"Die Herausforderung ist der viele Verkehr" – so läuft die A14-Sanierung bei Götzis
Große Generalsanierung läuft
Baumaschinen, Schremmer, Hochdruckmaschinen – und der Verkehr läuft knapp daran vorbei. Beim VOL.AT-Lokalaugenschein am Montag zeigt sich, wie aufwendig die Generalsanierung der A14 zwischen Götzis und Altach ist. Projektleiter Klaus Oberhauser führt durch die Baustelle und erklärt, warum unter Hochdruck, aber nicht rund um die Uhr gearbeitet wird.
Sanierung unter laufendem Verkehr
Die Arbeiten erfolgen mitten im Verkehr – und genau das bestimmt den gesamten Bauablauf. "Die Herausforderung ist der viele Verkehr", verdeutlicht Oberhauser. "Die ganze Baustelle führen wir in drei Etappen durch."
Aktuell läuft die erste Bauphase, in der der Verkehr nach außen verlegt wurde. In den kommenden Monaten wird die Verkehrsführung mehrfach umgestellt, um schrittweise beide Richtungsfahrbahnen zu sanieren. Entscheidend dabei: Pro Richtung bleiben zwei Fahrstreifen offen. "Wenn wir nicht zwei Fahrspuren pro Richtungsfahrbahn offen haben, dann gibt es bei uns einfach Stau."
20 Zentimeter tief wird abgefräst
Ein Blick auf die Fahrbahn zeigt, wie tief die Arbeiten gehen. "Momentan haben wir die ganze Fahrbahn auf 20 Zentimeter Tiefe abgefräst", erklärt Oberhauser.
Doch das ist vielerorts nur der Anfang: Wo Schäden und Fahrbahnrisse tiefer reichen, wird weiter abgetragen und neu aufgebaut. "Es gibt große Fahrbahnschäden", so der Projektleiter. "Umso länger man wartet, umso tiefer werden die Fahrbahnschäden."
Auch die Brücken entlang des Abschnitts stehen im Fokus. Sie stammen großteils aus den Anfangsjahren der Autobahn. "Die sind jetzt alle 45 Jahre alt" – und entsprechend sanierungsbedürftig. Sie seien nicht auf die Verkehrsmenge und Last ausgelegt worden.
Entwässerung und Sicherheit werden neu gedacht
Neben Fahrbahn und Brücken wird auch die Entwässerung grundlegend erneuert. Oberflächenwasser, das sich sonst auf der Fahrbahn sammeln könnte, wird künftig gesammelt und gezielt abgeleitet. Das ist zwar technisch aufwendig, aber notwendig.
"Wir machen keinen konventionellen Aushub durch, sondern Durchpressungen", meint Oberhauser. Stahlrohre werden ins Erdreich gepresst und mit einer Schnecke holt man das Material heraus. "Damit wir keine so tiefen Gräben im bestehenden Damm haben."
Zudem gibt es Anpassungen für mehr Sicherheit: Der Mittelstreifen schrumpft und wird versiegelt. Betonleitwände ersetzen bestehende Stahlleitschienen. Dadurch wird auch der Pannenstreifen verbreitert, um liegengebliebenen Fahrzeugen mehr Platz zu bieten. Auch Mäharbeiten der Asfinag sollen künftig möglich sein, ohne dass die Fahrzeuge in die Normalspur stehen.
Bauen im Bestand bleibt unberechenbar
Gerade die Arbeiten an bestehenden Bauwerken sorgen immer wieder für Überraschungen. "Das sind alte Brücken. Da weiß man nie, was wirklich zum Vorschein kommt", schilderte Oberhauser beim Rundgang.
Teils unvollständige Pläne und unterschiedliche Materialien im Untergrund erschweren die Arbeiten zusätzlich. "Man erlebt immer wieder Überraschungen. Das macht das Ganze spannend."
Beim Bohren und Durchpressen wechseln sich weiche Schichten und harte "Findlinge" ab. "Es ist kein gewachsener Boden. Es sind unterschiedliche Auffüllmaterialien", so Oberhauser. "Früher, als man die Autobahn gemacht hat, hat man Material vom Udelberg abgebaut." Dieses wurde hier im Fahrbahnaufbau verarbeitet. Bei der Sanierung kommen große Steinbrocken wieder zum Vorschein.
