Fußballprofi. Das klingt nach Glamour, fetten Autos und sportlichen Heldentaten. Doch wer einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Bundesliga und 2. Liga wirft, erkennt schnell: Viele Spieler kämpfen mit ganz anderen Gegnern. Die VdF (Vereinigung der Fußballer) hat im Frühling 2025 zum dritten Mal seit 2014 eine umfassende Studie durchgeführt. 569 Spieler wurden befragt – 236 aus der Bundesliga, 333 aus der 2. Liga. Und die Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild.
Der Median des Bruttomonatsgehalts über beide Ligen hinweg liegt bei 3500 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Spieler verdient weniger. Zwar gibt es Prämien, im Schnitt 300 Euro pro gewonnenem Punkt, doch für viele reicht es dennoch nicht, um über die Runden zu kommen.
Zweitjob: Weil es nicht anders geht
Besonders dramatisch ist die Situation in der 2. Liga. Dort liegt das Median-Gehalt bei nur 2200 Euro brutto pro Monat. Zwar bedeutet das einen Anstieg im Vergleich zu 2019 (damals lag der Median bei 1300 Euro), doch von finanzieller Sicherheit ist man weit entfernt.
Besonders betroffen: Spieler über 26 Jahre. 65 Prozent von ihnen, also fast zwei Drittel, müssen neben dem Fußball arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Insgesamt haben 128 der befragten Spieler einen Nebenjob. VdF-Vorsitzender Gernot Baumgartner bringt es auf den Punkt: "Es ist bezeichnend, dass fast ein Viertel der Spieler einen Zweitjob haben. Natürlich sind da auch die dabei, die nebenbei studieren. Man sieht aber, dass einige gezwungen sind, nebenbei zu arbeiten, weil das Geld nicht reicht."
Junge Talente im Existenzkampf
Auch für junge Spieler ist die Situation alles andere als rosig. U20-Spieler in der 2. Liga verdienen im Median gerade einmal 1800 Euro brutto. Ein Betrag, der vielleicht reicht, solange man noch zu Hause wohnt, aber kaum geeignet ist, um auf eigenen Beinen zu stehen.
Ein Blick auf die Tabelle zeigt ebenfalls große Unterschiede: Während bei den oberen acht Vereinen der 2. Liga der Median bei 3000 Euro liegt, sind es bei den unteren acht lediglich 2000 Euro. Für viele bleibt der Traum vom Profifußball also ein finanzieller Kraftakt.
Bundesliga: Stagnation statt Stars
In der Bundesliga sieht es zwar besser aus, das Median-Gehalt liegt bei 8000 Euro brutto, dazu kommen 600 Euro pro Punkt. Doch selbst hier gibt es keine Steigerung im Vergleich zu 2019. Im Gegenteil: Die Punkteprämie ist sogar gesunken, von damals 750 auf jetzt 600 Euro. Für die Mehrheit der Spieler bedeutet das: Mehr Leistung für weniger Geld und aufgrund der Inflation auch ein Reallohnverlust.
Zwischen Leistungsdruck und mentaler Belastung
Geld ist nicht das einzige Problem. Auch die mentale Gesundheit spielt im Profifußball eine zunehmend wichtige Rolle. Laut der Studie geben 20 Prozent der Spieler an, mit psychischen Herausforderungen zu kämpfen. Nur 172 Spieler sagen, es gehe ihnen mental "sehr gut", 272 sprechen von "gut", 93 von "mittelmäßig", 22 von "eher schlecht" und sechs Profis geben an, dass es ihnen "schlecht" geht.
"Die Spieler stehen in der Öffentlichkeit und werden viel beobachtet", erklärt Baumgartner. Der Druck ist hoch, auch abseits des Platzes.
Plan B? Für viele Fehlanzeige
Was passiert nach der Karriere? Auch hier zeigt die Studie Handlungsbedarf: Nur 168 Spieler haben einen klaren Plan für die Zeit nach dem aktiven Sport. 273 denken gelegentlich darüber nach, 108 haben keinerlei Perspektive. Das bedeutet: Fast 20 Prozent der befragten Spieler blicken ohne Plan in die Zukunft.
Die VdF-Studie zeigt deutlich: Der Profifußball in Österreich ist längst nicht das goldene Pflaster, für das ihn viele halten. Wer nicht zu den Top-Verdienern gehört, kämpft oft Monat für Monat um seine Karriere, seine mentale Gesundheit und um ein Einkommen, das diesen Namen auch verdient.
"Für junge Spieler, die noch im Hotel Mama wohnen, geht es sich noch aus. Aber wenn man nicht mehr zu Hause wohnt und eine Familie gründen will, wird’s schon eng", sagt Baumgartner. Ein Satz, der viel mehr ist als eine Feststellung. Es ist ein stiller Hilferuf aus einer Welt, die nach außen so glänzend scheint.
(VOL.AT)