Bus-Brand mit sechs Toten: Täter kündigte zuvor an, er wolle "seinen letzten Willen noch ausleben"
Täter bereits früher auffällig
Nach der Brandtragödie in einem Linienbus im freiburgischen Kerzers kommen immer mehr Details über den mutmaßlichen Täter ans Licht. Der 65-jährige Mann soll bereits Jahre zuvor für einen größeren Polizeieinsatz gesorgt haben.
Wie Recherchen der Zeitung "Blick" zeigen, hatte sich der Mann im August 2019 im Postbüro des SRF-Gebäudes im Berner Monbijou-Quartier verschanzt. Dort drohte er damit, sich selbst etwas anzutun. Die Polizei konnte ihn damals im Laufe des Vormittags überwältigen. Er blieb unverletzt und wurde anschließend mit einem Krankenwagen in ein Spital gebracht. Weitere Personen kamen bei dem Vorfall nicht zu Schaden.
Mail an Redaktion über persönliche Situation
Der Mann meldete sich später per E-Mail bei der "Blick"-Redaktion und erklärte, dass er für den Vorfall im SRF-Gebäude verantwortlich gewesen sei. In der Nachricht schilderte er auch seine persönliche Lage.
"Ich bin schwer an einer Muskelerkrankung erkrankt und habe mein Leben lang gearbeitet", schrieb er damals. Weiter erklärte er, er wolle "seinen letzten Willen noch ausleben, bevor ich in Frieden gehen kann". Laut eigenen Angaben arbeitete er zu dieser Zeit in einem Arbeitsprogramm im Kanton Freiburg.
Tödliche Tat im Bus
Am Dienstagabend kam es schließlich zu der Tragödie in Kerzers. Gegen 17.45 Uhr stieg der Mann in Düdingen in einen Bus Richtung Kerzers. Rund 40 Minuten später, gegen 18.25 Uhr, übergoss er sich im Fahrzeug mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an.
Das Feuer breitete sich im Bus rasch aus. Sechs Menschen starben bei dem Brand, darunter auch der Mann selbst.
Polizei: Hinweise auf psychische Probleme
Nach Angaben der Polizei könnte es sich bei dem Täter um eine "psychisch instabile Person" handeln, die zuvor von ihrer Familie als vermisst gemeldet worden war. Eine Suche nach dem Mann wurde eingeleitet, Hinweise auf eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung lagen zu diesem Zeitpunkt laut Behörden jedoch nicht vor.
Auch die Berner Polizei erklärte später, dass es beim Verschwinden des Mannes keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung gegeben habe.
Fall war der Kesb bekannt
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Oberland West bestätigte gegenüber "Blick", dass der Fall der Behörde bekannt gewesen sei. Es habe eine Beistandschaft für administrative Angelegenheiten gegeben.
"Selbst- oder Fremdgefährdung war kein Thema", erklärte Kesb-Präsidentin Rahel Rohr.
Leben zuletzt im Camper
Zuletzt lebte der Mann in einem Camper auf einem Standplatz nahe Aarberg im Kanton Bern. Wie der "Tages-Anzeiger" berichtete, war sein Briefkasten überfüllt – unter anderem mit Betreibungen und Vorladungen.
Im Jänner soll ihm zudem der Mietvertrag für den Standplatz gekündigt worden sein. Ende März hätte er den Platz verlassen müssen. Dazu kam es jedoch nicht mehr: Am 10. März kam es zur tödlichen Brandtat im Bus von Kerzers, bei der fünf weitere Menschen ums Leben kamen.
(VOL.AT)