen worden. Zuletzt sei der Stadt mitgeteilt worden, dass das Angebot nicht weiterverfolgt werde.
Eine dauerhafte Nutzung der Fläche als Parkplatz sei zudem nie zugesagt worden. "Auch wurde im Vorfeld mehrfach darauf hingewiesen, dass entlang der Landesstraße keine dauerhaften Parkmöglichkeiten geschaffen werden können."
Was hat die Stadt mit dem Grundstück vor?
Zur künftigen Nutzung des Grundstückes heißt es: "Eine Begrünung ist für die größere angrenzende Fläche vorgesehen, nicht jedoch für das betroffene Grundstück selbst", so Egle.
(VOL.AT)