AA

"Alles muss weg!" – Schrebergärtnern droht das Aus

Für viele war es ihr kleines Paradies. Doch damit ist bald Schluss: In einer großen Schrebergartenanlage müssen zahlreiche Hütten bis März 2028 verschwinden.

"Wir müssen jetzt bis zum 15. März 2028 die Hütte abgerissen haben", sagt Reinhard Wehinger (73). Er ist seit über 13 Jahren Pächter in der Anlage. Die Vorgabe ist eindeutig: "Alles, was errichtet wurde, muss nun auf den ursprünglichen Zustand zurückgebaut werden."

Reinhard Wehinger (73) ist seit über 13 Jahren Pächter. ©VOL.AT/Robert Weber

Direkt an der L190, an der Grenze zwischen Hohenems und Dornbirn, liegen auf der westlichen Seite kleine, idyllische Schrebergärten – ein grüner Rückzugsort mitten im Alltag. Das Gebiet gilt als blaue Zone. "Das ist alles Hochwasserzone", erklärt Wehinger.

Was ist die Blauzone

Die Blauzone Rheintal dient der langfristigen Sicherung zusammenhängender Freiflächen für den Hochwasserschutz. Sie schützt Siedlungsräume und sichert Flächen für Hochwasserabfluss, Rückhalt sowie zukünftige Schutzmaßnahmen. Die Blauzone Rheintal legt fest, dass ausgewiesene Flächen grundsätzlich von Bebauung freizuhalten sind, mit Ausnahmen für bestehende land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie Sonderwidmungen. Sie umfasst 54,4 km² in 22 Gemeinden, sichert langfristig Flächen für Hochwasserschutzmaßnahmen und gilt als österreichweit einzigartiger Meilenstein der Raumplanung.

Was über Jahre hinweg toleriert wurde, wird nun von Amts wegen beendet: Die Schrebergärten werden aufgelöst, die Pächter müssen ihre errichteten baulichen Anlagen einschließlich allfälliger Schüttungen sowie asphaltierter Flächen vollständig entfernen und den ursprünglichen Zustand der Liegenschaft wiederherstellen.

Ein weiterer Betroffener schildert, dass es schon seit jeher Unklarheiten bei der Regelung der Schrebergärten gibt. Seiner Ansicht nach hätte man fünf Personen fragen können und zehn unterschiedliche Antworten erhalten. Der Zeitplan steht: Bis März 2028 muss die Anlage vollständig geräumt sein.

Dass die Nutzung auf wackeligen Beinen stand, war vielen bewusst. "Wir haben gewusst, worauf wir uns einlassen", sagt Wehinger. Trotzdem seien die Gärten über Jahrzehnte aus dem Alltag nicht wegzudenken gewesen.

Ein Stück gelebte Idylle – doch die Zukunft vieler Gärten ist ungewiss. ©VOL.AT/Robert Weber

Weiters gibt Wehinger an, dass nicht alle gleichermaßen betroffen sind: Bestandsschutz gilt für ältere Bauten. Alles, was vor den 1970er-Jahren entstanden ist, darf stehen bleiben, da es damals noch keine klaren Regelungen gab. Für viele andere gibt es jedoch keine Ausnahme.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Auf die Frage, ob er sich nun einen neuen Platz zum Entspannen suche, antwortet Wehinger: "Die Chancen stehen schlecht. Ersatzflächen sind rar. Wenn so viele gehen müssen und es kaum verfügbare Schrebergärten gibt, müsste ich schon ein riesiges Glück haben, um wieder einen zu ergattern." Besonders schwer wiegt aber der emotionale Verlust. Die Gärten waren Treffpunkt und Rückzugsort zugleich. "Es ist schon schade", sagt Wehinger. "Wenn jemand Unterstützung oder Hilfe brauchte, war die Gemeinschaft für einen da."

Die Kleingärten waren Treffpunkt und Rückzugsort – nun droht vielen das Aus. ©VOL.AT/Robert Weber

Stadt setzt auf einvernehmliche Lösungen

Die nicht bewilligten Riedhütten im Vorarlberger Ried sind ein langjähriges Problem, bestätigt auch die Stadt Hohenems. "Wiederholte Bemühungen, auf politischer Ebene eine Lösung für Hütten zu erreichen, die vor einem festgelegten Stichtag errichtet wurden, blieben leider ohne Erfolg", verweist man auf das Land. Im Auftrag der Bezirkshauptmannschaft müsse man daher den rechtmäßigen Zustand herstellen und setzt dabei vor allem auf einvernehmliche Lösungen mit den Betroffenen. In vielen Fällen wurden bereits Rückbauten vereinbart, jedoch wird die vollständige Abwicklung aufgrund der Komplexität und des hohen Aufwands noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Kritik bleibt nicht aus

Ganz ohne Kritik sieht er die Entscheidung nicht: Während die Schrebergärten weichen müssen, dürfen die landwirtschaftlich genutzten Gebäude in der Nachbarschaft in der Blauzone bleiben. Am Ende bleibt Reinhard Wehinger jedoch nur, die Situation zu akzeptieren – es sei nun einmal Gesetz, und dagegen könne man nichts mehr tun.

Einige haben bereits begonnen, ihre Hütten abzubauen. "Zwei, drei Hütten haben sie schon abgebrochen." Für viele andere bleibt noch Zeit – aber die Gewissheit ist da: Das Kapitel Schrebergarten geht zu Ende.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Vorarlberg
  • "Alles muss weg!" – Schrebergärtnern droht das Aus