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"Bespuckt, geschlagen, gefilmt" – Was ein Fall aus Lustenau über Mobbing im Ländle zeigt

Die Mutter schildert die Attacke auf ihren Sohn. Der Vorfall ereignete sich in einer Lustenauer Siedlung.
Die Mutter schildert die Attacke auf ihren Sohn. Der Vorfall ereignete sich in einer Lustenauer Siedlung. ©VOL.AT/Strobel
Eine Mutter aus Lustenau schildert eine Attacke auf ihren Sohn. Der Fall ist kein Einzelfall. Recherchen zeigen: Mobbing rückt in Vorarlberg erneut in den Fokus.

Eine Mutter aus Lustenau ringt seit Tagen mit sich. Lange habe sie gezögert, mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich hatte Angst, dass alles noch schlimmer wird", sagt sie. Zu sensibel sei die Situation, zu groß die Sorge um ihren Sohn.

Was sie der Redaktion schildert, habe sie bislang nur Polizei und Schule erzählt. Ihr Sohn sei von mehreren Jugendlichen attackiert worden. Er sei zu Boden gestoßen, bespuckt und geschlagen worden. Der Vorfall sei mit einem Handy gefilmt worden. "Er musste etwas sagen, damit sie von ihm ablassen", erzählt die Mutter.

Vorfall wurde mit dem Handy gefilmt

"Er kam total verweint und von oben bis unten verdreckt nach Hause", erzählt die Mutter. Für die Familie sei das ein Schock gewesen.

Sie erstattete Anzeige bei der Polizei und ließ ihr Kind im Krankenhaus untersuchen. Äußerlich seien nur leichte Verletzungen festgestellt worden. "Aber die Psyche des Kindes ist etwas anderes", sagt sie.

Nach ihren Angaben gibt es mehrere Tatverdächtige. Die Ermittlungen laufen.

An diesem Zaun, neben dem Pumptrack, ereignete sich die Attacke. ©Strobel/VOL.AT
In der Lustenauer Siedlung kommt es immer wieder zu Mobbing-Attacken. ©Strobel/VOL.AT

Kein Einzelfall

Der Vorfall aus Lustenau steht nicht isoliert. Offizielle Zahlen zeigen, dass Konflikte und Mobbingmeldungen an Vorarlberger Schulen regelmäßig Thema sind.

Im Schuljahr 2024/25 verzeichnete die Koordinationsstelle Mobbing (KoMo) der Bildungsdirektion Vorarlberg 96 Anfragen zu schulischen Konflikten. 71 dieser Anfragen kamen von Eltern oder Angehörigen, 91 betrafen Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen und Schülern.

Die Koordinationsstelle betont, dass nicht jede Anfrage automatisch als "Mobbing" im fachlichen Sinn eingestuft werde. Entscheidend seien Kriterien wie Wiederholung, Machtungleichgewicht und Dauer.

Dennoch zeigen die Zahlen: Hinter einzelnen öffentlich gewordenen Fällen steht ein kontinuierlicher Beratungsbedarf.

In 51 Fällen wurden strukturierte Falldokumentationen erstellt und an Schulen übermittelt. 14 Fälle wurden konkret an Schulleitungen gemeldet.

Wie viele dieser Fälle zu disziplinären Maßnahmen führten oder in strafrechtliche Verfahren mündeten, wird im Bericht nicht im Detail ausgewiesen.

Zwischen Strafrecht und Schulrealität

In der Praxis verlaufen viele Konflikte nicht über Gerichte, sondern über schulinterne Verfahren. Die Koordinationsstelle Mobbing versteht sich als Beratungsstelle. Sie dokumentiert, vermittelt und begleitet – sie entscheidet jedoch nicht über disziplinäre Maßnahmen.

Das führt zu einem Spannungsfeld: Eltern erwarten häufig klare Konsequenzen. Schulen setzen dagegen primär auf pädagogische Interventionen.

Gerade bei Jugendlichen unter 14 Jahren greift das Strafrecht nicht. Maßnahmen bewegen sich dann im schulischen oder jugendhilferechtlichen Rahmen. Für betroffene Familien entsteht dadurch nicht selten der Eindruck, dass erlebte Gewalt und tatsächliche Konsequenzen auseinanderfallen.

Millionen für Prävention – und offene Fragen

Das Land Vorarlberg investiert in den Ausbau der Schulsozialarbeit. Im Voranschlag 2026 sind unter anderem 300.000 Euro für den weiteren Ausbau vorgesehen. Zusätzlich findet sich eine Budgetposition von über sechs Millionen Euro für Jugenddienste, darunter Schulsozialarbeit.

Ziel ist es, bis 2027 landesweit 40 Vollzeitstellen zu erreichen.

Parallel dazu beschloss der Vorarlberger Landtag, die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendanwaltschaft auch auf Mobbingfälle außerhalb des schulischen Bereichs auszuweiten.

Die Budgetzahlen und Beschlüsse zeigen, dass das Thema politisch priorisiert wird.

Ob die bestehenden Strukturen in jedem Einzelfall greifen, hängt jedoch von konkreten Abläufen vor Ort ab – von Aufsicht, Dokumentation, Kommunikation und Reaktion.

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Öffentlicher Druck wächst

Neben institutionellen Maßnahmen wächst auch der öffentliche Druck. In sozialen Netzwerken berichten Eltern zunehmend über Mobbingerfahrungen ihrer Kinder. Einzelne Fälle erreichen rasch große Aufmerksamkeit.

Mit Social Media verschiebt sich die Dynamik: Konflikte bleiben nicht im Klassenzimmer. Sie werden öffentlich diskutiert – oft noch bevor Ermittlungen oder schulische Verfahren abgeschlossen sind.

Damit entsteht zusätzlicher Druck auf Schulen und Behörden, schneller und sichtbarer zu reagieren.

Während Ermittlungen laufen und Präventionsprogramme ausgebaut werden, bleibt für betroffene Familien die Situation konkret. Für das Land stellt sich jedoch eine grundsätzliche Frage: Wie geht man mit Konflikten um, die längst nicht mehr im Klassenzimmer enden?

(VOL.AT)

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