"Das ist grausam": Diese erschreckenden Zustände erleben Reinigungskräfte in Vorarlberg
Was Reinigungskräfte täglich vorfinden, sprengt jede Vorstellung: Fäkalien auf Böden und Wänden, Erbrochenes und benutzte Hygieneartikel. Dazu kommt ein Umgang, den viele als respektlos erleben. Doch das ist längst nicht alles. Szenen, wie man sie aus Filmen kennt – wenn Reinigungskräfte unvermittelt in intime Momente platzen – sind auch in Vorarlberg Realität. Zwei Führungskräfte aus der Branche berichten von Erlebnissen, die schockieren, irritieren und einen seltenen Blick hinter die scheinbar saubere Oberfläche ermöglichen.
Video: Mit diesen Extremsituationen sind Reinigungskräfte konfrontiert
"Das ist grausam"
Besonders drastisch sind die Zustände in stark frequentierten Bereichen. Teamleiterin Meftida Zimmermann von der Majer Gebäudereinigung berichtet von öffentlichen Toiletten, in denen Fäkalien nicht nur im WC landen. "Da wird auf den Boden gemacht und alles an die Wände geschmiert – das ist grausam", sagt sie. Für Reinigungskräfte bedeute das enormen Mehraufwand und psychische Belastung.
Objektbetreuerin Ayla Kalkan ergänzt: Solche Fälle treten vor allem dort auf, wo viele Menschen täglich ein- und ausgehen – etwa in Speditionen oder öffentlichen Anlagen. "Das sind keine Einzelfälle. Das kommt immer wieder vor."
"Ein absolutes No-Go"
Noch schwieriger sind Fälle, in denen Verschmutzungen absichtlich verursacht werden. In einem betreuten Baumarkt wurden Toiletten etwa wiederholt mit ganzen Klopapierrollen verstopft. "Die saugen sich voll, lösen sich auf und dann ist alles dicht", sagt Kalkan – beim nächsten Spülen läuft das Wasser über.
Auch gezielte Verunreinigungen seien Alltag: "Man sieht, ob etwas aus Versehen passiert ist oder absichtlich." In solchen Fällen zieht sie klare Grenzen: "Das ist ein absolutes No-Go. So etwas müssen meine Damen nicht wegmachen." Dann werde eine Spezialreinigung beauftragt.
Extreme Zustände gibt es auch in Büros nach Feiern. "Da bleibt es nicht bei einem kaputten Glas", sagt Kalkan. In einem Fall war ein Teppich nach einer Feier massiv verschmutzt: "Wenn jemand zu viel getrunken hat, liegt das eben am Boden."
Hygieneartikel: "Riecht extrem unangenehm"
Auch entsorgte Hygieneartikel sorgen regelmäßig für Probleme. "Das wird oft einfach offen liegen gelassen", sagt Kalkan. Vor allem bei Hitze werde es schnell unangenehm: "Wenn benutzte Tampons bei 30 Grad im Mülleimer liegen, riecht das extrem unangenehm."
Müll, Chaos und Gleichgültigkeit
Nicht nur extreme Fälle erschweren den Alltag. Schon überfüllte Müllkübel oder achtlos hinterlassener Abfall sind eine Belastung. Zimmermann beobachtet das besonders in Schulen: „Früher hat man die Klasse sauber hinterlassen. Heute wird alles auf den Boden geworfen, weil es eh jemand aufräumt.“
Vorwürfe und falsche Anschuldigungen
Zusätzlich zur körperlichen Arbeit kommt der Umgang mit Vorurteilen. "Wenn etwas verschwindet, sind wir oft die Ersten, die beschuldigt werden", sagt Kalkan. Gerade weil Reinigungskräfte meist außerhalb der regulären Arbeitszeiten tätig sind, geraten sie schnell unter Verdacht.
Zimmermann erinnert sich an einen Vorfall, bei dem wegen einer einzelnen Schokolade ein großer Konflikt entstand. "Da wurde gleich ein Diebstahl unterstellt."
Zwischen Stress und absurden Momenten
Neben den belastenden Erlebnissen gibt es auch Ereignisse, die selbst erfahrene Kräfte überraschen. Zimmermann berichtet, dass Reinigungskräfte immer wieder Menschen in intimen Situationen antreffen – etwa in Büros oder Nebenräumen nach Dienstschluss. "Da kommt man rein und merkt sofort, dass man stört", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Für die Betroffenen sei das ebenso unangenehm wie für die Reinigungskräfte selbst.
Daneben bleiben auch kuriose Vorfälle in Erinnerung: In einem Krankenhaus räumte eine Reinigungskraft Kleidung weg, ohne zu bemerken, dass ein Arzt gerade duschte. "Er stand dann nur mit einem kleinen Handtuch da und wusste nicht, wie er rauskommen soll", lacht Zimmermann.
"Immun gegen Ekel wird man nie"
Trotz der extremen Situationen bleibt die Anerkennung oft aus. "Immun gegen Ekel wird man nie", sagt Zimmermann. Gleichzeitig werde erwartet, dass jede Verschmutzung kommentarlos beseitigt wird.
Kalkan bringt die Wahrnehmung auf den Punkt: "Man sieht uns nur, wenn wir nicht da sind." Beide wünschen sich mehr Respekt für eine Arbeit, die viele nicht machen wollen – die aber täglich notwendig ist.
(VOL.AT)