Beim ersten Versuch kippte er um – jetzt pendelt er mit dem Kajak nach Lindau
Wasser statt Stau
Wenn andere Pendler im Stau stehen, gleitet Benedikt Baur frühmorgens über den Bodensee. Der 29-Jährige aus Bregenz fährt seit wenigen Wochen mit dem Kajak zur Arbeit – von Vorarlberg hinüber zur Therme Lindau, wo er als Saunameister arbeitet.
Die Idee entstand eher spontan. "Als meine Mitbewohnerin und ich unsere Summer-To-do-Liste erstellt haben, habe ich nach ungewöhnlichen Wegen gesucht, die Arbeit zu besuchen", erzählt Baur. Seine Mitbewohnerin habe schließlich gemeint: "Paddle doch einfach rüber." Gesagt, getan.
Die Strecke über den See beträgt rund fünf Kilometer. Je nach Wetter, Wellengang und Schiffsverkehr braucht er zwischen 40 und 50 Minuten. "Am Wochenende oder an Feiertagen ist schon mehr los auf dem Wasser", sagt der 29-Jährige lachend. Große Schiffe begegnen ihm regelmäßig. "Ab und zu hupen sie, wenn ich zu nah dran bin."
Entspannung und Workout zugleich
Ein Auto besitzt Baur bewusst nicht. Normalerweise fahre er mit dem Fahrrad, den Inlinern, dem Zug oder gelegentlich mit dem Moped zur Arbeit. Vor allem der Stau störe ihn. "Was ich halt gar nicht gern mag, ist im Stau stehen."
Das Kajakfahren sei dagegen Entspannung und Workout zugleich. "Du kannst genial abschalten. Ich spare mir das Fitnessstudio", erzählt der 29-Jährige. Besonders genieße er die frühen Morgenstunden und die Sonnenuntergänge auf dem Wasser. "Gelb-orange, allein auf dem See. Herrlich."
Erstaunlich dabei: Erfahrung im Kajak hatte Baur davor kaum. "Das erste Mal", sagt er über seine ersten Fahrten. Ganz ohne Zwischenfall verlief der Einstieg allerdings nicht. Beim ersten Versuch sei er umgekippt. "Zum Glück ohne Verletzung."
Das Praktische an seinem ungewöhnlichen Arbeitsweg: Viel Gepäck braucht der Saunameister ohnehin nicht. "In der Sauna ist man eh nackt", sagt er lachend. Meist habe er nur sein Handy dabei – sicher verstaut in einem wasserdichten Beutel.
Zur Ausrüstung gehören eine Schwimmweste und Neoprensocken. An kühleren Tagen spaziert der 29-Jährige bereits im Neoprenanzug von Zuhause hinunter ans Wasser, steigt ins Kajak und paddelt los Richtung Lindau.
"Lieber mit dem Kajak in die Sauna als mit dem Porsche zur Arbeit"
Auch seine Kollegen in der Therme Lindau konnten die Geschichte zunächst kaum glauben. "Du verarschst mich doch", hätten einige zuerst gemeint, erzählt er.
Für Baur selbst ist die Sache inzwischen mehr als nur ein Sommerexperiment. Es gehe auch darum, sich bewusst Zeit zu nehmen und Routinen zu hinterfragen. "Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich", sagt er.
Und sein persönliches Motto für den Arbeitsweg? "Lieber mit dem Kajak in die Sauna als mit dem Porsche zur Arbeit."