Crans-Montana: Kautionsgeld für Freilassung des Barbetreibers soll von Millionär stammen
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung sowie der fahrlässigen Brandstiftung.
Das Walliser Zwangsmassnahmengericht hatte zuvor entschieden, die U-Haft durch Ersatzmaßnahmen zu ersetzen. In einem Schreiben des Gerichts heißt es, dies geschehe, "um der Fluchtgefahr des Angeklagten entgegenzuwirken". Moretti ist verpflichtet, täglich bei einer Polizeidienststelle vorstellig zu werden. Neben der Hinterlegung der Kautionssumme musste er auch seine Ausweis- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft abgeben.
Insgesamt 400.000 Franken Kaution hinterlegt
Unklar blieb zunächst, wer die notwendige finanzielle Unterstützung für die Haftentlassung ermöglichte. Für Jacques und Jessica Moretti wurden insgesamt 400.000 Franken hinterlegt – jeweils 200.000 Franken pro Person. Gemäß Berichten von "La Repubblica" soll es sich dabei um "einen Genfer Millionär mit Konto in Dubai" handeln. Das Gericht bestätigte lediglich, dass sowohl die Herkunft der eingesetzten Mittel als auch das persönliche Verhältnis vorab intensiv geprüft worden seien. Auch laut "Corriere della Sera" sollen die Beträge für Jacques und Jessica Moretti von derselben Person bereitgestellt worden sein.
Hinweise auf Verbindung zu Uhren-Erben
Die Schweizer Zeitung "Blick" will aus dem Umfeld der Opfer der Brandkatastrophe erfahren haben, dass es sich bei dem mutmaßlichen Unterstützer um einen Erben einer der wohlhabendsten Schweizer Uhrenfamilien handelt. Der Mann sei demnach nicht nur im Uhrenbereich, sondern auch in der Immobilienbranche aktiv. Moretti soll in der Vergangenheit eine Immobilie von ihm erworben haben. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.
Hinweise auf private Bekanntschaft
Neben geschäftlichen Kontakten soll es auch eine private Verbindung zwischen den beiden Männern geben. Laut "Blick" teilen sie eine gemeinsame Leidenschaft für klassische Automobile und sollen gemeinsam an einer Oldtimer-Rallye auf Korsika teilgenommen haben. Eine telefonische Anfrage von "Blick" sei unbeantwortet geblieben; das Gespräch sei laut beendet worden, als das Wort "Journalist" gefallen sei.
Weitere Verfahren eingeleitet
Die strafrechtliche Aufarbeitung des Vorfalls ist noch nicht abgeschlossen. Neben dem Verfahren gegen das Ehepaar Moretti wurde auch ein Ermittlungsverfahren gegen einen früheren Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde Crans-Montana eröffnet. Angaben zu den konkreten Vorwürfen machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht.
Die Gemeinde hatte nach dem Unglück eingeräumt, dass seit 2019 keine regelmäßigen Brandschutzkontrollen mehr durchgeführt worden seien. Auch Fragen zur Videoüberwachung stehen im Raum. Der "Spiegel" berichtet, Moretti habe angegeben, dass die Kameras in der Bar kurz vor Ausbruch des Feuers ausgefallen seien. Aufzeichnungen öffentlicher Überwachungssysteme seien nur teilweise verfügbar.
In der Silvesternacht kamen bei dem Brand 40 Menschen ums Leben, 116 weitere wurden verletzt. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde das Feuer durch eine Feuerwerksfontäne ausgelöst, die in unmittelbarer Nähe zu einer mit Schaumstoff verkleideten Decke gezündet worden sein soll.
(VOL.AT)