Die Zahlen sind deutlich – und sie geben zu denken. Beim aktuellen Kompetenztest des Bildungsministeriums liegen Vorarlbergs Volksschulkinder im Vergleich der Bundesländer auf dem vorletzten Platz, sowohl im Lesen als auch im Rechnen, berichtet der ORF.
In Mathematik erfüllen 81 Prozent der Kinder die Bildungsstandards, in Deutsch sind es lediglich 55 Prozent. Beide Werte liegen unter dem österreichweiten Durchschnitt.
"Deutsch ist tatsächlich eine große Hürde", sagte Christoph Wund, Direktor der Volksschule Lustenau-Kirchdorf, im Interview mit "Vorarlberg heute". Er beobachte, dass immer mehr Kinder mit unzureichenden oder sogar nicht genügenden Deutschkenntnissen eingeschult würden – "obwohl sie zum Teil hier geboren und auch hier in den Kindergarten gegangen sind".
Sprache endet nicht beim Schultor
Für Wund ist klar: Schule allein kann das Problem nicht lösen. "Um Deutsch zu lernen, braucht es nicht nur die Schule, sondern auch die Familie", betonte er. Was im Elternhaus nicht vermittelt werde, lasse sich im Unterricht nur schwer vollständig aufholen.
Besonders herausfordernd sei es, wenn Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem im Alltag kaum Deutsch gesprochen wird. "Wenn ein Kind in einem Umfeld aufwächst, wo die Alltagssprache nicht Deutsch ist und wo im Freundeskreis die Alltagssprache nicht Deutsch ist, dann können wir in der Schule zu wenig leisten, um die Sprache wirklich zu lernen", so Wund.
Verstärkt werde diese Entwicklung durch die frühe Nutzung sozialer Medien. Diese würden von vielen Kindern überwiegend nicht auf Deutsch konsumiert – ein zusätzlicher Stolperstein beim Erwerb der Bildungssprache.
Ruf nach mehr Förderung
Der Lustenauer Direktor spricht sich daher für einen weiteren Ausbau der Deutschförderung aus – idealerweise in kleineren Gruppen. Auch Lesepatinnen und Lesepaten sowie freiwillige Helferinnen und Helfer könnten einen wichtigen Beitrag leisten. "Denn als Schule allein schaffen wir es wahrscheinlich nicht", sagte Wund. Viele Lehrkräfte arbeiteten bereits jetzt an ihrer Belastungsgrenze.
Wirtschaft warnt vor Folgen
Nach Veröffentlichung der Testergebnisse meldete sich auch die Vorarlberger Wirtschaftskammer zu Wort. Sie fordert einen raschen Ausbau von Ganztagesschulen in verschränkter Form.
Gudrun Petz-Bechter, stellvertretende Direktorin der Wirtschaftskammer Vorarlberg, appellierte an das Land, diesen Schritt konsequent umzusetzen. Die Schule habe einen klar definierten Leistungsauftrag, betonte sie. "Wenn Kinder am Ende der Volksschule nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, gefährdet das letztendlich auch die Fachkräftebasis und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung."
Die Debatte ist damit eröffnet – und sie betrifft weit mehr als nur Schulnoten. Es geht um Sprache, Chancen und die Zukunft des Standorts.
(VOL.AT)