Bergbahn-Chef nach Unglück in der Schweiz: "Gondeln dürfen nicht abstürzen"
"Kurz nach 11 hat sich das furchtbare Ereignis ereignet", informierte Norbert Patt. Der CEO sprach den Angehörigen des Opfers sein Mitgefühl aus und kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. "Sicherheit ist das Wichtigste", so Patt.
"Kann nicht sagen, ob es ein technischer Fehler ist"
Zur möglichen Ursache äußerte sich Patt zurückhaltend. "Ich kann nicht sagen, ob es ein technischer Fehler ist. Was ich sagen kann, ist, dass es ein Bahnsystem ist, das weltweit eingesetzt wird." Bei jeder Gondelbahnfahrt werde überprüft, ob die Klemme ausreichend Kraft habe. "Es ist für uns auch wichtig, dass der Vorfall sekundengenau aufgearbeitet wird. Wir werden alle Daten lückenlos zur Verfügung stellen."
"Gondeln dürfen nicht abstürzen"
"Es ist ein außerordentliches Ereignis. Gondeln dürfen nicht abstürzen", erklärte Patt. Zugleich schilderte er die außergewöhnliche Situation: "Es ist unvorstellbar, dass die Kräfte so groß sind, dass sich eine Bahn aus dem Seil löst. Und trotzdem ist es passiert."
Ob weitere Gondeln gefährdet waren, ist derzeit unklar. "Ob weitere Gondeln in Gefahr gewesen sind, können wir nicht sagen." Der Unfall habe das Unternehmen unerwartet getroffen: "Das ist für uns aus heiterem Himmel gekommen." Patt betonte zudem: "Wir bedauern den Unfall zutiefst".
Eine Person ums Leben gekommen
Der Unfall ereignete sich laut Kantonspolizei Nidwalden kurz vor 11 Uhr im Gebiet Trübsee. Betroffen war eine Gondel der Anlage "Titlis Xpress", die kurz nach der Mittelstation in Richtung Schlächtismatt abstürzte. Laut den Behörden überschlug sich die Gondel mehrmals und stürzte den Hang hinunter.
Nach bisherigen Erkenntnissen befand sich nur eine Person in der betroffenen Gondel. Diese erlitt laut Polizei tödliche Verletzungen. Weitere Angaben zur verstorbenen Person machten die Behörden zunächst nicht.
Die ungefähre Absturzstelle der Gondel
Windverhältnisse rücken in den Fokus
Offen ist weiterhin, welche Rolle das Wetter gespielt haben könnte. Auf Videos aus dem Skigebiet waren am Mittwoch teils heftige Windverhältnisse zu sehen. Ob starker Wind tatsächlich zum Absturz beigetragen hat, ist derzeit nicht belegt.
Patt verwies bei der Pressekonferenz auf die üblichen Abläufe bei entsprechenden Wetterlagen. "Bei 40 Stundenkilometern gibt es einen Windalarm. Bei 60 Stundenkilometern werden die Bahnen in der Regel abgestellt." Ob ein solcher Alarm ausgelöst wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen. Auch zur tatsächlichen Windstärke im entscheidenden Moment liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Bahn befand sich in einem technisch aktuellen Zustand
Zur betroffenen Anlage machte Patt ebenfalls Angaben. Die Bahn sei 2014/2015 errichtet worden. Die letzte intensive Revision sei planmäßig im vergangenen September erfolgt. Nach Darstellung des Unternehmens befand sich die Anlage in einem technisch aktuellen Zustand.
Derzeit ist offen, wann die betroffene Gondelbahn wieder in Betrieb gehen kann. Auch ob zeitweise eine Gefahr für andere Gondeln bestand, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
100 bis 200 Personen evakuiert
Nach dem Absturz wurde der Betrieb der Bahn eingestellt. Die Personen in den übrigen Gondeln mussten evakuiert werden. Nach Angaben von Patt waren davon zwischen 100 und 200 Menschen betroffen.
Der Einsatz verlief unter schwierigen Bedingungen. Das Unglück geschah auf rund 2000 Metern Höhe, was den Zugang für Rettungskräfte und Polizei erschwerte. Im Einsatz standen unter anderem Rettungskräfte, Polizei und ein Helikopter der Schweizer Rettungsflugwacht Rega.
Die Verbindung bringt Wintersportler auf rund 2400 Meter Höhe. Das Skigebiet Engelberg-Titlis südlich des Vierwaldstättersees zählt zu den größten der Zentralschweiz.
(VOL.AT)