Das Geheimnis des beliebtesten Krapfens Vorarlbergs
Während sich manch einer um sechs Uhr in der Früh mühsam aus dem Bett quält, hat Markus Münsch (42) schon fast den Arbeitstag hinter sich: In seiner Backstube in Nenzing duftet es nach Fett und Zucker, die Verkaufstheke ist mit Brot, süßem Gebäck und Blechen voller Marillenkrapfen bestückt.
Letztere gehen zum Hochfasching besser weg als die berühmten warmen Semmeln. Kein Wunder, zeigt doch die Online-Abstimmung auf vol.at, dass es in der Bäckerei Münsch die mit Abstand besten Krapfen Vorarlbergs gibt. Auch das Kulinarik-Magazin Falstaff hat seine Leserschaft befragt und der Münscher Krapfen wurde heuer zum sechsten Mal in Folge der Leserliebling der Vorarlberger.
Grund genug, dem Betrieb vor dem Faschingswochenende einen Besuch abzustatten und zu schauen, was so besonders an diesen Krapfen ist.
3500 Krapfen am Tag
Keine 30 Sekunden vergehen, in denen an diesem Morgen die kleine Glocke an der Tür der Bäckerei Münsch nicht einen neuen Kunden ankündigt. Einer von ihnen nimmt gleich zwei Zehner-Boxen mit und meint dabei: „Die Kollegen sind süchtig, die können nicht bis Montag warten!“ Andrea Münsch (37) packt Krapfen nach Krapfen ein, tippt Preise in die Kassa und schiebt das begehrte Backwerk über die Theke zu den Kunden. 1,99 Euro zahlen die pro Stück. Hinten in der Backstube rührt der Chef schon den nächsten Teig an, 3500 Stück werden an diesem Wochenende jeden Tag frittiert und gefüllt.
Kleine Hilfen, aber alles ist Handarbeit
Münsch beginnt in der Faschingszeit bereits um 21 Uhr. Der Teig wird aus Mehl, Germ, Zucker, Ei, Butter und einer Prise Salz in einer 60 Jahre alten Maschine zweimal verknetet. 16 Kilogramm Mehl werden an diesem Wochenende an nur einem Tag verarbeitet. In Stücken kommt der Teig auf ein kleines Blech und in eine Maschine, die daraus genau 42 Gramm schwere Teiglinge presst. „Wenn du das händisch formen und füllen musst, wirst du nicht fertig“, erklärt der 42-jährige Bäcker.
Die Teiglinge dürfen dann eineinhalb Stunden im Gärofen gehen, bevor sie sichtbar vergrößert ins heiße Pflanzenfett kommen und frittiert werden. Jeden Krapfen dreht Münsch einzeln um, so bekommt er seine goldgelbe Farbe mit dem typischen weißen Rand.
Dann geht es an die Füllung: Hier hilft eine Maschine mit Spritzaufsatz, mit einem Hebel werden die Krapfen einzeln mit Marillenmarmelade gefüllt. Sind sie ausgekühlt, verteilt der Bäcker den Staubzucker großzügig. Vorne warten Andrea Münsch und drei Verkäuferinnen sehnsüchtig auf die neue Ware. In der Faschingszeit schieben Markus Münsch und Bäckerin Rebekka Sonderschichten, um Krapfen, Funkenküchele (flach ausgebackener Krapfenteig mit Zimt und Zucker), Schaumrollen und die hauseigene Spezialität, das Münschtörtle, zu backen. Den beliebtesten Krapfen Vorarlbergs gibt es aber nicht nur in Nenzing, die Konditorei beliefert zudem Spar und Adeg; auch Firmen und Vereine bestellen zur Faschingszeit regelmäßig.
Familienrezepte aus vier Generationen
Heuer feiert die Bäckerei in Nenzing ihr 100-jähriges Bestehen. Markus Münsch hat den Betrieb 2018 von seinem Vater übernommen. Das Rezept des Krapfens stammt von seinem Urgroßvater. Fragt man die Chefin, was das Geheimrezept ihrer beliebten Krapfen ist, antwortet sie selbstsicher: „Die Zeit, die sie gehen dürfen und die hochwertigen Zutaten machen sie so besonders.“ Drei Wochen lang läuft die Krapfenproduktion auf Hochtouren, danach geht es zurück in den Normalbetrieb.
Kann Markus Münsch am Faschingsdienstag noch Krapfen sehen? „Ja, das geht gut“, meint er mit einem Grinsen im Gesicht. Dafür bleibt die Backstube am Mittwoch zu und die Münschs und ihre Angestellten gönnen sich einen wohlverdienten freien Tag.
(VOL.AT)