Sexualpädagogik: Wer entscheidet über die Inhalte?
Kaum ein Thema wird unter Eltern so kontrovers diskutiert wie die Sexualpädagogik an Schulen. Wann beginnt Aufklärung? Was wird Kindern vermittelt? Und wer entscheidet eigentlich darüber? VOL.AT hat mit der Bildungsdirektion, Sexualpädagogen und Kinderschützern gesprochen.
Christian Kompatscher von der Bildungsdirektion erklärt im Videointerview, welches Mitspracherecht Eltern tatsächlich haben.
Eltern dürfen mitreden – aber nicht alles bestimmen
"Das ist ein Unterrichtsauftrag der österreichischen Schule, und der ist nicht verhandelbar." Mit diesen Worten bringt Christian Kompatscher von der Bildungsdirektion Vorarlberg die Situation auf den Punkt. Sexualpädagogik sei Teil des Bildungsauftrags der Schule. Eltern würden zwar informiert und eingebunden, ihre Kinder vom Unterricht oder entsprechenden Schulangeboten abzumelden, sei grundsätzlich aber nicht vorgesehen.
Was Kinder tatsächlich lernen
Wer nun an Verhütung oder Sexualpraktiken denkt, liegt laut den befragten Experten daneben. In Volksschulen stehen Themen wie Körperwissen, Pubertät, persönliche Grenzen und die Frage, wie ein Baby entsteht, im Mittelpunkt.
Martin Stock und Nina Leopold gehören zum Sexualpädagogik-Team der Bildungsdirektion Vorarlberg. Neben der Beratung von Schulen, Lehrern, Eltern und Schülern führen beide auch selbst Workshops durch und beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema.
Im Zentrum der Arbeit stehe primär die Prävention. Kinder sollen lernen, ihren Körper wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und Übergriffe erkennen zu können. In höheren Schulstufen kommen dann Themen wie Verhütung, Beziehungen, Mediennutzung und der Umgang mit pornografischen Inhalten hinzu. "Die Sexualpädagogik soll die Lebenswelt der Kinder betreffen", sagt Stock. Welche Inhalte behandelt werden, orientiert sich dabei stets am Alter und Entwicklungsstand der jeweiligen Schüler.
Die Sicht des Kinderschutzes
Auch die Kinderschutzorganisation "Die Möwe" sieht Sexualpädagogik als wichtigen Beitrag zum Kinderschutz. Kinder, die ihren Körper kennen und benennen können, seien oft besser in der Lage, Grenzen wahrzunehmen, Grenzüberschreitungen zu erkennen und Hilfe zu holen. Gleichzeitig betont die Organisation, dass die Sorgen vieler Eltern ernst genommen werden sollten. Eltern müssten die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.
Die Möwe verweist aber auch darauf, dass Sexualpädagogik nicht automatisch gut sei, nur weil sie so bezeichnet werde. Entscheidend seien Ausbildung, fachliche Standards und wissenschaftliche Grundlagen. Nicht jeder Anbieter arbeitet nach denselben Qualitätskriterien. Deshalb seien Zertifizierungen und Qualitätskontrollen besonders wichtig.
Die Diskussion rund um Sexualpädagogik dürfte damit auch künftig nicht verstummen. Klar ist aber: Eltern werden informiert und eingebunden. Die Entscheidung darüber, ob Sexualpädagogik an Schulen stattfindet, liegt am Ende jedoch nicht bei ihnen.
(VOL.AT)