Narvik, hoch oben im Norden Norwegens, nördlich des Polarkreises, ist für Moritz Zudrell Neuland. Und vielleicht wird die Stadt am Ofotfjord zur Bühne für seinen größten Coup. Der 20-Jährige vom WSV Silbertal ist vom Österreichischen Skiverband für die Junioren-Weltmeisterschaft nominiert worden. Es ist seine dritte und zugleich letzte, denn sein Jahrgang 2005 ist heuer zum letzten Mal startberechtigt. Nach Frankreich 2024 und Italien 2025 schließt sich nun in Norwegen ein Kreis.
Ein letzter Anlauf auf Gold
"Natürlich ist eine Medaille immer das Ziel. Ich habe bereits Silber und Bronze zu Hause hängen, fehlt also noch eine Farbe", sagt Zudrell mit einem Schmunzeln. 2024 holte er Silber im Slalom und Bronze im Teambewerb, 2025 verpasste er im Slalom als Vierter das Podest nur hauchdünn.
In Narvik will er aber nicht nur im Slalom, sondern in allen Disziplinen starten, außer im Team-Parallelrennen. Den Beginn macht die Abfahrt am Samstag, der Super-G folgt am 9. März, der Riesentorlauf am 13. März und der Slalom, seine Paradedisziplin, am 15. März. "Mein Fokus liegt sicher auf dem Slalom, aber auch der Super-G soll recht technisch sein, das kann ein Vorteil für mich sein", sagt er.
Direkt vom Europacup zur WM
Seit Sonntag ist Zudrell bereits in Narvik. Er kam direkt von den Europacup-Speedrennen im norwegischen Oppdal. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt aber dennoch nicht. Ein Tag nach dem WM-Slalom reist er wieder zurück nach Österreich, denn vom 18. bis 25. März wartet in Saalbach und Schladming bereits das Europacup-Saisonfinale.
Seine Saison beschreibt der 20-Jährige bislang als Achterbahnfahrt. "Es war sicherlich keine einfache Saison. Ich bin im ersten Europacup-Slalom in Levi eingefädelt, dann war das Selbstvertrauen weg." Ende Jänner fand er zurück zu seiner Stärke. "Im Großen und Ganzen war die Saison sicher ok, es war aber nicht das, wo ich hinmöchte."
Der Weg Richtung Weltcup
In den vergangenen Tagen hatt er Zeit, im WM-Ort anzukommen und sich mit den Schneebedingungen auseinanderzusetzen. 2020 wurde hier schon einmal eine Junioren-WM ausgetragen, sie musste allerdings wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden. "Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, die damals dabei waren", erzählt Zudrell. Vorbereitung ist alles. Auch mental.
Nach der WM und dem Europacup-Finale geht die Saison für ihn zu Ende. Doch der Blick richtet sich längst nach vorne. "Ich möchte mich in den nächsten ein bis zwei Jahren über den Europacup-Fixplatz für den Weltcup qualifizieren. Österreich hat speziell im technischen Bereich viele sehr gute Skifahrer, deshalb ist es für junge Athleten nicht ganz so leicht. Über den Europacup-Fixplatz sehe ich aber meine Chance."
Er denkt größer. In den nächsten fünf Jahren will er im Weltcup in die Top 30 fahren. Nicht nur im Slalom. "Ich weiß, dass ich auch in den anderen Disziplinen Potenzial habe. Irgendwann möchte ich um den Sieg im Gesamtweltcup fahren."
WG-Leben statt Pendelstress
Damit der Weg nach oben nicht an Alltäglichem scheitert, hat Zudrell auch abseits der Piste Weichen gestellt. Statt ständig zwischen Silbertal und Dornbirn zu pendeln, wohnt er inzwischen mit Lukas Feurstein in einer WG in Dornbirn. Trainiert wird im Olympiazentrum. "Das spart uns beiden viel Zeit und wir sind sowieso sehr gut befreundet. Es macht sehr viel Spaß", sagt er. Feurstein war übrigens bei der besagten Junioren-WM 2020 in Narvik dabei und fuhr im Super-G auf den sechsten Platz. Ein Jahr später holte er im bulgarischen Bansko Gold im Riesentorlauf und Silber im Super-G.
(VOL.AT)