Biber im Ländle: Welche Hilfe Betroffene erwartet – und welche nicht
Gerda Deuring (84) steht in ihrem Garten und schaut zum Ufer des angrenzenden Mühlbachs – dorthin, wo ein Elektrozaun Grundstück und Bachbett trennt. Er soll ihren ungebetenen Nachbarn, einen Biber, von Bäumen und Sträuchern fernhalten. In der Praxis funktioniere das jedoch nicht zufriedenstellend: "Man kauft neue Thujen, setzt sie ein und wenige Tage später sind sie abgezwickt."
Abgenagte Hecken sind erst der Anfang
Die finanzielle Belastung gehe jedoch über ein paar abgenagte Hecken hinaus: Bachabwärts hat der tierische Landschaftsingenieur sich häuslich niedergelassen und staut das Wasser mithilfe eines Damms auf – laut der Hörbranzerin bereits seit rund 20 Jahren. Obwohl ein Maximalwert für den Wasserstand definiert wurde und der Damm bei einer Überschreitung von Experten verkleinert werde, helfe das bei Starkregen wenig.
Bei Starkregen läuft der Keller voll
Erfahrungsgemäß könne das Wasser im Bach dann nicht in den Bodensee abfließen. Infolgedessen steige das Grundwasser und setze den Keller drei- bis viermal im Jahr unter Wasser. "Ich bekomme richtig Angst, wenn eine Regenperiode kommt. Weil ich weiß, dass dann alles wieder unter Wasser steht", sagt die 84-Jährige. Die Versicherung sei schon lange ausgestiegen, die Kosten würden sich mittlerweile auf sechsstellige Beträge belaufen.
Wann gehandelt werden kann
Walter Niederer vom Naturschutzverein Rheindelta betont, dass man sich bei den zuständigen Stellen dem Problem nicht verschließe. Das Wasserbauamt brauche jedoch Aufzeichnungen darüber, wann der Keller wie hoch geflutet sei und wie hoch das Wasser zur selben Zeit im Bach stehe. Dann könne man rückschließen, ob die Schäden tatsächlich durch den gestauten Bach verursacht würden. "Wenn man diese Daten hat, dann kann man das bearbeiten. Und dann wird meiner Erfahrung nach auch sofort gehandelt."
Längst kein Einzelfall mehr
Die Probleme in Hörbranz sind kein Einzelfall: Zahl und Verbreitung der Biber nehmen seit Jahren zu und auch das Land ist sich der damit einhergehenden Zunahme von Schäden an Eigentum bewusst. Laut Landesrat Christian Gantner habe die Biberpopulation inzwischen eine Größe erreicht, bei der "der Erhaltungszustand nicht mehr gefährdet" sei. Deshalb wolle das Land künftig regulierend eingreifen.
Stufenplan gegen "Problembiber" – Geld für vorbeugende Maßnahmen
Vorgesehen sei ein Stufenplan vom Vergrämen bis zum Rückbau von Dämmen, im Extremfall sollen auch Entnahmen möglich sein. Weiters sollen laut Gantner "proaktive Ansätze" wie Umzäunung von Baumstämmen, spezielle Nageschutzpasten und Gitter bei Dämmen finanziell unterstützt werden.
Kein Geld für alte Schäden
Eine Kompensation bereits vorhandener Schäden sei jedoch nicht geplant. Auf einen Ausgleich ihrer bisherigen Kosten kann Gerda Deuring daher nicht hoffen. Wenn sie künftig Schaden und Wasserpegel dokumentiert und damit einen Zusammenhang mit dem Biberdamm nachweist, könnte das Land mit der neuen Verordnung allerdings aktiv werden. Bis dahin bleibt ihr nur die Hoffnung, dass der Keller beim nächsten Regen trocken bleibt.
(VOL.AT/NAH)