Berufsvorschule von Jupident bleibt – steht aber vor Veränderungen
Erst wurde das Internat der Stiftung Jupident geschlossen, jetzt gibt es Neustrukturierungen an der Berufsvorschule. Für beeinträchtigte Jugendliche aus Tirol heißt das: Sie müssen sich ab September nach einer anderen Schule umschauen.
Die von der Stiftung Jupident betriebene Berufsvorschule für junge Menschen mit Förderbedarf in Schlins bleibt bestehen. Das ist Michael Tinkhauser, dem Geschäftsführer der Sozialeinrichtung, im Gespräch mit den VN wichtig zu betonen. Die Schule werde aber neu ausgerichtet und soll einen Großteil der Betreuung übernehmen, die zuvor das Internat mit der Jugendwohngruppe geleistet hat.
Bereits bekannt ist, dass die Stiftung Jupident die Begleitangebote der Berufsvorschule, die Jugendtagesgruppe und die Kleinkindbetreuung JUKI nicht weiterführen kann. Dass nun auch die Jugendwohngruppe Internat eingestellt wird, ist ein schwieriger, emotionaler Schritt für den Geschäftsführer. In der Wohngruppe erhalten Schüler ab dem neunten Schuljahr Hilfe im Alltag, in der Schule und für den Start ins Arbeitsleben. Man prüfe alternative Lösungen, sagt Tinkhauser.
Als einen Grund nennt Tinkhauser abnehmende Internatsschülerzahlen. Für die sieben betroffenen Schüler aus Vorarlberg würden alternative Ausbildungsplätze gesucht oder geprüft, ob sie auch mit den Öffis herfahren könnten, sagt Tinkhauser. Schüler aus Tirol, die von Sonntagabend bis Freitagnachmittag das Internat besuchten, könnten "leider nicht mehr beschult" werden.
Personal wird entlassen
Auch intern werde es Veränderungen geben: Tinkhauser bedauert, dass sich die Stiftung Jupident von Personal trennen müsse. Das habe wirtschaftliche Gründe. Neuer Direktor der Berufsvorschule (BVS) ist seit Mai Thomas Heel. Er leitet die einzige berufsbildende mittlere Schule in Österreich für Jugendliche mit erhöhtem sonderpädagogischem Förderbedarf und ist maßgeblich an der Neuausrichtung der Schule beteiligt.
"In Zukunft wird es an der BVS nur mehr Bundeslehrer geben", informiert Heel. Sie bauen mit pädagogischen Mitarbeitern ein neues Team auf, Berufsschullehrer sollen ihre Kontakte in die Wirtschaft in die Schnupperpraktika einbringen. Im Team werden auch Psychologen, psychosoziale Berater und Inklusionsexperten sein.
In den sozialen Medien reagierten Nutzer auf die Ankündigung mit Bedauern. "Diese vielen negativen Nachrichten müssen von den Betroffenen einfach hingenommen werden. Von jenen, die eh schon benachteiligt sind." Andere verweisen auf die Folgen: "Diese Einsparungen stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten, die entstehen, wenn Kinder und Jugendliche, die auf Hilfe angewiesen sind, diese nicht bekommen." Und die Rufe nach einer Alternative werden lauter.
Ziele bleiben die gleichen
Vonseiten der Politik sei "ein klarer Wille vorhanden", dass die BVS weiterbesteht, berichtet Heel. An den Zielen der "neuen" BVS wird sich laut Heel nichts ändern: besonders förderbedürftige Jugendliche innerhalb von zwei Schuljahren in den Arbeitsmarkt oder in Ausbildung integrieren, die Beschulung in kleinen Gruppen und mit auf sie zugeschnittenen Inhalten. Betreut werden Schüler mit Autismus-Spektrum-Störungen und mit erhöhtem sonderpädagogischem Förderbedarf.
Die Stiftung Jupident werde klare Mindeststandards definieren, um die Leistungen in "gewohnter Qualität" zur Verfügung zu stellen. An den Leitlinien "Transparenz, Wertschätzung, Gemeinschaft" werde festgehalten. Auch Café-Betrieb und Kuchenverkauf sollen trotz weniger Ressourcen bestehen bleiben, kooperatives Lernen und Exkursionen sollen ausgebaut werden.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)