"Die Worte auf dem Hintern waren für mich sehr prägend" – Tätowierer aus Götzis über sein absurdestes Tattoo
Er trägt Schlappen im Studio – so wie alle hier im Laden. Pascal Benzer ist seit fast acht Jahren Tätowierer, seit viereinhalb Jahren selbstständig. Bekannt wurde er zuletzt aber nicht nur durch seine Arbeiten, sondern durch humorvolle Videos auf Social Media.
Während viele Studios auf klassische Vorher-nachher-Bilder setzen, geht er einen anderen Weg – und leistet damit in Vorarlberg in der Szene Pionierarbeit. Im Interview spricht er über unterschiedlichste Facetten des Tätowierens, über Trends, Tabus und ein Erlebnis, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist.
"Ich mache nichts für Geld"
Diesen Satz sagt Benzer ohne Zögern. Wenn er das Gefühl habe, ein Motiv passe nicht zur Person oder sei schlicht keine gute Entscheidung, lehnt er ab – selbst wenn der Kunde bereit wäre, viel zu bezahlen. "Geld kommt und geht", sagt er. Ein Tattoo bleibe. Besonders sensibel ist er bei kulturell geprägten Motiven wie bestimmten Maori- oder Tribal-Designs. Technisch könne er sie umsetzen, erklärt er. "Aber jede Linie hat eine Bedeutung." Aus Respekt steche er solche Motive nur ungern, wenn kein Bezug dazu bestehe.
Vom Tischler zum Tätowierer
Sein Weg in die Branche war keiner aus dem Bilderbuch. 18 Jahre arbeitete er als Tischler, kämpfte mit Rückenproblemen, war zwei Jahre im Krankenstand. Das Tätowieren sei für ihn lange "wie ein Einhorn" gewesen – ein Traum, der unerreichbar schien. Er absolvierte eine mehrmonatige Ausbildung, investierte viel Geld und setzte alles auf eine Karte. Heute sagt er: "Ich arbeite nicht, ich liebe meine Arbeit." Sein Schwerpunkt liegt auf Realistik und Cover-ups – also dem Überarbeiten alter oder misslungener Tattoos. "Es gibt sehr viele schlechte Tattoos auf dem Planeten", sagt er offen. Genau darin liege die Herausforderung. Ein gutes Cover-up brauche Planung, Erfahrung und Ehrlichkeit. Einfach "drüberstechen" funktioniere fast nie.
Was bei Farben wirklich Sache ist
Verunsicherung gab es zuletzt rund um EU-Vorgaben zu bestimmten Pigmenten. Viele glaubten, bunte Tattoos seien verboten worden. Das stimme so nicht, erklärt Benzer. Hersteller hätten Rezepturen angepasst und neue Farben entwickelt. Er selbst arbeitet mittlerweile überwiegend in Schwarz und Grau – aus Überzeugung und aus Erfahrung.
Die Worte auf dem Hintern
Und dann ist da noch diese eine Geschichte, die ihm besonders im Kopf geblieben ist. Ein paar simple Worte, gestochen auf den Hintern einer Kundin. Den genauen Inhalt verrät er nicht. "Das war für mich sehr prägend, sehr obszön", sagt er. Nicht wegen der Technik – sondern wegen der Situation. Schräge, intime oder sehr persönliche Wünsche gehören zum Alltag eines Tätowierers. Professionalität sei dabei entscheidend. "Ich habe in meinem Leben alles schon gesehen", sagt er nüchtern. Am Ende bleibt vor allem ein Rat an alle, die über ein Tattoo nachdenken: genau hinschauen. Arbeiten vergleichen. Bewertungen lesen. "Wenn ihr online nicht viele Bilder findet, überlegt euch, warum."
(VOL.AT)