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Bei Vorarlberg Milch laufen jetzt die Millionen-Investitionen an

Etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Fusion des Milchprodukteherstellers Vorarlberg Milch mit der NÖM AG laufen am Stammsitz in Feldkirch jetzt die in Aussicht gestellten millionenschweren Investitionen an.

So wird die NÖM bis Jahresende 2026 in Summe sieben Millionen Euro in die Modernisierung der Produktion investieren, wie NÖM-Vorstand Josef Simon im wpa-Gespräch am Mittwoch in Feldkirch erklärte.

Investitionen in neue Milchprodukte

Konkret investiere man dabei insbesondere in die Produktion im Bereich "Weiße, Bunte Produkte", worunter in der Milchwirtschaft etwa Kefir-Joghurt mit Müsli, ein Fruchtjoghurt oder eine Schokomilch verstanden werden.

"Das ist bislang hier eine Problemzone, auf welche die Restrukturierung und die Investitionen ausgerichtet sind." Dabei gehe es insbesondere um die Automatisierung der Abläufe. So sei etwa bereits eine Million Euro in eine automatisierte Palettenanlage geflossen. Eine weitere Million Euro plane man unter anderem für neue Joghurt-Tanks ein.

Von 50.000 Stück auf 1,4 Millionen Stück pro Woche

Mit fünf Millionen Euro deutlich höher sind die Investitionen unterdessen für eine "neue und hochmoderne" Becherabfüllanlage, die im Herbst 2026 in Betrieb gehen soll. Dadurch sollen die Produktionskapazitäten massiv nach oben geschraubt werden.

Simon verdeutlicht die Notwendigkeit dafür anhand der stark steigenden Nachfrage etwa nach Kefir-Produkten mit Müsli, die seit der Fusion mit der NÖM in Feldkirch produziert werden. "Im Herbst 2025 haben wir 50.000 Stück pro Woche hergestellt, gegenwärtig sind wir bei 500.000 Stück pro Woche. Mit der neuen Becherabfüllanlage bewegen wir uns dann bei 1,4 Millionen Stück pro Woche", so Simon.

Italien wird zum sehr wichtigen Absatzmarkt

Die neue Becherabfüllanlage diene zu 80 Prozent der Herstellung von Produkten für den Export, wobei insbesondere Italien zu den wichtigsten Absatzmärkten zähle. "Hier generieren wir ein neues Geschäftsfeld für die Vorarlberg Milch, das bislang aufgrund des fehlenden Marktzuganges nicht genutzt werden konnte", so Simon. Die Potenziale des Absatzmarktes Italien zeigen sich auch im Bereich jener Produkte, die in Tetra Tops verpackt werden, also etwa Buttermilch, Joghurt-Drinks und Ähnliches.

NÖM-Vorstand Josef Simon. ©wpa

"Bislang lagen wir hier bei etwa 15 Millionen Packungen pro Jahr. Ab April 2026 möchten wir auf 35 Millionen Packungen pro Jahr aufstocken. Wir brauchen viel Kapazität und große Mengen, denn das gibt der italienische Markt her", sagt Simon.

So dürften etwa 50 Prozent dieser 35 Millionen Packungen nach Italien gehen und die anderen 50 Prozent zur NÖM nach Baden, von wo aus sie insbesondere in Österreich ausgeliefert werden. Unter dem Strich rechnet man bei der NÖM damit, dass etwa 40 Prozent der zukünftig bei Vorarlberg Milch produzierten Produkte direkt nach Italien geliefert werden. Dort werden sie unter der Eigenmarke "milk" verkauft.

Vollauslastung bis Ende 2026 angepeilt – Marke "Ländle" bleibt bestehen

Man habe von Beginn an gesagt, dass der Standort Feldkirch erhalten und ausgebaut werden soll, so Simon. Allerdings mit anderen Schwerpunktsetzungen. Dazu gehöre auch, dass man sich von nicht rentablen Bereichen konsequent trenne. In der Produktion jedenfalls peile man hierzulande die Vollauslastung an. "Das wollen wir bis Ende 2026 erreichen."

Die Marke "Ländle" bleibe unabhängig davon natürlich bestehen, wenn auch in Teilbereichen mit Sortimentsbereinigungen. Das Wachstum und die Absicherung des Standortes Feldkirch werde aber mit anderen Marken der NÖM-Gruppe außerhalb des Vorarlberger Marktes erreicht.

Abgang der Milchlieferanten gestoppt

Der Abgang von Milchlieferanten in der Vergangenheit konnte nach dem Einstieg der NÖM gestoppt werden, sagt Simon. Außerdem habe man einige neue Lieferanten dazugewonnen. Aktuell zähle die Vorarlberg Milch rund 370 Milchlieferanten. Sie erhalten gegenwärtig pro Liter 44 Cent netto für gentechnikfreie Milch, 48 Cent für Heumilch und 53 Cent für Biomilch.

Simon ist es wichtig zu betonen, dass man keinen Bauern nachlaufe, die gehen möchten. "Für uns zählen gegenseitiges Vertrauen und Performance auf beiden Seiten. Wir halten uns an unsere Ankündigungen und erwarten das auch von unseren Lieferanten." Die angelieferte Milchmenge dürfte sich gegenwärtig zwischen 56 und 60 Millionen Kilogramm pro Jahr bewegen.

Personalstand steigt – Umschichtung in Richtung Produktion

Aktuell beschäftigt die Vorarlberg Milch, gerechnet nach Köpfen, 132 Mitarbeitende. Aufgrund der Investitionen in die Produktion geht Simon davon aus, dass weitere zehn Mitarbeitende dazukommen werden. Dabei werde es zu einer internen Umschichtung kommen, und zwar weg von der Administration und dem Overhead hin zu deutlich mehr Mitarbeitenden im Bereich Operations, also insbesondere in der Produktion.

Umsatzverteilung verschiebt sich in Richtung "Weiße, Bunte Produkte"

Befragt nach dem Geschäftsbereich Hart- und Schnittkäse sagte Simon, dass die NÖM die Vorarlberg Milch unverändert als Kompetenzzentrum für diese Produkte betrachte. Die Produktionsanlagen seien in dem Bereich auf dem neuesten Stand, weshalb keine Investitionen notwendig seien. Gegenwärtig liege die Umsatzverteilung zwischen diesem Geschäftsbereich und dem Bereich "Weiße, Bunte Produkte" bei 50/50.

Das werde sich in den kommenden Jahren zugunsten der weißen, bunten Produkte in Richtung ein Drittel/zwei Drittel verschieben. "Nicht, weil wir die Produktion von Hart- und Schnittkäse zurückfahren, sondern weil der andere Bereich deutlich stärker wachsen wird", so Simon. Im Geschäftsjahr 2025 kam die Vorarlberg Milch auf einen Umsatz von rund 56 Millionen Euro. Heuer könnte sich das Geschäftsvolumen auf etwa 60 Millionen Euro belaufen.

(wpa/gübi)

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