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Allgäu wird Kernstandort eines vier Milliarden Euro schweren Raketenprojekts

Das Raketenabwehrsystem Arrow 3 soll nach aktuellen Plänen im Allgäu stationiert werden – mit Radar bei Kaufbeuren und Abfangraketen in Lagerlechfeld. (Symbolbild)
Das Raketenabwehrsystem Arrow 3 soll nach aktuellen Plänen im Allgäu stationiert werden – mit Radar bei Kaufbeuren und Abfangraketen in Lagerlechfeld. (Symbolbild) ©Mit KI (ChatGPT) generiert
Deutschland baut seinen Schutzschirm gegen ballistische Raketen aus – und das Allgäu übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Das israelisch-amerikanische Abwehrsystem Arrow soll nur wenige Kilometer von der Vorarlberger Grenze entfernt stationiert werden.

Raketenabwehrsystem Arrow wird im Allgäu stationiert

Das Allgäu bekommt eine sicherheitspolitische Schlüsselrolle. Das Raketenabwehrsystem Arrow soll nach Informationen der Allgäuer Zeitung in Kaufbeuren stationiert werden. Damit würde Süddeutschland Teil eines neuen Schutzschirms gegen ballistische Mittel- und Langstreckenraketen werden.

Laut Bericht soll das Bundesverteidigungsministerium dem Standort Kaufbeuren den Zuschlag erteilt haben. Grundlage ist ein Schreiben des Kommandos Luftwaffe an den bayerischen Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl.

Radar bei Kaufbeuren, Raketen in Lagerlechfeld

Geplant ist ein leistungsstarkes Frühwarnradar auf höher gelegenem Gelände nahe Kaufbeuren. Die eigentlichen Abfangraketen sollen am Bundeswehrstandort Lagerlechfeld stationiert werden. Zusammen bilden beide Standorte einen von drei geplanten Arrow-Standorten in Deutschland.

Modell einer Arrow 3-Rakete. ©AFP

Ein erster Standort wurde bereits in Holzdorf aktiviert, ein dritter ist im Norden vorgesehen.

Einsatzbereit ab 2029

Nach derzeitiger Planung soll das System 2029 vollständig einsatzbereit sein. Parallel wird in Kaufbeuren eine Luftwaffen-Sicherungsstaffel mit rund 140 Soldaten aufgebaut.

Mit der Stationierung würde das Allgäu offiziell Teil der Nato-Luftverteidigung. Ziel ist es, anfliegende Raketen frühzeitig zu erkennen und noch außerhalb der Atmosphäre abzufangen.

Was Arrow kann

Arrow 3 wurde in Israel gemeinsam mit den USA entwickelt. Das System ist auf die Abwehr ballistischer Raketen mit großer Reichweite ausgelegt.

Es kann Flugkörper bekämpfen, die aus bis zu 2.400 Kilometern Entfernung gestartet wurden. Der Abfang erfolgt in Höhen von bis zu 100 Kilometern – also im Übergang zum Weltraum.

©APA

Arrow arbeitet nach dem sogenannten "Hit-to-Kill"-Prinzip. Der Abfangkörper enthält keinen klassischen Sprengsatz. Die Zerstörung erfolgt durch direkte Kollision und die dabei entstehende kinetische Energie.

Das System ergänzt bestehende Luftverteidigungssysteme wie Patriot und IRIS-T, die niedrigere Höhenbereiche abdecken.

Kosten und Hintergrund

Der Kaufvertrag wurde 2023 geschlossen. Die Kosten werden auf rund vier Milliarden Euro geschätzt und sollen aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanziert werden.

Mit Arrow schließt Deutschland eine Fähigkeitslücke bei der Abwehr weitreichender ballistischer Raketen.

Reaktionen vor Ort

In der Region werden auch Bedenken laut, der Standort könne dadurch stärker in den Fokus möglicher Angriffe geraten. Vertreter aus der Bundespolitik verweisen hingegen auf bestehende Militärstandorte in Deutschland, ohne dass daraus eine konkrete zusätzliche Gefährdung für die Bevölkerung abgeleitet werde.

Damit rückt eine sicherheitspolitische Entscheidung von internationaler Tragweite in unmittelbare Nähe der österreichischen Grenze.

(VOL.AT)

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