Rund 80 Einsatzkräfte trainierten am 31. Jänner in Hittisau den Ernstfall. Bei der groß angelegten Gebietsübung „Bregenzerwald“ probte die Bergrettung gemeinsam mit Drohnen- und Hundestaffel, Alpinpolizei und Notärzten ein komplexes Großszenario – mit einem klaren Ziel: im Notfall Leben zu retten.
Großübung am Hittisberg
Wenn Wanderer abstürzen, Menschen im Wald die Orientierung verlieren oder Hilfe dort gebraucht wird, wo kein Fahrzeug mehr hinkommt, ist sie gefragt: die Bergrettung Vorarlberg. Damit Einsätze im Ernstfall reibungslos funktionieren, braucht es intensive Vorbereitung. Eine dieser Proben fand am 31. Jänner im Raum Hittisau statt.
Die jährliche Gebietsübung "Bregenzerwald" wurde heuer von der Ortsstelle Hittisau-Sibratsgfäll organisiert. Insgesamt standen rund 80 Einsatzkräfte im Übungseinsatz - unterstützt von Drohnen- und Hundestaffel, Alpinpolizei sowie Notärzten. Dazu kamen 20 Notfalldarsteller, die realistische Verletzungsszenarien simulierten.
Organisation als Kraftakt
Die Vorbereitung der Übung begann Wochen zuvor. „Ja, das ist eine große Herausforderung“, erklärte Wolfgang Bechter, Alpinausbilder bei der Bergrettung Hittisau-Sibratsgfäll. „Wir haben ein Team gegründet und das Ganze ausgearbeitet.“ Bereits vor zwei Monaten habe man begonnen, mögliche Szenarien zu planen und Schwerpunkte festzulegen.
Der organisatorische Aufwand sei enorm gewesen: Gespräche mit Jägern und Grundeigentümern, Abstimmungen mit den Gemeinden und den Bürgermeistern. „Weil doch knapp 100 Personen dort am Hittisberg herumlaufen“, so Bechter. Dazu kamen Logistik, Verpflegung, Funktechnik und Sicherheitsabsprachen. „Da kann man ein ganzes Buch lang schreiben, was da auf uns zugekommen ist.“
Fünf Szenarien, ein Ernstfall
Kern der Übung war ein komplexes Ausgangsszenario: Eine deutsche Schulklasse wandert auf den Hittisberg, um einen neuen Funkmast zu besichtigen. Plötzlich bricht Panik aus, die Gruppe teilt sich - fünf unterschiedliche Einsatzlagen entstehen.
„Die Personen sind zum Teil in Panik ausgebrochen, manche sind abgestürzt oder in unwegsames Gelände geraten“, schilderte Christiane Hirtler-Fleisch, Alpin- und Canyoningausbilderin der Bergrettung Hittisau. Diese Situationen wurden realitätsnah nachgestellt. Verletzte Darsteller wurden gesichert, medizinisch erstversorgt und warteten an definierten Punkten auf die Einsatzkräfte, die sie lokalisieren und bergen mussten.
Drohnen als Schlüsseltechnologie
Besonders gefordert war bei der Übung die neu gegründete Drohnenstaffel der Bergrettung. Eine Splittergruppe der Schulklasse flüchtete in bewaldetes Gebiet - ihre genaue Position war zunächst unbekannt. Genau hier zeigte sich das Potenzial moderner Technik.
„Wir haben ein Wärmebild, extrem gute Kameras und eine Flugleistung, mit der wir dank Batteriewechseln rund um die Uhr fliegen können“, erklärte Dominik Willi von der Drohnenstaffel. Große und schwer zugängliche Flächen, für die früher viele Einsatzkräfte nötig gewesen wären, könnten heute rasch aus der Luft abgesucht werden. „Die Gefahr übernimmt jetzt teilweise die Drohne.“
Die Entwicklung gehe rasant voran, betonte Willi. Umso wichtiger seien zentrale Schulungen, regelmäßige Übungen und gut ausgebildete Einsatzpiloten. Auch die Koordination mit Hubschraubern und anderen Organisationen sei entscheidend, um Konflikte im Luftraum zu vermeiden.
Teamwork rettet Leben
Ob am Boden oder aus der Luft: Die Gebietsübung im Bregenzerwald machte deutlich, wie wichtig eingespielte Abläufe, moderne Technik und kontinuierliche Weiterbildung sind. Überall war der Wille spürbar, sich weiterzuentwickeln – für den Moment, in dem aus einer Übung bitterer Ernst wird.
Was an diesem Wintertag in Hittisau trainiert wurde, kann morgen den Unterschied machen. Zwischen Leben und Tod. (LÄNDLE TV)