Abtreibungsarzt Hostenkamp schließt seine Praxis endgültig
Der Name Benedikt Johannes Hostenkamp ist in Vorarlberg untrennbar mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch verbunden. Über viele Jahrzehnte hinweg war der Mediziner der einzige Arzt im Land, der Abtreibungen anbot – offen, öffentlich und gegen teils massiven Widerstand. Seit 2014 arbeitete Hostenkamp in Altersteilzeit, nun ist Schluss: Mit Ende Jänner sperrt er seine Ordination endgültig zu, berichtet der ORF Vorarlberg.
Abbrüche inzwischen im LKH Bregenz möglich
Eine Zäsur ist das vor allem deshalb, weil Schwangerschaftsabbrüche in Vorarlberg lange Zeit ausschließlich in Hostenkamps Privatpraxis durchgeführt werden konnten. Erst seit zwei Jahren sind Abbrüche auch als Privatleistung im Landeskrankenhaus Bregenz möglich. Ursprünglich war dafür eine eigene Praxis im ehemaligen Personalheim neben dem Spital geplant. Nachdem sich jedoch zeigte, dass Umbau und Umsetzung teuer und langwierig wären, präsentierte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) eine Alternative: eine Praxis direkt im LKH Bregenz.
Seit dieser Entscheidung beschränkte sich Hostenkamp selbst auf medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche.
Morddrohungen und Proteste
Wie emotional aufgeladen das Thema Abtreibung ist, bekam der Arzt über Jahre hinweg hautnah zu spüren. Hostenkamp erhielt nach eigenen Angaben mehr Morddrohungen, als er zählen könne. Immer wieder hielten sich Abtreibungsgegner vor seiner Praxis auf.
Auch rund um das LKH Bregenz kam es zu Protesten: Im Jahr 2024 versammelten sich dort etwa dreimal wöchentlich sogenannte "Lebensschützer" auf dem öffentlichen Gehweg. Michael Rohde, Primar der Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Bregenz, sprach damals von einem "inakzeptablen Zustand" und forderte eine Bannmeile zum Schutz der Patientinnen.
Anerkennung aus der Ärzteschaft
Einschüchtern ließ sich Hostenkamp davon nie. Er galt lange als einziger Arzt im Land, der nicht nur bereit war, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, sondern auch öffentlich darüber zu sprechen. Dafür erhielt er viel Anerkennung aus der Ärzteschaft. Gleichzeitig übte er immer wieder Kritik daran, dass Frauen im Krankenhaus in Bregenz seiner Ansicht nach zu wenig Begleitung erhielten.
Rund 300 Abbrüche pro Jahr
Die Zahlen zeigen, wie relevant das Thema bleibt: In Vorarlberg werden jährlich rund 300 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Allein zwischen Dezember 2023 und Jänner 2025 wurden im Rahmen der Fristenregelung insgesamt 293 Abbrüche vorgenommen. Rund 70 Prozent davon erfolgten medikamentös, etwa 30 Prozent operativ.
(VOL.AT)