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Chronotyp erklärt: Warum nicht jeder früh funktionieren kann

Chronotypen bestimmen unseren Schlafrhythmus.
Chronotypen bestimmen unseren Schlafrhythmus. ©Canva/Symbolbild
Der gesellschaftliche Alltag bevorzugt frühe Aktivität. Doch nicht jeder Organismus folgt diesem Muster. Die Chronobiologie zeigt, dass Menschen zu unterschiedlichen Tageszeiten ihr Leistungsmaximum erreichen, unabhängig von Gewohnheit oder Disziplin.

Nicht jeder Mensch startet gleich in den Tag. Während sogenannte "Lerchen" früh leistungsfähig sind und am Abend rasch müde werden, brauchen "Eulen" deutlich länger, um in Schwung zu kommen – bleiben dafür abends länger aktiv.

Diese unterschiedlichen Schlaf- und Leistungsrhythmen werden als Chronotypen bezeichnet. Sie sind teilweise genetisch festgelegt und beeinflussen, wann wir wach, konzentriert und müde sind.

Chronotypen: Die biologischen Unterschiede

Schlafforscher unterscheiden vor allem zwei Grundtypen:

Die "Lerche"

  • wacht früh auf
  • ist vormittags besonders leistungsfähig
  • wird am Abend früh müde

Die "Eule"

  • kommt morgens schwer in Gang
  • erreicht ihre höchste Leistungsfähigkeit später am Tag
  • bleibt abends länger wach

Ein großer Teil der Bevölkerung gehört zu einem mittleren Chronotyp mit Tendenz zur "Eule". Das bedeutet: Viele Menschen sind biologisch eher auf spätere Aktivität eingestellt.

Warum die Sommerzeit "Eulen" stärker trifft

Zweimal jährlich werden in Österreich die Uhren umgestellt. Während die Rückstellung im Herbst vergleichsweise wenig gesundheitliche Auswirkungen zeigt, sind bei der Umstellung auf die Sommerzeit negative Effekte dokumentiert.

Bei der Sommerzeit geht eine Stunde Schlaf verloren. Für späte Chronotypen verschiebt sich der Schlafrhythmus dadurch weiter nach hinten – während Arbeits- und Schulzeiten gleich bleiben. Die Folge kann ein verstärkter sozialer Jetlag sein: Die innere biologische Zeit passt nicht zum gesellschaftlichen Zeitplan.

Beobachtete Auswirkungen in Studien:

  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
  • mehr Migräneattacken
  • Anstieg von Herz-Kreislauf-Ereignissen
  • vermehrte Verkehrs- und Arbeitsunfälle

30 Prozent berichten über Beschwerden

Eine Umfrage der Krankenkasse DAK vom März 2024 ergab: 30 Prozent der Befragten hatten infolge der Zeitumstellung gesundheitliche oder psychische Probleme. Am häufigsten wurden Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten genannt.

Frauen waren der Erhebung zufolge häufiger betroffen. Besonders oft berichtete die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen von Beschwerden.

Studien zeigen Anstieg von Migräne und Herzinfarkten

Die Schmerzklinik Kiel wertete 2025 die Kopfschmerzverläufe von 258 Migränepatientinnen und -patienten über zwei Jahre aus. In der Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Migräneattacken, besonders an den Montagen nach der Zeitumstellung.

Auch internationale Studien weisen auf einen Anstieg von Herzinfarkten hin. Eine 2014 im Fachmagazin "Open Heart" veröffentlichte Analyse aus den USA zeigte am Montag nach der Sommerzeit-Umstellung 24 Prozent mehr Herzinfarkte. Andere Untersuchungen sprechen von rund vier Prozent mehr Infarkten in der ersten Woche. Die Datenlage ist unterschiedlich, deutet aber auf messbare Effekte hin.

Dauerhafte Normalzeit würde späten Typen entgegenkommen

Internationale Schlafmediziner und Chronobiologen sprechen sich mehrheitlich für eine dauerhafte Standardzeit aus – in Deutschland entspricht das der sogenannten "Winterzeit". Auch eine Studie der Universität Stanford kommt zu diesem Ergebnis. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) befürwortet ebenfalls die Abschaffung der Sommerzeit.

Eine ganzjährige Normalzeit würde insbesondere späten Chronotypen entgegenkommen, da sie näher an ihrem biologischen Rhythmus läge.

(VOL.AT)

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