Buslenker als "Blitzableiter": Scharfe Kritik an VVV-Reform
Die neue Tarifstruktur des Vorarlberger Verkehrsverbundes sorgt weiterhin für Diskussionen. Nun meldet sich die Gewerkschaft vida mit deutlicher Kritik zu Wort. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung habe die Reform ihr Ziel einer einfacheren Tarifgestaltung verfehlt.
"Was als Vereinfachung verkauft wird, ist in der Praxis für viele Fahrgäste kaum mehr nachvollziehbar. Die neue Tariflogik ist unübersichtlich, kleinteilig und führt dazu, dass gerade alltägliche Nahverkehrsverbindungen deutlich teurer geworden sind. Die Buslenker:innen werden zudem zum ‚Blitzableiter‘ für ein schlechtes System", sagt vida-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer.
Fahrpersonal spürt Unmut der Fahrgäste
Besonders deutlich werde die Situation laut vida im täglichen Betrieb. Mirsada Dizdarevic, Sprecherin der vida Vorarlberg für den Fachbereich Straße, berichtet von zunehmenden Problemen im Fahrdienst.
"Wir erleben täglich, dass Fahrgäste mit der neuen Tarifstruktur überfordert sind. Die Broschüren sind zu kompliziert, viele wissen nicht, welches Ticket sie brauchen. Gleichzeitig haben Buslenker:innen weder die Zeit noch die Möglichkeit, detaillierte Auskünfte zu geben", erklärt Dizdarevic.
Nach Angaben der Gewerkschaft richte sich der Frust vieler Fahrgäste zunehmend gegen die Beschäftigten im Busverkehr. Immer häufiger komme es zu Beschimpfungen und aggressiven Situationen.
"Die Beschäftigten stehen im direkten Kontakt mit den Fahrgästen und bekommen den Unmut über ein kompliziertes System ab. Es kommt immer häufiger zu Situationen, in denen Fahrer:innen massiv beschimpft werden, weil Fahrgäste die Tarife nicht verstehen oder sich getäuscht fühlen", warnt Stemmer.
Forderung nach besserer Information
Die Gewerkschaft betont, dass die Verantwortung für die Tarifgestaltung nicht beim Fahrpersonal liege. Fahrgäste sollten ihren Ärger daher nicht an den Buslenkerinnen und Buslenkern auslassen.
Kritik übt vida zudem an der Informationspolitik des Verkehrsverbundes. "Der VVV ist säumig, wenn es um verständliche und alltagstaugliche Information geht. Wenn selbst Beschäftigte im System Schwierigkeiten haben, sich auszukennen, dann ist klar, dass die Fahrgäste überfordert sind", so Stemmer.
Diese Maßnahmen fordert die Gewerkschaft
- Verständliche und transparente Aufbereitung der neuen Tarifstruktur
- Breit angelegte Informationskampagne für Fahrgäste
- Einfachere Darstellung der Tarifregionen
- Entlastung des Fahrpersonals bei komplexen Tarifauskünften
- Klare Kommunikation gegen Aggressionen gegenüber Buslenkerinnen und Buslenkern
Für die Gewerkschaft steht fest, dass die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr nicht die Folgen einer aus ihrer Sicht unzureichend kommunizierten Reform tragen dürfen.
"Die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr leisten tagtäglich einen wichtigen Beitrag zur Mobilität in Vorarlberg. Sie dürfen nicht die Leidtragenden einer schlecht kommunizierten und komplizierten Tarifreform sein", sagt Stemmer abschließend.
(VOL.AT)