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Darum streichen Electric Love, Ikarus und viele weitere Festivals Acts

Internationale Festivals reagieren auf schwere Vorwürfe gegen Hard-Techno-Acts
Internationale Festivals reagieren auf schwere Vorwürfe gegen Hard-Techno-Acts ©CANVA (Symbolbild) / Screenshot Instagram Electic Love
Schwere, teils strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen mehrere Hard-Techno-Künstler sorgen international für Konsequenzen. Zahlreiche Festivals, Klubs und Agenturen reagieren mit Line-up-Änderungen.

Die internationale Hard-Techno-Szene erlebt derzeit eine ihrer größten Erschütterungen. Ausgelöst durch Veröffentlichungen auf dem Instagram-Account "bradnolimit", auf dem seit Tagen umfangreiche Anschuldigungen gegen mehrere Künstler und ihr Umfeld erhoben werden, ziehen Veranstalter weltweit Konsequenzen. Viele der Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich geklärt, einige Betroffene weisen sie zurück, in einzelnen Fällen ist von laufenden Untersuchungen die Rede.

Electric Love Festival Salzburg: "Ekelhaft und beschämend"

Besonders deutlich positionierte sich das Electric Love Festival. In einem ausführlichen Statement bezeichnet der Veranstalter die aktuellen Entwicklungen als "ekelhaft und beschämend". Im Mittelpunkt müsse nun eine Aufarbeitung stehen, "die Betroffene schützt und ihnen Raum zur Verarbeitung gibt".

Zugleich kündigte das Festival an, Präventionsmaßnahmen auszubauen – insbesondere im Hinblick auf das ungleiche Machtverhältnis zwischen prominenten Künstlern und Fans. In der derzeitigen Unübersichtlichkeit wolle man unterscheiden zwischen strafrechtlich relevanten Verbrechen, strukturellen Problemen, möglichen Kampagnen oder Rachefeldzügen sowie privatem Fehlverhalten ohne Straftat.

Konkret wurde das Festival beim Act CARV: Man habe sich ein Bild gemacht und entschieden, ihn aus dem Line-up zu entfernen. CARV wird beim Electric Love 2026 nicht auftreten.

Internationale Welle an Line-up-Änderungen

Electric Love ist nicht allein. Zahlreiche Festivals und Klubs haben in den vergangenen Stunden und Tagen reagiert:

  • Das belgische Dour Festival entfernte betroffene Acts als "vorsorgliche Maßnahme" aus dem Line-up.
  • Ultra Miami listet Shlømo nicht mehr im Programm; ein offizielles Statement liegt bislang nicht vor.
  • Auch beim von Sara Landry kuratierten HEKATE Take-over ist Shlømo nicht mehr gelistet, Clara Cuvé spielt das geplante B2B alleine.
  • Awakenings teilte mit, dass Odymel 2026 weder beim UPclose noch beim Festival selbst auftreten werde. Angesichts "ernster Vorwürfe und Statements" halte man einen Schritt zurück für richtig.
  • Das Dominator Festival strich HADES und CARV nach erneuter Bewertung der Lage aus dem Line-up.
  • Laut einem automatisierten Update auf Reddit sind Odymel und Shlømo zudem nicht mehr im Tomorrowland-Line-up gelistet. Eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es bisher nicht.
  • Das maltesische Glitch Festival entschied nach interner Prüfung, dass Odymel 2026 nicht auftreten wird.
  • Das Distortion Festival in Kopenhagen strich Shlømo mit Verweis auf "jüngste Anschuldigungen".

Auch zahlreiche weitere Veranstalter – darunter Sea You, I-Motion (MAYDAY), Airbeat One, Open Beatz, World Klub Dome, Verknipt, HIVE, Teletech, Blackworks oder Isle of Summer – erklärten, betroffene Acts bis zur Klärung aus ihren Programmen zu nehmen. Viele betonen, keine juristische Instanz zu sein, die Sicherheit und das Vertrauen der Community jedoch an erste Stelle zu setzen.

Tomorrowland Line-up 

Auf Reddit wurde ein automatisiertes Line-up-Update veröffentlicht, dem zufolge mehrere Acts aus dem Programm entfernt worden sein sollen.

