Crans-Montana: Barkeeper warnte vor Chaos – jetzt kämpft er um sein Leben
Es war kurz vor Weihnachten, als bei Jean-Michel Gilbert das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung: sein Sohn Gaëtan, 28 Jahre alt, Barkeeper in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Wintersportort Crans-Montana. Der Ton ernst, die Worte klar: "Papa, ich gehe nach Hause. Nichts stimmt. Das habe ich nicht erwartet." Darüber berichtet der Sender BFMTV.
Ein Satz, der sich eingebrannt hat. Denn Gaëtan lebt heute nicht mehr in dieser Welt, wie sein Vater sie kennt. Er liegt im künstlichen Koma – schwer verletzt nach dem Brand in der Silvesternacht, bei dem mehrere Menschen betroffen waren. Der Anruf, sagt Jean-Michel, "war ein Hilferuf, den wir viel zu spät einordnen konnten".
"Viele Mängel", "zu junge Gäste"
Gaëtan hatte die Stelle als Barchef Anfang Dezember angetreten – voller Hoffnung auf eine Wintersaison in den Alpen. Doch was er erlebte, ließ ihn schnell zweifeln. Am Telefon klang er ernüchtert. Er sprach von organisatorischem Chaos, fehlenden Sicherheitsstandards und "sehr jungen Teenagern", die sich in der Bar aufhielten. Es sei nicht das, was er sich vorgestellt hatte.
Sein Plan war klar: kündigen, so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren. Doch es kam anders. Laut seinem Vater überredeten ihn die Betreiber, zumindest noch bis Jahresende zu bleiben. Ein Entgegenkommen, das tragisch enden sollte.
Die Nacht, die alles veränderte
In der Silvesternacht brach in der Bar ein Feuer aus – die genauen Umstände sind noch Gegenstand der Ermittlungen. Gaëtan wurde mit schweren Verbrennungen ins Universitätsspital Lausanne gebracht, später nach Paris verlegt. Seitdem kämpft er ums Überleben.
Für Jean-Michel Gilbert und seine Familie begann ein Albtraum. Nicht nur wegen der Verletzungen des Sohnes – sondern auch, weil niemand sie informierte. Weder Behörden noch Arbeitgeber. "Wir haben alle Krankenhäuser angerufen, eines nach dem anderen", sagt der Vater. Erst durch Zufall fanden sie heraus, wo Gaëtan lag.
Schweigen statt Mitgefühl
Bis heute habe sich niemand von der Bar-Leitung gemeldet. Kein Anruf, keine Nachfrage. "Mein Sohn hatte Vorgesetzte. Wo verstecken sie sich?", fragt Jean-Michel fassungslos. Auch das französische Außenministerium blieb auf Rückfragen bislang stumm.
Ermittlungen gegen die Betreiber
Das Brandschutzkonzept der Bar steht mittlerweile im Zentrum der polizeilichen Untersuchungen. Fragen gibt es viele: Waren zu viele Gäste vor Ort? Wurden Sicherheitsauflagen eingehalten? Was wussten die Betreiber? Es gilt die Unschuldsvermutung.
Für Jean-Michel ist klar: Der Anruf seines Sohnes war mehr als eine Beschwerde. "Ich will niemanden vorverurteilen", sagt er. "Aber ich will, dass sich jemand verantwortlich zeigt. Mein Sohn hat nicht einfach Pech gehabt. Er hat versucht, uns zu warnen."
Video: Immer mehr Missstände rund um Crans-Montana-Bar
(Red.)