Die größten Sprünge nach oben sorgen regelmäßig für Aufmerksamkeit. Mindestens ebenso spannend ist der Blick auf jene, die an Einfluss verlieren - Heute die Plätze 30 bis 11 auf der Liste der 100 Einflussreichsten in Vorarlberg 2026.
Die neue Liste zeigt: Ein Rückgang bedeutet nicht zwangsläufig schlechtere Arbeit. Oft sind es veränderte Rahmenbedingungen, neue Machtzentren oder ein Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung, die eine Neubewertung nötig machen. Besonders deutlich wird das bei fünf Persönlichkeiten zwischen Rang 11 und 30.
Er leitet die KHBG
Am stärksten unter Druck geriet im letzten Jahr Gerald Fleisch. Der Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG) sieht sich seit Längerem mit vielen Problemfeldern konfrontiert: Die heftigen Diskussionen über die künftige Spitalsstruktur, die angespannte Personalsituation, Engpässe bei Pflegekräften und eingeschränkte Operationskapazitäten prägen seit Monaten die öffentliche Debatte.
Hinzu kommt die Aufarbeitung der Siemens-Affäre. Über Jahre blieben manipulierte Rechnungen unentdeckt. Die KHBG gilt dabei als Geschädigte, die Aufklärung läuft. Der Rückfall von Platz 7 auf 17 hat nichts mit Fleischs angekündigtem Ausscheiden Ende 2028 zu tun, das war zum Zeitpunkt der Jurysitzung noch nicht bekannt.
Auch Karlheinz Kopf fällt zurück
Einen spürbaren Dämpfer erlebt auch Karlheinz Kopf. Er verliert sieben Plätze und rutscht von Platz 11 auf Platz 18 ab. Mit seiner Wahl zum Präsidenten der Wirtschaftskammer waren große Erwartungen verbunden, da kaum jemand über vergleichbare Erfahrung in Bundespolitik und Interessenvertretung verfügt. Entsprechend hoch lag die Messlatte: rasch neues politisches Gewicht, weniger Bürokratie, spürbare Entlastung der Betriebe. Im ersten Jahr ist Kopf diesen Erwartungen der heimischen Wirtschaft nicht vollständig gerecht geworden.
Bei ihm floss jahrelang die Energie des Landes
Bei Christof Germann ist der Rückfall von Platz 6 auf 28 vor allem Ausdruck des bevorstehenden Führungswechsels bei illwerke vkw. Der langjährige Vorstandsvorsitzende hat das Unternehmen über Jahre geprägt und große Investitionen in die Energiezukunft des Landes verantwortet. Mit der feststehenden Übergabe an seine Nachfolgerin Anna Jasper-Martens richtet sich der Blick zunehmend auf die Zukunft des Unternehmens. Germanns Verdienste bleiben unbestritten, seine persönliche Einflussphase nähert sich jedoch ihrem Ende.
Köhlmeier und Ritsch verlieren Plätze
An Michael Köhlmeiers Bedeutung als einer der wichtigsten Schriftsteller Österreichs und prägenden Kulturpersönlichkeiten Vorarlbergs besteht kein Zweifel. Doch im vergangenen Jahr fehlten jene großen gesellschaftspolitischen Debatten, in denen seine Stimme weit über den Kulturbetrieb hinaus Gewicht hatte. Seine literarische Strahlkraft ist ungebrochen, seine öffentliche Präsenz im politischen Diskurs war zuletzt jedoch geringer (von 17 auf 27).
Deutlich an Boden verliert auch der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (von 20 auf 30). Noch im Vorjahr profitierte er von seinem überzeugenden Wahlsieg und dem Höhepunkt seiner politischen Sichtbarkeit. Seither ist der politische Alltag eingekehrt. Ritsch konzentriert sich wieder auf die Arbeit in der Landeshauptstadt, sachorientiert und weniger öffentlichkeitswirksam.
Morgen, Samstag mit VOL.AT+: Wer in Vorarlberg fernab der Öffentlichkeit die größten Hebel bewegt – dann rücken auch Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, deren Macht meist hinter den Kulissen wirkt und gerade deshalb besonders groß ist.
(Red.)