"Den Fischern auch ein bisschen Freiheit lassen": Warum Bruno am Molo lieber kein Café hätte
Mit einem geplanten Seecafé am Bregenzer Molo will die Stadt für mehr Sommer-Feeling sorgen. Doch das Projekt wirft auch Fragen auf: Toiletten sind vor Ort keine vorgesehen, die nächsten Anlagen sind rund 150 Meter entfernt. Gleichzeitig sorgen sich manche um eine Lärmbelästigung. VOL.AT hat sich dazu an der Bregenzer Seepromenade umgehört.
"Den Fischern auch ein bisschen Freiheit lassen"
Kein Fan der Idee für ein Lokal am Molo sind die Fischer, wie Bruno Delfauro aus Bregenz zu verstehen gibt: "Ich möchte da kein Café", meint der Hobbyfischer. Delfauro befürchtet, dass das die "falschen Leute" anziehen könnte. Er und mehrere weitere Fischer stehen beim VOL.AT-Lokalaugenschein mit ihren Angeln vorne am Geländer.
"Wir Fischer, die hier draußen sind, sind froh, wenn wir unsere Ruhe haben und die anderen Leute wahrscheinlich auch", betont er. "Wir können dann bald nirgends mehr fischen." Schon viele Jahre werde hier am Molo gefischt. Insgesamt gebe es rund Fischer, die das ganze Jahr über hierher kämen. "Auch, wenn wir nachts fischen, dann hier draußen", gibt Delfauro zu verstehen.
Er befürchtet, dass es nicht bei einem kleinen Gastgarten bleibt: "Wenn es dann 20 Sitzplätze sind, dann sind es auf einmal 40 oder 50." Man müsse "den Fischern auch ein bisschen Freiheit lassen". Er und seine Kollegen nehmen es so wahr, dass sie "immer mehr nur eingrenze". "Da werden wir uns sicher aufregen, wenn das hier rauskommt", meint er im Hinblick auf das Café.
"Das wäre sicher nett"
"Wieso nicht? Das wäre sicher ganz nett", meint Reinhold Findler aus Bregenz. Aus seiner Sicht würde das geplante Café das Molo "beleben".
Beim Lokalbesuch 150 Meter bis zur nächsten Toilette gehen zu müssen, findet er hingegen nicht so gut: "Das ist ein großes Thema", meint er. Es werde sich sicher lösen lassen. "Es wäre sicher idealer, wenn es ein zusätzliches Klo gäbe." Bedenken, was Lärm angeht, hat er keine: "Da draußen wird es nicht viele Leute stören."
"Es sind genug Cafés rundum"
"Also ich finde eigentlich nicht, dass es nötig wäre, dass hier nochmal so ein Café hinkommt", gibt Jaqueline Josifovic aus Lauterach zu verstehen. "Ich würde jetzt nicht empfinden, dass es das Uferbild schöner macht", meint sie. So wie es aktuell sei, sei es "vollkommen ausreichend." Es gebe genügend Gastronomie: "Es sind genug Cafés rundum."
Ein weiteres öffentliches WC würde sie hingegen befürworten – vor allem für den Fall, dass das Lokal zusätzlich eröffnet.
"Eine ziemlich gute Idee"
Ein Lokal am Molo sei "eine ziemlich gute Idee", meint Simona Wulf aus Lochau. "In Lindau gibt es Ähnliches. Das ist auch direkt am Wasser." Ein Gastgarten direkt am See beim Molo hätte aus ihrer Sicht "einfach Flair".
Zur WC-Thematik meint sie: "Damit muss man einfach rechnen, weil es ist direkt am See." Dort könne man wohl kaum ein öffentliches WC errichten. Statt um Lärm macht sie sich eher Gedanken um Müll: "Müll könnte ein Problem sein, wenn ich daran denke, dass die Leute trotzdem irgendwelche Gläser und Dosen dabeihaben." Es gebe zwar ein Glasverbot am See, doch es werde sicher etwas mehr Müll anfallen.
"Man muss es ausprobieren"
Christel Erhart aus Lochau zeigt sich noch abwartend: "Im Moment kann ich noch nicht so viel dazu sagen", meint sie. "Im Sommer mit vielen Touristen – vielleicht funktioniert es, man weiß es nicht", sind sie und ihre Freundin Frau Reich sich einig. "Vorstellen kann man sich das schon. Aber man muss es ausprobieren", so die beiden Lochauerinnen.
Kritisch sehen sie die WC-Situation: "Bei großem Andrang im Sommer könnte es ein bisschen eng werden."
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So ist die Toilettensituation
Es gibt gleich drei öffentliche Toiletten in der Nähe des Molo. Nur eine davon ist aktuell im Winter geöffnet: jene beim Minigolfplatz bzw. Spielplatz. Die Toiletten beim Fahrradverleih (am nächsten beim Molo) sind im Sommer geöffnet, ebenso jene bei der Hafen-Haltestelle der ÖBB.
Weitere WCs gibt es beim Festspielhaus-Parkplatz. Das Gäste-WC des Festspielhauses ist nur während des Vorstellungsbetriebs geöffnet.
(VOL.AT)