Bis zu 90 Euro: Skipass-Schock in Vorarlberg
Der Preis für einen Skitag in Vorarlberg kann stark schwanken – und erreichte im Jänner einen neuen Höchstwert. Wie eine Analyse von ORF zeigt, kostete eine Tageskarte für Erwachsene in der Silvretta Montafon am 17. Jänner 89,50 Euro – fünf Tage vor dem Skitag gebucht.
Damit lag das Gebiet zeitweise sogar über dem Fixpreis von 81,50 Euro bei Ski Arlberg und war an einzelnen Tagen das teuerste Skigebiet Vorarlbergs – zumindest bei tagesaktueller Buchung.
Preisspitze bei 89,50 Euro
Untersucht wurde der Zeitraum von 25. Dezember 2025 bis 30. Jänner 2026. Besonders auffällig: Am 17. Jänner war die Silvretta Montafon ausverkauft. Bereits fünf Tage davor lag der Preis bei 89,50 Euro – der höchste gemessene Wert im Analysezeitraum.
Auch an anderen Tagen kletterten die Preise deutlich. Neben der Silvretta Montafon setzen auch das Brandnertal, Gargellen, Golm und die Kristbergbahn auf dynamische Preise.
Saison- und Jahreskarten sind vom Dynamic Pricing ausgenommen. Sie unterliegen nur den jährlichen Anpassungen.
Früh buchen spart – aber mit Risiko
Laut Analyse lohnt sich frühes Buchen nur eingeschränkt. Wer ein bis drei Tage im Voraus kauft, spart durchschnittlich lediglich zwei bis sechs Euro. Erst ab fünf Tagen Vorlauf beträgt die durchschnittliche Ersparnis in der Silvretta Montafon rund acht Euro oder mehr.
Allerdings: Fünf Tage im Voraus lässt sich das Wetter kaum verlässlich prognostizieren. Wer sparen will, geht also das Risiko ein, bei schlechter Sicht, Wind oder Schneefall auf die Piste zu müssen. Wer hingegen kurzfristig bucht, zahlt meist den Höchstpreis.
Kritik an Intransparenz
Die variablen Preise sorgen bei manchen Kunden für Unmut. In Google-Rezensionen wird neben der Höhe der Preise auch die fehlende Transparenz kritisiert.
Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz sieht das Modell kritisch. Geschäftsleiterin Sara Stalder spricht von "Willkür und Lotterie". Solche Modelle ermöglichten es Skigebieten, Preise schrittweise anzuheben, ohne dass es sofort auffalle. In der Schweiz habe der Konsumentenschutz teils deutliche Mindestpreiserhöhungen festgestellt.
Betreiber verweisen auf Marktwirtschaft
Die Vorarlberger Seilbahnen weisen die Kritik zurück. Branchensprecher Andreas Gapp betont, dynamische Preise seien keine Erfindung der Seilbahnen, sondern etwa in der Flugbranche seit Jahren üblich. Die Preisgestaltung sei transparent, da jeder vor dem Kauf sehe, was die Karte an einem bestimmten Tag koste.
Man lebe in einer Marktwirtschaft, so Gapp. Ob ein Preis gerechtfertigt sei, müsse jeder selbst entscheiden. In seinem eigenen Skigebiet – den Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen – habe man sich bewusst gegen Dynamic Pricing entschieden.
Deutliche Umsatzsteigerungen seit Einführung
Konkrete Einnahmenzahlen wollten die befragten Skigebiete laut ORF nicht offenlegen. Ein Blick ins Firmenbuch zeigt jedoch wirtschaftliche Zuwächse:
Im Lagebericht der Silvretta Montafon heißt es, der Umsatz habe "aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen in Verbindung mit dem erstmalig eingesetzten Dynamic Pricing deutlich über dem Vorkrisenniveau" gelegen – obwohl die Gästezahlen noch fünf bis zehn Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie lagen.
Das Softwareunternehmen "Pricenow", das mit Vorarlberger Skigebieten zusammenarbeitet, wirbt auf seiner Website mit "optimaler Preisgestaltung zur Maximierung Ihrer Erträge" und spricht von fünf bis 15 Prozent mehr Umsatz.
(VOL.AT)