Höchstgelegener Fußballplatz des deutschen Fußballs liegt in Vorarlberg
Wenn der Ball auf 1200 Metern rollt
Es ist ein Ort, an dem der Fußball dem Himmel ein Stück näher kommt. Und nein, die Rede ist nicht von einem Champions-League-Finale, sondern von einem Sportplatz im Kleinwalsertal. Genauer gesagt: vom Platz des SV Kleinwalsertal in Hirschegg. Rund 1200 Meter über dem Meer und damit der höchstgelegene Fußballplatz des deutschen Fußballs.
Moment mal, Kleinwalsertal? Das liegt doch in Vorarlberg! Richtig. Aber das Tal ist nur über deutsche Straßen erreichbar und daher kurioserweise in das deutsche Ligasystem integriert. Das heißt: Gespielt wird unter der Flagge des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), obwohl man sich geografisch klar auf österreichischem Boden befindet.
Panorama statt Pokal
Wer hier kicken will, muss Höhenluft vertragen, denn der Platz selbst liegt zwischen Wäldern und Alpengipfeln. Auf Instagram hat der "The Sweeper Podcast" den Platz bereits entdeckt, das Posting mit dem alpinen Fußball-Spot erreichte über 1500 Likes. In den Kommentaren wird heiß diskutiert, ob die Spieler des SV Kleinwalsertal durch ihre Höhenlage automatisch konditionsstärker seien. Heimvorteil auf 1200 Metern?
Nachwuchsarbeit mit großen Zielen
Während der Corona-Pandemie war es auf dem Sportplatz im Kleinwalsertal ruhig geworden. Mittlerweile gibt es wieder vier Nachwuchsmannschaften, von den Bambinis bis zur D-Jugend. "Uns war wichtig, dass wir nach der Pandemie wieder unseren eigenen Nachwuchs aufbauen. Das gelingt uns sehr gut", erklärt der Jugendleiter des SV Kleinwalsertal, Florian Nyer, der vor fünf Jahren von Wien wieder in seine Heimat zurückkehrte.
Bei den älteren Jugendlichen kann man keine eigenen Mannschaften mehr stellen und ist auf die umliegenden bayerischen Vereine angewiesen. "Die meisten spielen dann für die Junioren-Förder-Gemeinschaft (JFG) Illerursprung. Das ist eine Spielgemeinschaft mit Fischen, Oberstdorf und Altstädten", erklärt Nyer.
Eine Erwachsenenmannschaft gibt es zwar, die nimmt derzeit aber nicht am regulären Spielbetrieb teil, doch das Ziel ist klar: "Mittelfristig wollen wir wieder eine Kampfmannschaft im offiziellen Spielbetrieb stellen", sagt Nyer entschlossen.
Platz nur fünf Monate bespielbar
Der Platz in Hirschegg ist ein reiner Sommerplatz, von Ende April bis Ende September kann auf Naturrasen gespielt werden. Danach wird es frisch und matschig. Deshalb kooperiert der SV Kleinwalsertal mit dem Verein in Sonthofen, gut 30 Autominuten entfernt. Dort kann im Winter auf Kunstrasen trainiert und gespielt werden.
Der höchstgelegene Fußballplatz der rund 65.000 deutschen Fußballplätze liegt also eigentlich gar nicht in Deutschland, sondern in Vorarlberg. Das zeigt wieder einmal: Fußball kennt keine Grenzen, außer vielleicht die Baumgrenze. Die liegt in den Alpen aber bei rund 2500 Metern Seehöhe und ist somit noch weit entfernt.
(VOL.AT)