Wenn im Ländle über Vereinslegenden gesprochen wird, fällt sein Name zwangsläufig: Harald Dürr. Der 47-Jährige absolvierte 444 Pflichtspiele für Austria Lustenau, so viele wie kein anderer. Über 16 Jahre hinweg prägte er die Grün-Weißen im defensiven Mittelfeld, war Kapitän, Führungsspieler und Identifikationsfigur. "Ich habe das, was ich gemacht habe, wirklich gerne gemacht", sagt Dürr rückblickend.
Ein Leben für die Austria
Seine fußballerischen Wurzeln liegen, wenig überraschend, ebenfalls in der Stickergemeinde. Bereits im Alter von fünf Jahren begann er bei der Austria, 1997 schaffte er den Sprung in den Profikader. Bis auf einen kurzen Abstecher in die Schweiz zum USV Eschen-Mauren blieb er dem Klub über Jahre hinweg treu. Insgesamt 381 Spiele in der 2. Liga, dazu 30 Einsätze in der Bundesliga und 29 im ÖFB-Cup sprechen eine klare Sprache.
Doch Dürr war kein Spieler für die Statistik. 14 Tore und 19 Assists in 444 Pflichtspielen zeigen vielmehr, welche Rolle er verkörperte: die des Abräumers, des Antreibers und des Leaders. "Ich habe immer versucht, alles für die Mannschaft zu geben, Verantwortung zu übernehmen und als Kapitän voranzugehen", beschreibt er sich selbst.
Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählt für ihn vor allem das ÖFB-Cupfinale 2011 gegen die SV Ried. Über die gesamte Spielzeit stand das Austria-Urgestein auf dem Platz, auch wenn es am Ende eine 0:2-Niederlage setzte. "Das war sicher eines meiner Highlights", sagt er.
Unvergessen bleiben für ihn auch die Derbys gegen den SCR Altach oder den FC Lustenau. Spiele, die Emotionen freisetzten und tausende Fans ins Stadion lockten. "Teilweise waren 7000 bis 8000 Zuschauer da, das waren besondere Momente."
Mehr als nur ein Verein
Austria Lustenau war für Dürr weit mehr als nur ein Verein. Es war "sein" Verein. "Ich bin ein echter Lustenauer", sagt er. Die enge Verbindung ist bis heute geblieben.
Wann immer es die Zeit zulässt, verfolgt er die Heimspiele der Grün-Weißen im Stadion und hofft auf eine baldige Rückkehr in die Bundesliga. "Der Verein hat ein riesiges Potenzial, vor allem was die Fans betrifft", ist er überzeugt. Ein Aufstieg wäre für ihn nicht nur für die Austria, sondern für den gesamten Vorarlberger Fußball "ein großer Gewinn", wie er sagt.
Seine aktive Karriere ließ Dürr im Vorarlberger Unterhaus ausklingen. Stationen in Alberschwende, Langenegg und Sulz führten schließlich 2018 zum Karriereende. "Ich bin zufrieden, so wie es gelaufen ist, und bereue nichts", sagt er. Beruflich fand er abseits des Rasens schnell seinen Weg und arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Verkauf.
Kurzes Kapitel an der Seitenlinie
Ganz los ließ ihn der Fußball zunächst dennoch nicht. Als aktiver Spielertrainer beim FC Sulz und später als Trainer der Amateure von Austria Lustenau sammelte der Inhaber der UEFA-A-Lizenz erste Erfahrungen an der Seitenlinie.
Doch die Leidenschaft für den Trainerjob hielt sich, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, in Grenzen. "Ich habe nach dieser Zeit gemerkt, dass ich nicht mehr so dafür brenne, wie man es für diesen Job braucht", sagt Dürr ehrlich. Der Aufwand sei groß, die Energie, die man investieren müsse, enorm. Deshalb zog er einen klaren Schlussstrich.
Heute steht nicht mehr das runde Leder, sondern vielmehr die gelbe Filzkugel im Mittelpunkt. "Ich genieße meine Freizeit und habe meine Leidenschaft für Tennis entdeckt", schmunzelt Dürr abschließend.
(VOL.AT)