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Aus Ehering wird Scheidungsring: Zwischen Erinnerung und Neuanfang

Aus Ehering wird Scheidungsring? VOL.AT hat nachgefragt.
Aus Ehering wird Scheidungsring? VOL.AT hat nachgefragt. ©VOL.AT/Pfefferkorn; Canva
Der Ehering: ein Zeichen für die ewige Liebe. Aber was tun, wenn die Liebe des Lebens doch nicht fürs Leben war? Wenn der Ring nur noch eine schmerzhafte Erinnerung an die Vergangenheit ist? Viele Menschen stellen sich genau diese Frage und suchen nach einem neuen Umgang mit Verlobungs- und Eheringen nach der Trennung.

Die Ringe verschwinden nach einer Trennung längst nicht mehr automatisch in der Schublade. Statt sie zu verkaufen oder ganz abzulegen, entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, ihnen eine neue Bedeutung zu geben. Angestoßen wurde der Trend durch Social Media, wo Influencerinnen wie Emily Ratajkowski zeigen, dass aus alten Ringen ganz neue Designs entstehen können.

Fachliche Expertise: "Oft müssen erst Jahre vergehen"

Dass der Umgang mit dem Ehering eine höchst individuelle Angelegenheit ist, weiß auch Eva Molnar. Als Geschäftsführerin führt sie den Juwelier O. Rein bereits in fünfter Generation und hat in ihrem Beruf schon vieles erlebt. "Dass jemand seinen Ehering direkt nach der Scheidung zurückbringt, ist nicht die Regel. Oft müssen erst Jahre vergehen, bis man bereit ist, diesen Schritt zu gehen." Zudem seien es meist Frauen, die mit ihrem Ring in den Laden kommen. "Die Entscheidung, einen Ring wegzugeben oder umzuwandeln, fällt meist dann, wenn eine neue Partnerschaft eingegangen wird oder man sich emotional stabil genug fühlt", bemerkt Eva Molnar.

Mag. Eva Molnar, Inhaberin von Juwelier O. Rein in Dornbirn. ©Privat

Neuer Ring, neue Geschichte

Neben dem emotionalen Aspekt spielt auch die Handwerkskunst eine Rolle. Eva Molnar erklärt, dass ein direktes Umschmelzen des alten Goldes oft nicht die beste Lösung ist: "Vom Fach her ist es sauberer, das alte Gold gegenzurechnen und etwas völlig Neues anzufertigen." So wird der alte Ring nicht nur materiell, sondern auch symbolisch transformiert. Manche Paare nutzen diesen Prozess sogar für einen gemeinsamen Neuanfang: Sie bringen ihre Ringe aus früheren Ehen mit, um daraus die Basis für ihre neuen, gemeinsamen Schmuckstücke zu schaffen.

Flora Denifl hat noch nie etwas von Scheidungsringen gehört. ©@VOL.AT

"Etwas Neues kaufen"

"Ich würde mir keinen Scheidungsring machen", erklärt die 17-jährige Flora Denifl. Das Schmuckstück würde sie zu sehr an die Vergangenheit erinnern. Ihr Plan sieht anders aus: "Wahrscheinlich würde ich ihn zurück zum Juwelier bringen und mir von dem Geld etwas Neues, Schönes kaufen."

Elisabeth Merkel und Birgit Viol haben unterschiedliche Meinungen. ©@VOL.AT

"Zum Liegenlassen zu schade."

"Ich würde niemals einen Scheidungsring tragen, das ist gar nichts für mich", stellt Elisabeth Merkel klar. Für sie gibt es keine Zwischenlösung: Entweder man ist verheiratet und trägt den Ring, oder eben nicht. Ihre Begleiterin Birgit Viol ist etwas anderer Meinung. Nach ihrer Scheidung lag ihr Ring rund 20 Jahre lang in einer Schublade. Erst als sie ihren neuen Partner heiratete, brachte sie das Schmuckstück schließlich zum Juwelier. "Bei den Goldpreisen lohnt es sich, seinen Ring zurückzubringen", sagt sie und lacht. Jetzt ist sie verwitwet, auf Anraten ihres Bestatters ließ sie ihren Ehering zu einem Anhänger mit dem Fingerabdruck ihres verstorbenen Mannes umarbeiten. "Das finde ich richtig toll, es ist eine schöne Erinnerung", erzählt sie. "Zum Herumliegenlassen ist er einfach zu schade."

Ulrike Bayr würde ihren Ring behalten. ©@VOL.AT

"Man darf sich dran erinnern"

Für Ulrike Bayr ist das Weggeben keine Option. "Ich würde meinen Ring weiterhin anziehen", erklärt sie. Ihre Idee: das Schmuckstück ein wenig verändern und vielleicht einen weiteren Stein hinzufügen, damit es nicht mehr als Ehering erkennbar ist. "Einen Scheidungsring finde ich keine gute Idee. Es hatte ja einen Grund, wieso man geheiratet hat, da darf man sich auch dran erinnern", findet sie.

Eine individuelle Geschichte

Letztlich verliert der Ring mit dem Ende der Ehe seine ursprüngliche Funktion. Was danach mit ihm geschieht, hängt davon ab, ob man das Objekt neutral als Wertgegenstand betrachtet oder ihm eine neue, private Bedeutung geben möchte. Der richtige Umgang mit dem Schmuckstück darf so individuell sein wie die Geschichte, die es einmal erzählt hat.

(VOL.AT)

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