Chef schenkt allen Mitarbeitern freie Tage: "Ein erfolgreiches Unternehmen lebt von motivierten Mitarbeitern"
Mit seiner Entscheidung, der gesamten Belegschaft zu den islamischen Feiertagen Zuckerfest und Opferfest bezahlt freizugeben, hat der Harder Unternehmer Muammer Palta Aufmerksamkeit erregt. Der Inhaber von MP Kreativ Verputz GmbH betont aber nun gegenüber VOL.AT, dass es ihm dabei nicht um Religion gehe.
Video: "Ein Zeichen der Wertschätzung"
"Wir leben und arbeiten in Österreich, und unser Unternehmen ist ein österreichischer Betrieb", sagt Palta. Selbstverständlich würden österreichische Gesetze, Traditionen und gesetzliche Feiertage respektiert. Die zusätzlichen freien Tage seien daher nicht als Forderung nach neuen offiziellen Feiertagen zu verstehen.
Vielmehr gehe es um Anerkennung für die Belegschaft. "Für mich sind Fleiß, Loyalität, Respekt und Engagement entscheidend – nicht die religiöse Zugehörigkeit", erklärt der Unternehmer. Die Freistellung habe für alle Mitarbeitenden gegolten, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft.
Der Harder Unternehmer betont zudem, dass Rücksichtnahme im Betrieb nicht nur für muslimische Mitarbeiter gelte. Auch Beschäftigte anderer Glaubensrichtungen könnten an wichtigen religiösen Feiertagen freibekommen. So werde etwa auf die "Slava", den wichtigsten religiösen Feiertag vieler serbisch-orthodoxer Familien, Rücksicht genommen.
"Ich behandle alle Mitarbeiter gleich und mit derselben Wertschätzung", sagt Palta. Die Freistellung sei als Zeichen des Dankes für langjährige Mitarbeit und besonderen Einsatz gedacht gewesen.
Video: "Mein Chef respektiert alle Religionen"
Der aus Serbien stammende Zoran Milivojevic arbeitet seit vier Jahren bei Kreativ Verputz und Gerüstbau. "Ich bin orthodoxer Christ, mein Chef ist Muslim. Aber er respektiert alle Religionen", sagt Milivojevic. In früheren Unternehmen sei das nicht selbstverständlich gewesen. Die Wertschätzung im Betrieb nehme er deshalb besonders positiv wahr.
Auch der aus der Türkei stammende Mitarbeiter Alper Yildiz begrüßt die Entscheidung seines Arbeitgebers. Zum ersten Mal habe er bei einem Arbeitgeber zu Zuckerfest und Opferfest freibekommen. Dadurch fühle er sich anerkannt und zusätzlich motiviert.
Wirtschaft sieht freiwillige Lösungen als sinnvoll
Bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg sieht man solche Regelungen grundsätzlich als Angelegenheit der einzelnen Betriebe. Österreich verfüge bereits über 13 gesetzliche Feiertage und liege damit europaweit im Spitzenfeld.
"Es steht den Betrieben frei, Sonderurlaub für ihre Belegschaft zu gewähren", erklärt WKV-Sprecher Herbert Motter. Wichtig sei dabei, dass solche Regelungen fair gestaltet werden und für alle Mitarbeitenden gelten.
Auch die Industriellenvereinigung Vorarlberg betont, dass religiöse Praxis grundsätzlich Privatsache sei. In den Betrieben gehe es darum, pragmatische Lösungen innerhalb bestehender Arbeitszeitmodelle zu finden. Viele Unternehmen würden bereits heute flexible Möglichkeiten anbieten, sofern die betrieblichen Abläufe gewährleistet bleiben.
Gleichzeitig verweist die IV auf die Bedeutung kultureller Vielfalt angesichts des Fachkräftemangels. Internationale Fachkräfte seien längst ein wichtiger Bestandteil vieler Vorarlberger Unternehmen. Vielfalt könne Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken – vorausgesetzt, sie werde gut organisiert und in bestehende Strukturen eingebunden.
Für Muammer Palta steht jedoch vor allem eines im Vordergrund: "Ein erfolgreiches Unternehmen lebt von motivierten und geschätzten Mitarbeitern."
(VOL.AT)