Die Brückentragwerke der A14 werden verstärkt und abgedichtet. Dann wird der Asphalt erneuert. Eine der Brücken – die V73 in der Mitte des Abschnittes wird in ein semi-integrales Tragwerk umgebaut. Damit kann auf Fahrbahnübergänge verzichtet werden. So entfällt beim Drüberfahren das Klopfen. "Für die Wartung ist es besser, gerade auch wenn ein Schneepflug drüber fährt, ist es immer schwierig", so der Projektleiter. Auch Korrosion und Lärm waren bisher Thema. Eine weitere Brücke wird durch einen neuen Fingerübergang lärmreduziert.
Brückensanierung und Behelfsbrücke
Von Götzis kommend ist weder die Zufahrt nach Koblach noch die Auffahrt auf die Rheintalautobahn möglich (ausgenommen Linienbusse). Für Fußgänger und Radfahrer wurde eine Behelfsbrücke neben der bestehenden eingerichtet. "Das war der Wunsch der Gemeinden Götzis und Koblach und auch vom Land."
Die Brücke wurde vom ersten auf den zweiten April eingehoben – dafür war eine Sperre notwendig. Zum Entfernen der Behelfsbrücke im Sommer wird wieder eine Sperre notwendig sein. "Im gleichen Zug werden wir dann auch die Gasleitung an die Brücke hängen."
Die Brücke über die A14 bei Koblach wird ebenfalls saniert. "Die Brücke hat Baujahr 1970", gibt Oberhauser zu verstehen. "Sie wurde vor der Autobahn schon gemacht." Die Brückenabdichtung habe die "Lebensdauer längst erreicht" und müsse erneuert werden. Asphalt und Randbalken werden entfernt, die Entwässerung wird erneuert und lokale Betonschäden saniert.
Fertigstellung bis Dezember angepeilt
Trotz der komplexen Bedingungen liegt das Projekt im Zeitplan. "Noch liegen wir im Zeitplan. Wir haben nicht viel Vorsprung." Bis Anfang Dezember werde man voraussichtlich fertig werden, gibt Oberhauser zu verstehen.
Einzelne Sperren – etwa für das Entfernen der Fußgänger-Behelfsbrücke im Sommer – wird es weiterhin geben, meist in den Nachtstunden. Für die eigentlichen Arbeiten sind keine Sperren notwendig. "Wenn wir Spuren sperren müssen, machen wir das nur in der Nacht."
Warum nicht rund um die Uhr gebaut wird
Wieso wird nicht länger oder nachts auf und an der Autobahn gearbeitet? Tatsächlich passieren Arbeiten auch nachts – etwa kleinere Eingriffen oder wenn Sperren notwendig sind. Oberhauser verrät: "Am Samstag wird ab und zu gearbeitet, wenn wir dem Zeitplan hinterher sind."
Grundsätzlich arbeite man untertags. "Man ist einfach am effizientesten", gibt der Projektleiter zu verstehen. Nachtarbeit sei deutlich teurer, die Qualität leide eher. "Die Baufirmen im Land haben auch die Kapazitäten nicht, dass sie mit einem Zweischichtbetrieb arbeiten könnten." Ein Nachtbetrieb würde eine zusätzliche Mannschaft erfordern – inklusive Bauleitung und Aufsicht.
Auch das Arbeitsrecht setzt Grenzen: "Arbeitszeiten dürfen natürlich auch nicht überschritten werden", so Oberhauser. Das Arbeitszeitgesetz setzt klare Grenzen: Nach einem Arbeitseinsatz müssen Beschäftigte mindestens elf Stunden Ruhezeit einhalten.
Die Asfinag setzt bewusst auf regionale Betriebe. Große Teile der Bauarbeiten werden laut Oberhauser von Vorarlberger Firmen umgesetzt, ergänzt durch spezialisierte Subunternehmen. Die Baustelle sei auch so dimensioniert, dass sie von Unternehmen im Land bewältigt werden kann. In den kommenden Jahren werde viel in die Infrastruktur investiert – die Wertschöpfung solle dabei möglichst in der Region bleiben.
Lärmschutz als weiterer Punkt
Auch der Lärmschutz spielt eine Rolle. Bei Autobahnbaustellen entstehen durch Fräsen, Bohren und schwere Maschinen hohe Geräuschpegel, für Anrainer gelten nachts strengere Maßstäbe. Grundlage sind unter anderem Bauvorschriften und allgemeine Lärmschutzbestimmungen – so darf kein "ungebührlicher Lärm" verursacht werden.
Lärmintensive Arbeiten sind daher meist auf den Tag beschränkt. Die konkreten Arbeitszeiten werden in der Regel im jeweiligen Bescheid festgelegt. Für Nachtarbeit braucht es üblicherweise eine eigene Bewilligung.
(VOL.AT)