Benjamin Hauptmann sorgt beim SCR Altach dafür, dass am Spieltag alles sitzt – vom Trikot bis zum Ball. Warum dafür täglich acht Waschmaschinen laufen und trotzdem nichts schiefgehen darf.
Bei einem Fußballspiel richten sich alle Blicke auf die 22 Akteure auf dem Rasen. Hinter den Kulissen sorgen jedoch zahlreiche Mitarbeiter dafür, dass auf und neben dem Platz alles reibungslos funktioniert.
Einer von ihnen ist Benjamin Hauptmann. Der Deutsche kümmert sich bei den Rheindörflern seit diesem Sommer um die Organisation der gesamten Mannschaftsausrüstung, bereitet die Kabine für Spieler und Trainer vor und sorgt dafür, dass von den Trikots bis zu den Bällen alles rechtzeitig bereitliegt.
Jeder Handgriff muss sitzen
Der Arbeitstag des Zeugwarts beginnt bereits gegen acht Uhr. Dann werden die Kabine und die Ausrüstung für das Training vorbereitet. Trikots, Hosen, Stutzen und Schienbeinschoner werden bereitgelegt, ehe sich die Spieler ihre Kleidung für die Einheit abholen. Nach dem Training wandert die schmutzige Wäsche wieder direkt zurück zu Hauptmann, der sich bereits um die Nachbereitung und gleichzeitig um die Vorbereitungen für das nächste Spiel kümmert.
Besonders arbeitsintensiv ist dabei die Wäsche. "Am Tag laufen schon acht Waschmaschinen", erzählt der 40-Jährige. Zu Saisonbeginn ist der Aufwand noch größer, wenn sämtliche Neuzugänge ausgestattet und Trikots beflockt werden müssen. "Wenn man viele Trikots beflocken muss, muss man genau abmessen, damit alles richtig sitzt."
Während an Trainingstagen fast alles griffbereit ist, steigt vor Auswärtsspielen der organisatorische Aufwand deutlich. "Da musst du alles dabeihaben – teilweise doppelt oder sogar dreifach. Wenn ein Trikot reißt oder ein Spieler blutet, brauchst du sofort Ersatz." Seit seinem Einstieg als Zeugwart im Profifußball im Jahr 2011 ist ihm dennoch noch nie etwas Wichtiges abhandengekommen. "Das Wichtigste ist für mich immer, dass die Trikots dabei sind."
Erfahrung aus Deutschland
Vor seinem Wechsel nach Altach arbeitete Hauptmann bereits bei mehreren deutschen Traditionsvereinen, darunter dem Hamburger SV, Hannover 96, dem MSV Duisburg und dem FC St. Pauli. Die Unterschiede zwischen Deutschland und Altach seien zwar spürbar, an Professionalität fehle es im Ländle aber keineswegs.
"In Deutschland ist alles größer – mehr Fans, mehr Mitarbeiter. Aber hier beim SCR Altach ist alles sehr professionell und gut strukturiert. Mit dem neuen Campus hast du tolle Bedingungen zum Arbeiten." Besonders schätzt der Deutsche die kurzen Wege: "Ich mag lieber kleinere Teams. Da kennt jeder jeden, das macht die Arbeit angenehmer."
Zum Beruf des Zeugwarts kam Hauptmann eher zufällig. Angefangen hatte alles als Hobby bei einem deutschen Oberligisten, ehe er sich bei den "Zebras" in Duisburg bewarb und den Sprung in den Profifußball schaffte.
"Ich bin fußballbegeistert, und der Job macht mir bis heute Riesenspaß." Ob seine Arbeit gelungen ist, erkennt er an einem ganz bestimmten Moment. "Wenn der Schiedsrichter anpfeift, weiß ich, dass alles funktioniert hat."
Eine Szene aus seiner Zeit in Hannover ist ihm bis heute besonders in Erinnerung geblieben. Nach einer Platzwunde musste ein Spieler bereits das dritte Trikot anziehen. "Ich stand schon am Waschbecken und habe versucht, das Blut mit kaltem Wasser herauszubekommen. Zum Glück hat das funktioniert."
Für Hauptmann gehören genau solche Momente ebenso zum Alltag wie die vielen Waschmaschinen und die langen Auswärtsfahrten.
(VOL.AT)