Blut rettet Leben – und genau hier zeigt sich Vorarlberg von seiner stärksten Seite. Während europaweit immer wieder Engpässe drohen, ist die Versorgung im Ländle stabil. Ein Erfolg, der nicht selbstverständlich ist, sondern auf Organisation, Gemeinschaft und Engagement beruht. „Es gibt tatsächlich einen Blutmangel, nicht nur österreichweit, auch europaweit. Aber da kann man jetzt mit ein bisschen Stolz sagen: In Vorarlberg nicht!“, so Dr. Peter Fraunberger, Ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes ÖRK Vorarlberg.
Blutspenden als gelebte Tradition
Grund dafür sei die gute Organisation des Blutspendedienstes und seiner verschiedenen Dienststellen sowie der Systeme, beispielsweise Firmen oder Vereine, bei denen man die Blutspendenaktionen organisieren könne. Vor allem aber wären es die engagierten Spenderinnen und Spender im Land. „In Vorarlberg ist Blutspenden einfach, es gehört dazu, es gehört zur Tradition, da gilt einfach: Man hilft, auch beim Blut“, so Fraunberger.
Blutspenden sei im Land zudem stark mit dem Gemeinschaftsgedanken verbunden. „Bei uns ist das einfach etwas Gesellschaftliches", so Michael Hamel, Organisationsleiter des Blutspendendienstes Vorarlberg (Rotes Kreuz). "Es sind die Vereine die zusammenkommen, wo aufrufen und es ist einfach ein Event in der Gemeinde".
Bis zu 15.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger spenden demnach jedes Jahr Blut.
Unfälle und Krebs als große Einsatzbereiche
Gebraucht werden die Konserven in ganz unterschiedlichen Situationen. Besonders groß ist der Bedarf bei Unfällen, etwa durch Glatteis, Stürze beim Spazierengehen, oder beim Skifahren. Aber auch viele andere Patientinnen und Patienten sind regelmäßig auf das Blut angewiesen. „Es gibt zwei große Gruppen, die das Blut brauchen. Das eine sind Verunfallte oder Unfallopfer mit starken Blutungen, mit viel Blutverlust, z. B. Motorradfahrer im Sommer. „Aber die zweite, noch größere Gruppe, sind inzwischen die Krebspatienten.“ Der Grund: „Krebspatienten haben scharfe Therapien, die auf die Blutbildung gehen, und da braucht man häufig Blutkonserven, aber auch Thrombozyten oder auch Plasmakonserven", so Dr. Peter Fraunberger.
Von der Spende bis zur Freigabe
Blut spenden kann grundsätzlich jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren. Rund 450 Milliliter Blut werden dabei abgenommen. Das entspricht etwa einem großen Glas Bier.
Danach beginnt die Arbeit im Labor. Dafür wird das Blut bereits bei der Abnahme aufgeteilt. Ein Teil kommt in die Blutkonserve, die anschließend aufbereitet und bis zur Freigabe des Blutes gelagert wird. Der andere Teil des Blutes kommt in Röhrchen, die zur Testung des Blutes auf Blutgruppe und auf Infektionskrankheiten wie HIV und Syphilis dienen. Vor der Testung wird das Blut zudem in feste und flüssige Bestandteile separiert.
An dieser Stelle lässt sich auch erkennen wie ausgewogen jemand gegessen hat. „Wenn jemand fettigere Kost bevorzugt, dann sieht man das sehr gut im Blut“, so Nina Hartmann, Biomedizinische Analytikerin im LKH Feldkirch. „Du erkennst an der Durchsichtigkeit des Überstandes, ob der Mensch davor vielleicht paar Leberkäs zu viel gehabt hat.“
Ein wichtiger, oft unsichtbarer Beruf
Im Labor in Feldkirch werden zusätzlich zu den Blutspenden täglich zwischen 100 und 300 Testungen durchgeführt. Mitarbeiterin Nina beschreibt ihre Motivation für die Arbeit so: „Ich möchte gerne ein Job machen, der Sinn macht, wo ich danach heim gehen kann und sagen kann, ich habe was Gutes getan. Und mit den Geräten arbeiten ist auch lässig". Besonders schätze sie auch das Team: „Wir haben ein super Team hier, das würde ich auf keinen Fall tauschen".
Gleichzeitig wünsche sie sich mehr Aufmerksamkeit für diesen Bereich. „Keiner kennt uns. Keiner weiß, was wir überhaupt machen. Keinem ist klar, was mit dem Blut passiert, nachdem man beim Arzt war“. Das Labor sei „ein sehr wichtiger Teil von dem ganzen System“.
Ein Österreicher legte den Grundstein
Ebenfalls auf dem Schirm haben sollte man den Namen Karl Landsteiner. Der Österreicher entdeckte die Blutgruppen und legte damit den Grundstein für die moderne Medizin. Sein Geburtstag ist heute international mit dem Weltblutspendetag verbunden. Wer vielleicht noch einen 1000-Schilling Schein unter dem Kopfkissen versteckt hat, hat auch direkt ein Gesicht vor Augen.
Vorarlberg zeigt damit, wie stark ein funktionierendes Blutspendesystem von Organisation, medizinischem Know-how und vor allem von gelebter Solidarität abhängt. (LÄNDLE TV)