"Blumen nicht pflücken": Schüler erklären das Frastanzer Ried
Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Frastanz haben zehn Infotafeln für das Europaschutzgebiet gestaltet. Sie zeigen künftig im und am Ried, warum der Naturraum so wichtig ist.
Das Frastanzer Ried ist für die gesamte Region von großer Bedeutung. Es dient als Wasserspeicher, ist Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten und seit 2016 als Europaschutzgebiet ausgewiesen. "Für mich war neu, dass das Ried ein Naturschutzgebiet ist", sagt Fabian Nesensohn (13), Schüler der Mittelschule Frastanz. Während eines Schulprojekts im vergangenen Jahr haben er und weitere Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen sich intensiv mit dem Ried auseinandergesetzt. Zehn Informationstafeln sind aus dem Projekt entstanden, die künftig im Ried und an dessen Rand aufgestellt werden. Die Schüler sind damit zu Riedbotschafterinnen und Riedbotschaftern geworden.
Ziel des Schulprojekts war es, die Bedeutung und Vielfalt des Naturraums "Frastanzer Ried" sichtbar zu machen. Die Jugendlichen recherchierten zur Entstehung, Bewirtschaftung und Artenvielfalt des Rieds. Sie zeichneten Bewohner der Riedwiesen wie das Schwarzkehlchen, erstellten Steckbriefe über sie und drehten Kurzvideos. Die Schüler arbeiteten zusätzlich zum regulären Unterricht an dem Projekt. Die gesammelten Materialien wurden auf Informationstafeln gedruckt und am Montag, 6. Juli, bei einem Rundgang durch das Ried präsentiert.
Warum Rücksicht im Ried wichtig ist
Fabian weiß nach Abschluss des Projekts viel über das Ried. "Man darf im Sommer dort keine Hunde frei laufen lassen", erklärt er. Sie würden bodenbrütende Vögel wie das Schwarzkehlchen stören, das er für eine der Informationstafeln gezeichnet hat.
Vier der Tafeln enthalten QR-Codes. Darüber können Besucherinnen und Besucher Videos abrufen, in denen die Schülerinnen und Schüler mit Experten wie der Landwirtin Marion Schmid vom Schmidahof in Frastanz gesprochen haben. Tobias Decker (13) war vor allem für die filmische Umsetzung zuständig. "Ich habe mit der Kamera gefilmt und die Filme editiert", sagt er. Wichtig sei gewesen, dass Belichtung, Bildausschnitt und Ton passen. Das Projekt habe ihm Spaß gemacht, "weil das Ried wichtig für Frastanz ist".
Lebensraum seltener Arten
Das Ried ist Lebensraum seltener Arten, Naherholungsgebiet und spielt für die Wasserversorgung der Gemeinde eine Rolle. Rund ein Viertel des Trinkwassers kommt aus dem Ried. Das Wasser ist so rein, dass es bereits ohne Aufbereitung Trinkwasserqualität hat.
Interessant ist auch, dass von den sieben in Vorarlberg vorkommenden Amphibienarten sechs im Frastanzer Ried leben, darunter die Gelbbauchunke. Für sie haben die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projekts Tümpel angelegt.
Das Ried vor der Klassentür
Auch Regeln, die im Alltag leicht übersehen werden, wurden durch das Projekt greifbarer. Iymane Kuva (14), die auf ihrem Schulweg durch das Ried läuft, erzählt: "Ich wusste früher nicht, dass man die Blumen hier nicht pflücken darf." Jetzt lasse sie die bunten Wiesenblumen stehen.
Für alle Jugendlichen, die am Projekt teilgenommen haben, hat sich durch die Arbeit der Blick auf ihre Umgebung verändert. Das Ried, das sie von ihrer Schule aus überblicken, ist mittlerweile mehr als eine leere Fläche. "Im Ried hat man Ruhe", sagt Darjan Aliu (14), der die Abwechslung zum regulären Unterricht geschätzt und die Informationstafel zur Sumpf-Gladiole gestaltet hat.
(VOL.AT/Franziska Eckert)