"Ab sofort verfügbar!" – Traditionsgeschäfte im Feldkircher Zentrum sperren zu
Bewegt man sich dieser Tage durch die idyllische Feldkircher Altstadt, liegt der Frühling förmlich in der Luft: Blauer Himmel, Sonnenschein und Menschen, die ihre Freizeit in der Gelateria genießen. Doch bei genauerem Hinsehen stechen einem beim Schlendern durch die Montfortstadt ein paar leerstehende Geschäftslokale ins Auge. Nicht nur die beliebte Lederwarenhandlung "Oberleiter" in der Schmiedgasse hat bereits für immer ihre Pforten geschlossen.
Auch in der Marktgasse steht ein Lokal seit längerer Zeit leer. Das Reisebüro "5 vor 12 reisen" ist umgezogen, der frühere Standort Neustadt ist ebenfalls verwaist und sucht einen Nachfolger ("Ab sofort verfügbar!"). Immerhin: Der Süßigkeiten-Shop "Naschkult" in der Kreuzgasse bekommt laut Aushang in Kürze mit dem "Weltladen" einen Nachfolger.
Laut Stadtmarketing liegt die Leerstandsquote der Handelsflächen im Zentrum derzeit zwischen 4,5 und 5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie um 3,5 Prozentpunkte gestiegen. Zur Einordnung: Österreichweit befindet sich der Durchschnitt bei 8,4 Prozent.
19 Geschäftsflächen verfügbar
"Auf unserer internen Liste der derzeit verfügbaren Geschäftslokale sind Stand heute 19 Geschäftsflächen vermerkt", erklärt Lukas Debortoli, Geschäftsführer des Stadtmarketings. Diese Liste diene auch als Grundlage für die Vermittlung bei Anfragen ansiedelungsinteressierter Betriebe.
Aktuell liegen mehr als zehn Anfragen von Interessenten vor, die auf der Suche nach Geschäftsflächen in der Innenstadt sind. Das Stadtmarketing versuche, den Kontakt zwischen Interessierten und Immobilieneigentümern herzustellen.
Die Gründe, die zu den Leerständen geführt haben, seien "vielfältig": "Von Pensionierungen und fehlender Nachfolge bis hin zu Filialschließungen größerer Ketten und wirtschaftlichen Schwierigkeiten beziehungsweise Insolvenzen. Aber auch (Um-)Bauarbeiten können hier als Ursachen genannt werden."
Konkurrenz Onlinehandel
Wie in anderen Städten landesweit setze auch Feldkirch die "gesamtwirtschaftliche Lage" zu. Debortoli nennt Inflation, Teuerung und den Rückgang der Kaufkraft als größte Hürden für Geschäftsleute. Dazu kämen "allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen wie der Zuwachs des Onlinehandels und Plattformen wie Amazon, Temu und Shein".
Darüber hinaus seien aber auch fehlende Optionen beim Generationswechsel – sei es bei der Familien- beziehungsweise Firmennachfolge – Ursachen für Geschäftsschließungen bzw. die Zurückhaltung bei Neueröffnungen und Expansionen.
Themen, die der lokalen Wirtschaft und Gastronomie immer wieder Probleme bereiten, sind laut Debortoli "infrastrukturelle Rahmenbedingungen wie Parkmöglichkeiten – im Vergleich zu Einkaufs- oder Fachmarktzentren am Stadtrand – und Erreichbarkeit sowie gesetzliche Rahmenbedingungen beziehungsweise bürokratische Hürden".
Letzteres betreffe insbesondere die Gastronomie, Stichwort Gastgartengenehmigungen. Gefragt werde auch immer wieder nach möglichen Förderungen.
(VOL.AT/Rausch)