Kein Plan B: Experten blicken mit Sorge auf Orion-Hitzeschild
Heißeste Phase der Mission steht bevor
Nach Tagen im All und einer erfolgreichen Umrundung des Mondes nähert sich die Artemis-2-Mission ihrem entscheidenden Moment. In der Nacht auf Samstag, gegen 2.07 Uhr (MESZ), soll die Raumkapsel "Orion" mit vier Astronauten an Bord vor der Küste Kaliforniens im Pazifik wassern.
Zuvor wartet allerdings die kritischste Phase: der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Dabei trifft die Kapsel mit enormer Geschwindigkeit von über 38.000 km/h auf die Atmosphäre. Die entstehende Reibung erhitzt die Umgebungsluft auf bis zu 2800 Grad Celsius.
Hitzeschild muss Extrembelastung standhalten
Entscheidend ist in diesen Minuten der Hitzeschild. Er besteht aus einem speziellen Material, das die enorme Hitze durch kontrolliertes "Abtragen" ableitet. Nur so bleibt die Temperatur im Inneren der Kapsel für die Crew erträglich.
Doch genau hier liegt das Risiko: Beim unbemannten Vorgängerflug Artemis 1 im Jahr 2022 zeigte derselbe Hitzeschild-Typ deutliche Schäden. Teile des Materials lösten sich unerwartet ab, nachdem sich Gase im Inneren gesammelt hatten. Die Folge waren Risse und abplatzende Fragmente.
Anpassungen – aber keine Garantie
Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat reagiert und das Material grundsätzlich überarbeitet. Für Artemis 2 kommt jedoch noch die ältere Version des Hitzeschilds zum Einsatz. Stattdessen wurde die Flugbahn angepasst: Die Kapsel soll steiler und schneller in die Atmosphäre eintreten, um die Phase maximaler Hitzeeinwirkung zu verkürzen.
Die Dauer der extremen Belastung soll so von rund 14 auf etwa acht Minuten sinken. Ob das ausreicht, ist allerdings umstritten.
Experten äußern Zweifel
Einige Fachleute bleiben skeptisch. Der frühere Space-Shuttle-Astronaut Charles Camarda warnte bereits im Vorfeld, die geänderte Flugbahn allein könne das Risiko nicht ausreichend reduzieren.
Auch innerhalb der Nasa ist man sich der Unsicherheiten bewusst. Simulationen am Boden können die realen Bedingungen eines Wiedereintritts nur eingeschränkt abbilden. Endgültige Gewissheit liefern erst reale Flüge.
Nasa zeigt sich zuversichtlich
Trotz der Bedenken gibt sich die Nasa optimistisch. Behördenchef Jared Isaacman betonte, man habe "volles Vertrauen" in das Raumfahrzeug und die Arbeit der Ingenieure. Gleichzeitig machte er klar, wie entscheidend der Hitzeschild ist: "Da gibt es keinen Plan B."
Für die vierköpfige Crew – darunter drei US-Astronauten und ein kanadischer Kollege – hängt damit alles von wenigen Minuten ab.
Entscheidung in der Nacht
Ob die Mission endgültig als Erfolg in die Geschichte eingeht, entscheidet sich beim Wiedereintritt. Erst wenn die Fallschirme greifen und die Kapsel sicher im Pazifik landet, ist Artemis 2 wirklich abgeschlossen.
(VOL.AT)