„Die Zettelwirtschaft ist ein Wahnsinn“ – Foodtruck-Betreiber rechnet ab
„Es war immer mein Traum, selbstständig zu sein“, betont Walder. „Darum habe ich auch alles immer erledigt, was notwendig war.“ Der 29-Jährige aus Bregenz brennt für seine Ideen und setzt diese auch um: Im Dezember 2023 hat der leidenschaftliche Gastronom seinen Foodtruck "Cooking Ninja" eröffnet, mit dem er im Ländle unterwegs ist.
Und Anfang 2025 übernahm Walder, der in Egg lebt, die Kantine der Bezauer Wirtschaftsschulen. Mit seinem Imbisswagen ist er im Sommer bei Musik-Festivals und Veranstaltungen präsent. Von Natur aus fröhlich und optimistisch, doch wenn es um überbordende Bürokratie geht, versteht der ehemalige Mister Vorarlberg keinen Spaß. Der Jungunternehmer nennt Beispiele aus seinem Alltag, die er nicht nachvollziehen kann.
„Die Zettelwirtschaft ist ein Wahnsinn“, kritisiert Walder den Umgang der Behörden mit Daten. „Ich verstehe nicht, warum ich die originalen Rechnungen sieben Jahre lang für das Finanzamt aufbehalten muss. Bei mir daheim stapeln sich die Ordner.“ Dieser Umstand würde „sehr viele“ Gründer belasten. Da müsse es bessere Lösungen geben. Eine vollständige Digitalisierung würde hier „nicht nur Platz sparen, sondern auch Zeit und Ressourcen“.
Absurde Auflagen
Wie aberwitzig manche Vorschriften sind, erklärt Walder am Beispiel der Entlüftung: In der Gründungsphase teilte ihm die Bezirkshauptmannschaft (BH) mit, dass eine normale Lüftung nicht reicht. Um Geruchsbelästigung zu vermeiden, musste es nämlich ein Aerosol-Filter sein. „Diese Investition lag im vierstelligen Bereich, gerade am Anfang ist das eine erhebliche Belastung“, sagt Walder.
Der springende Punkt: „Diesen Aerosol-Filter brauchst du nur, wenn du einen fixen regelmäßigen Standort für den Foodtruck hast. Also wenn du etwa jeden Montag nur in Bregenz stehst, ist er notwendig. Wenn du hingegen jeden Tag an einem anderen Standort stehst, reicht eine normale Lüftung ohne Abluftrohr. Hier wäre eine praxisnähere Lösung wünschenswert.“
Will man Mitarbeiter anstellen, gebe es zusätzliche absurde Regeln, erzählt Walder. So müsse eine bestimmte Raumhöhe erfüllt werden. „Obwohl ich in meinem Foodtruck problemlos arbeiten kann und mit den Armen nicht einmal die Decke berühre, wurde sie als zu niedrig bewertet“, wundert sich der Bregenzer. Und auch hier gilt dasselbe Prinzip wie oben: Wechselt er täglich die Position seines Take-Away-Stands, muss er sich nicht an diese Vorgabe halten. „Mir ist Mitarbeiterschutz sehr wichtig, dennoch wäre bei mobilen Betrieben eine differenziertere, praxisorientierte Betrachtung sinnvoll“, schüttelt Walder den Kopf.
Noch eine Vorschrift, die den enthusiastischen Koch irritiert: Da er in seinem Streetfood-Mobil kein WC eingebaut hat, muss für Beschäftigte eine Toilette in einem nahegelegenen Gebäude zur Verfügung stehen. Laut Behörde darf der Weg dorthin jedoch nicht unzumutbar sein, selbst wenn es nur wenige Schritte im Freien sind. „In der Praxis sehen das meine Mitarbeiter sehr unkompliziert.“ Nach Ansicht des Küchenchefs könnte man auch in diesem Punkt stärker auf realistische Arbeitsbedingungen eingehen.
„Behörden-Hopping“
Ausufernde Bürokratie lähmt das Land. Davon kann auch Patrik Walder ein Lied singen. „Zu Beginn musste ich sämtliche Pläne für Küche und Betriebsanlage mehrfach ausdrucken und bei der BH einreichen, damit jede zuständige Stelle ihre Unterlagen erhält.“ Der Sinn dahinter sollte sein, dass jede Instanz einen Stapel hat. Für dieses „Behörden-Hopping“ fehlt Walder jegliches Verständnis. Eine zentrale digitale Einreichstelle, bei der alle Ämter Zugriff haben, würde den Prozess erheblich vereinfachen. Gerade für Unternehmensgründer wäre das eine große Entlastung.
„Großes Vereinfachungspotenzial“
Walder hat einen großen Wunsch an die Politik: „Grundsätzlich sehe ich in vielen Bereichen großes Vereinfachungspotenzial. Es wäre hilfreich, wenn bei der Ausarbeitung von Vorschriften verstärkt Menschen einbezogen würden, die täglich in diesem Bereich arbeiten.“ Mehr Praxisnähe würde viele Prozesse „verständlicher und effizienter“ machen.
Dieser Umgang mit Selbstständigen habe nämlich negative Auswirkungen: „Wenn ich im Freundeskreis von diesen Abläufen erzähle, reagieren viele überrascht, wie komplex manche Prozesse sind. Ich glaube, dass klarere und einfachere Strukturen mehr Menschen motivieren würden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.“ Doch trotz aller berechtigten Kritik stellt Walder klar, dass die BH „sehr kooperativ“ sei und ihm helfe. Man bekomme Unterstützung und die Angestellten dort seien da, wenn man etwas brauche.
(VOL.AT/Rausch)