Eine offizielle Stellungnahme des Festivals liegt bislang nicht vor. Grundlage der Berichte ist derzeit ausschließlich das automatisierte Update sowie die Tatsache, dass die genannten Artists auf der offiziellen Tomorrowland-Website aktuell nicht mehr im Line-up gelistet sind.

©Screesnhot Reddit

Künstler äußern sich – teils mit klaren Worten

Mehrere Artists bezogen öffentlich Stellung. Shlømo weist die Vorwürfe zurück, spricht von einer "Diffamierungskampagne" und kündigte rechtliche Schritte an. Er will sich vorübergehend zurückziehen.

FANTASM bezeichnete die Situation als "chaotisch" und warf dem ehemaligen Steer-Mitarbeiter Brad vor, Menschen ohne laufende Verfahren mit falschen Behauptungen zu verleumden. Wörtlich erklärte er: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich niemals jemanden ohne dessen Einwilligung benutze. Alle Anschuldigungen sind falsch. Ich bin kein Pädophiler und bin nur hier, um die Wahrheit zu verbreiten und durch meine Musik Leidenschaft zu zeigen."

Das Statement von FANTASM:

CARV räumte in einem Statement ein, untreu gewesen zu sein, intime Chats geführt und Bilder verschickt zu haben. Gleichzeitig betonte er, es habe kein "nicht einvernehmliches Verhalten" und kein strafrechtliches Fehlverhalten gegeben. "Das macht es trotzdem nicht richtig", schrieb er und kündigte eine Pause an.

Das Statement von CARV:

Odymel erklärte, im Zusammenhang mit einem Vorfall aus einer früheren einvernehmlichen Beziehung laufe eine "preliminary investigation". Eine gerichtliche Entscheidung gebe es nicht. Er kündigte an, zu kooperieren und sich vorerst zurückzuziehen.

Das Statement von Odymel:

Szene diskutiert Macht und Strukturen

Parallel zu den konkreten Personalentscheidungen wird eine breitere Debatte geführt. SPFDJ sprach von einem "Boys-Klub"-Problem und forderte Männer auf: "Wenn du ‚nicht so bist‘, dann beweis es – und sag was." Schweigen halte problematische Strukturen am Leben.

Die Künstlerin LYAH erklärte, es sei gut, dass Dinge "endlich ans Licht kommen", betonte jedoch, das Problem sei "kein neues" – weder in der Musikszene noch in anderen Branchen.

Laura vom Jupiter sagte in einem Video, sie kenne "keine einzige Frau", die nicht schon einmal von einem Mann in einer Machtposition sexuell belästigt worden sei. Das Kernproblem sei Machtmissbrauch.

LARI LUKE kritisierte Veranstalter dafür, zwar Acts auszuladen, aber nicht automatisch auch Backstage-Strukturen und Sicherheitsstandards zu überprüfen. Es brauche mehr als PR-Statements, forderte sie.

Auch Initiativen wie der offene Brief "We are the women of techno", geteilt von Hannah Laing, verlangen klare Verfahren im Umgang mit Vorwürfen sowie verpflichtende Schulungen zu Zustimmung und Mitverantwortung.

Zwischen Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit

Zahlreiche Statements betonen die Gratwanderung zwischen Solidarität mit möglichen Betroffenen und rechtsstaatlicher Fairness. Booking-Agenturen wie Bassgeflüster erklärten, man werde bis zur Klärung nicht mit Personen zusammenarbeiten, gegen die schwere Vorwürfe im Raum stehen, ohne jedoch Schuld oder Unschuld festzustellen.

Steer Management setzte die Zusammenarbeit mit involvierten Artists vorerst aus und verwies darauf, keine Ermittlungsbehörde zu sein. Man prüfe die vorliegenden Informationen intern.

Die Entwicklung bleibt dynamisch. Während täglich neue Line-up-Änderungen bekannt werden, sind viele der erhobenen Anschuldigungen weiterhin nicht gerichtlich entschieden. Welt.

(VOL.AT)

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