Brigitte Bardot mit 91 Jahren verstorben: Frankreich verliert eine Filmikone
Frankreich hat eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten verloren: Brigitte Bardot, einst Inbegriff weiblicher Sinnlichkeit und später leidenschaftliche Tierschützerin, ist tot. Die Schauspielerin starb im Alter von 91 Jahren – die Nachricht wurde am 28. Dezember öffentlich. Medienberichten zufolge hatte sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Monaten deutlich verschlechtert. Zuletzt musste sie ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Hinterlassen hat Bardot ihren Sohn Nicolas-Jacques Charrier (65) sowie ihren Ehemann Bernard d’Ormale (84), mit dem sie seit über drei Jahrzehnten verheiratet war – ihre vierte und letzte Ehe.
Vom Mädchentraum zur internationalen Leinwandikone
Geboren 1934 in Paris, wuchs Bardot in einer disziplinierten, bürgerlichen Familie auf, wo früh ihre Begabung für Tanz gefördert wurde. Der eigentliche Karrierebeginn kam durch Zufall: Das Modemagazin "Elle" entdeckte sie – und mit dem Film Et Dieu… créa la femme (Und immer lockt das Weib, 1956) stieg sie über Nacht zur weltweiten Sensation auf.
In der Nachkriegszeit wurde sie zur Galionsfigur einer neuen Weiblichkeit – emanzipiert, sinnlich, provokant. Bardot war nicht nur Schauspielerin, sondern Symbolfigur einer Gesellschaft im Wandel – und gleichzeitig Opfer eines Systems, das sie zum Objekt stilisierte. Ihre über 40 Filme, darunter Werke mit Regiegrößen wie Roger Vadim, Jean-Luc Godard und Louis Malle, prägten das europäische Kino – und ein ganzes Frauenbild.
Doch der Ruhm hatte seinen Preis: Der Druck der Öffentlichkeit, mediale Dauerbeobachtung und mehrere Nervenzusammenbrüche begleiteten ihre Karriere.
Vom Film zum Aktivismus – mit Ecken und scharfen Kanten
1973 zog sich Brigitte Bardot überraschend aus dem Filmgeschäft zurück – mit nur 39 Jahren. Fortan widmete sie ihr Leben dem Schutz von Tieren. Ihre "Fondation Brigitte Bardot" zählt heute zu den einflussreichsten Tierschutzorganisationen Frankreichs.
Doch ihre öffentlichen Auftritte blieben nicht unumstritten: Bardot äußerte sich immer wieder in polemischer Weise über Migrant:innen und den Islam. Wegen ihrer umstrittenen Aussagen wurde sie mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt – zuletzt 2008.
Zwischen Ruhm und Radikalität
Bardots Leben war geprägt von Gegensätzen: Sie war gefeiertes Sexsymbol, zerbrechliche Ikone, entschiedene Aktivistin – und zuletzt eine Frau, die mit ihren politischen Ansichten oft schockierte. Was bleibt, ist ein ambivalentes Erbe: Sie revolutionierte das Frauenbild auf der Leinwand, kämpfte kompromisslos für Tiere, polarisierte mit ihrer Weltsicht.
Mit Brigitte Bardot verliert die Welt eine Figur, die viele Rollen in sich vereinte – und dabei nie ganz greifbar wurde.
(VOL.AT)