Die Künstlertochter

Gabriela Lamprecht erinnert sich an das Leben mit ihrem Vater Wilfried Kofler, dem sie eine Künstlermonografie widmete – nicht um dessen Tod zu verarbeiten, sondern um seine Skurilität, sein Wesen und sein Schaffen zu würdigen.

Viele hätten ihren Vater Wilfried Kofler als Spinner bezeichnet, erzählt Gabriela Lamprecht. Sie selbst nennt ihn schmunzelnd „abgedreht“ – sie sagt das mit Stolz und Bewunderung. Ihre Kindheit als Tochter eines Künstlers war allerdings manchmal schwierig. „Mein Vater konnte nicht mit Konventionen und Zwängen umgehen. In der Familie fühlte er sich oft unverstanden“, erzählt die 46-Jährige. „Ein klassisches Familienleben hatten wir nicht.“ Vielmehr seien ihre Mutter, ihre Schwester Elke sowie sie selbst oft angespannt gewesen, wenn der Bau- und Kunstschlosser nach Hause kam. Denn Wif sorgte mit seiner unbändigen Kreativität gelegentlich für Überraschungen, die in der Familie für gemischte Gefühle sorgten. Von einer Begebenheit erzählt Lamprecht im Vorwort des Buches „Verbrannter Schnee gibt keine Asche“. Dort fragt sie: „Wie geht man damit um, wenn man nach Hause kommt und feststellen muss, dass der neue Bereberteppich mit kleinen Fußspuren aus Kartoffeldruck übersät ist? Mit Acrylfarben. Um den Einzug der Männehunnen, wie mein Vater Hunnen in Miniaturform nannte, darzustellen.“ Man ist geschockt. Im Moment jedenfalls.

Bregenz, 27.01.2016
Wilfried Wif Kofler, Kunstschlosser, Kuenstler, Portrait, Original

Rückblick.

Heute sieht Lamprecht die positiven Aspekte, denn Wif sei ein sehr guter Lehrmeister gewesen: „Diese Situationen brachten wertvolle Erfahrungen mit sich. Man wird toleranter, gewinnt an Verständnis für Mitmenschen und ist für vieles im Leben besser gewappnet.“ Auch wenn sie sich als Kind teilweise vernachlässigt fühlte, weil Kofler, wenn ihn die Muse küsste, in seiner Werkstatt verschwand und die Welt um sich herum vergaß. Sie erkannte, dass der „abgedrehte“ Künstler, ihr Selbstständigkeit und Zuversicht beibrachte. „Außerdem hat mein Vater meiner Schwester und mir auch zugestanden, einfach nur zu ‚sein’ und dennoch aufmerksam beobachtet, was aus uns wird.“ Geworden ist aus Gabriela ein Mensch, der Lösungen sieht und keine Probleme. Eine Powerfrau, die jahrelang in der Medien- und Kommunikationsbranche tätig war und sich vieles zutraut und traut. Auch öffentlich über den Tod ihres Vaters zu sprechen.

Schicksalsmoment.

„Mein Vater war unheilbar krank, als er im November 2017 an den Folgen eines Suizidversuchs verstarb.“ Ein emotionaler Einschnitt im Leben der Familie. So polarisierend wie der Schlossermeister und Künstler Wif Kofler durchs Leben ging, verließ er es auch. Gabriela Lamprecht hat längst Frieden mit der Vergangenheit geschlossen und betont: „Ich war mit ihm schon lange im Reinen. Wir hatten Jahre zuvor sehr viele schöne Momente. Er hat auch meinen Kindern als Opa noch wertvolle Dinge beibringen können.“ Die Entscheidung, die Künstlermonografie zu veröffentlichen, habe entgegen jeder Vermutung genau zwei Gründe: „Erstens, weil er sich das Buch gewünscht hat und es selbst nicht mehr zu ­Ende bringen konnte. Und zweitens, weil er es verdient hat.“ Entstanden ist eine Hommage an einen unverbogenen Menschen sowie einen politisch engagierten Künstler und seine Arbeiten. Herausgegeben von einer Tochter, die voller Liebe und Respekt, ihren Vater und sein Lebenswerk würdigt.

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