Atlantikströmung vor Kollaps: Neue Studie sorgt für Alarm
Die atlantische Umwälzströmung, bekannt als AMOC, rückt erneut in den Fokus der Klimaforschung – und diesmal mit besonders beunruhigenden Ergebnissen. Laut einer aktuellen Studie ist ein Zusammenbruch der Strömung wahrscheinlicher als bisher angenommen.
Warum die AMOC so wichtig ist
Die AMOC funktioniert wie ein gigantisches Förderband im Atlantik. Sie transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Europa und sorgt damit dafür, dass das Klima hier vergleichsweise mild bleibt. Ohne diesen Effekt wären die Winter in weiten Teilen Europas deutlich kälter.
Ein zentraler Mechanismus: Im Nordatlantik sinkt kaltes, salzreiches Wasser in die Tiefe und zieht wärmeres Wasser aus dem Süden nach. Dieses System ist ein Teil der globalen Meereszirkulation.
Studie sieht drastische Abschwächung
Die neue Untersuchung kombiniert Beobachtungsdaten mit Klimamodellen. Das Ergebnis: Bis zum Jahr 2100 könnte sich die AMOC um 42 bis 58 Prozent abschwächen. Laut den Forschenden würde eine derart starke Veränderung "mit fast absoluter Sicherheit" zu einem Zusammenbruch führen.
Studienleiter Valentin Portmann von der Universität Bordeaux erklärte gegenüber dem "Guardian": "Wir haben festgestellt, dass die AMOC stärker als erwartet zurückgehen wird." Das System befinde sich näher an einem Kipppunkt als bisher gedacht.
"Sehr besorgniserregend"
Auch der deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf schlägt Alarm. "Dies ist ein sehr besorgniserregendes Ergebnis", sagte er ebenfalls zum "Guardian". Jene Klimamodelle, die bisher als besonders pessimistisch galten, würden die Entwicklung offenbar realistischer abbilden.
Rahmstorf, der seit Jahrzehnten zur AMOC forscht, betont die Tragweite: Noch vor einiger Zeit sei man von einer relativ geringen Wahrscheinlichkeit für einen Kollaps ausgegangen. Inzwischen könnte sie deutlich höher liegen.
Massive Folgen für Europa
Ein Zusammenbruch der AMOC hätte weitreichende Konsequenzen. In Westeuropa drohen deutlich kältere Winter, gleichzeitig könnten Sommer trockener und extremer ausfallen. Zusätzlich würde der Meeresspiegel im Atlantikraum weiter ansteigen – um bis zu einen Meter.
Hintergrund ist der Klimawandel: Durch steigende Temperaturen erwärmt sich das Meerwasser im Norden, wird weniger dicht und sinkt langsamer ab. Dadurch gerät das gesamte Strömungssystem aus dem Gleichgewicht.
Klimasystem mit Geschichte
Laut Rahmstorf traten die drastischsten Klimaveränderungen der letzten 100.000 Jahre immer dann auf, wenn sich die AMOC stark veränderte. Ein möglicher Kollaps wäre daher kein isoliertes Ereignis – sondern ein Einschnitt mit globalen Auswirkungen.
(VOL.AT)