London ist wieder im Ausnahmezustand. Im altehrwürdigen Alexandra Palace, von allen nur "Ally Pally" genannt, wird auch heuer die Darts-Weltmeisterschaft ausgetragen – zum 33. Mal. Was einst eine britische Randsportart in Pubs war, ist heute ein weltweites Spektakel mit Kultstatus. Für viele Vorarlberger Dartsfans ist der "Ally Pally" längst zum Sehnsuchtsort geworden.
128 Spielerinnen und Spieler, darunter fünf Frauen, kämpfen um den Titel und ein Preisgeld von einer Million Pfund. Mit dabei: der Wiener Mensur Suljovic, der nach einem Auftaktsieg gegen den Kanadier David Cameron am Sonntag gegen den Engländer Joe Cullen antritt. Sollte er gewinnen, wartet vermutlich ein Duell mit Titelverteidiger Luke Littler. Doch nicht nur auf der Bühne wird Großes geleistet, auch das Publikum sorgt für Gänsehautmomente.
"Es ist wie Fasching, Fußballspiel und Party zusammen"
Einer, der den "Ally Pally" hautnah erlebt hat, ist Kevin Biegger. Der Präsident des Vorarlberger Dartsverbands war 2015 gemeinsam mit rund 20 Vereinskollegen aus Klaus in London vor Ort. Der erste Eindruck? "Ehrlich gesagt war ich anfangs enttäuscht. Die Halle wirkt im Fernsehen viel größer, als sie tatsächlich ist." Doch das sollte schnell zur Nebensache werden: "Die Stimmung ist unglaublich. Fast alle sind verkleidet, aber es gibt keine Querulanten. Alle wissen sich zu benehmen und feiern gemeinsam", erzählt Biegger.
Für ihn ist die Darts-WM das absolute Highlight des Jahres: "Während dieser Zeit sitzen wir fast jeden Tag im Vereinslokal. Es ist für uns die fünfte Jahreszeit." Auch wenn das Turnier für viele längst zum Kult geworden ist, die Faszination bleibt. "Es ist das Mekka für Dartsspieler", sagt der 35-Jährige. "Was Wimbledon für Tennisspieler ist, ist der Ally Pally für uns."
Ally Pally bleibt und wächst
Noch fasst der Alexandra Palace rund 3000 Zuschauer pro Session. Ab 2026 wird die WM in die größere Great Hall verlegt. Dann können 5000 Fans pro Session live dabei sein. Insgesamt stehen künftig 180.000 Tickets zur Verfügung, rund 70.000 mehr als bisher. Ein notwendiger Schritt, wie PDC-Chef Barry Hearn betont: Die Tickets waren heuer innerhalb von zehn Minuten ausverkauft.
Und ein klares Bekenntnis: Trotz Lockrufen aus Saudi-Arabien bleibt das Turnier in London. "Können wir Alkohol haben?", fragte Hearn die potenziellen Gastgeber. Als die Antwort "Nein" lautete, war für ihn klar: "Dann könnt ihr auch kein Darts haben."
Vorarlbergs Dartsszene boomt
Auch in Vorarlberg zeigt sich der Dartsboom deutlich. Etwas mehr als 30 Vereine mit 500 bis 600 aktiven Herren und 150 bis 200 Damen sind im Land aktiv. Gespielt wird in sieben Ligen im E-Darts und vier im Steel-Darts, dazu kommt noch die Bundesliga. Die Unterschiede? "Die Steel-Darts-Pfeile sind meist schwerer, um die 21 bis 22 Gramm, und das Spiel ist ruhiger, eleganter", erklärt Biegger.
Konzentration trotz Partystimmung
Aber wie schafft man es eigentlich, bei so viel Lärm und Ausgelassenheit den Fokus zu behalten? "Wenn alle gemeinsam feiern, ist das wie ein gleichmäßiger Geräuschpegel", sagt Biegger. Viel störender seien einzelne Pfiffe oder Stimmen aus der Menge. Es gebe Spieler, die lieber in ruhiger Umgebung auftreten – sogenannte Floor-Spieler. Und dann gibt es eben jene, "die Rampensäue sind und es lieben, vor einer lauten Kulisse zu spielen". Bleibt die Frage nach Österreichs Hoffnungsträger Mensur Suljovic. "Ich wünsche es ihm sehr, aber gegen Joe Cullen wird es extrem schwer", sagt Biegger.
Der Ally Pally bleibt Kult
Für Vorarlbergs Dartsfans ist klar: Der Ally Pally bleibt das Herz der Szene. Die Mischung aus sportlicher Klasse, ausgelassener Stimmung und britischer Skurrilität ist und bleibt einzigartig. Und wer einmal dort war, kommt nicht mehr los.
(VOL.AT)